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Schwelgen in Erinnerungen
Früher war mehr Faasend

Beim Verband Wohneigentum in Fischbach feierten die Senioren am Fetten Donnerstag ihre eigene Fastnacht in der Alten Schule.
Beim Verband Wohneigentum in Fischbach feierten die Senioren am Fetten Donnerstag ihre eigene Fastnacht in der Alten Schule. FOTO: BeckerBredel
Fischbach. Am Fetten Donnerstag feierten Senioren in Fischbach Fastnacht. Und sie erzählten uns, wie es früher war. Von Becker & Bredel

Zum Seniorennachmittag beim Verband Wohneigentum kamen am Fetten Donnerstag die Senioren verkleidet. Wir nutzen diese Gelegenheit, einmal mit Fischbachs „Alten“ in Ruhe über die Fastnacht „früher“ zu sprechen. Das Ergebnis: Wir sind dabei, Traditionen für immer zu verlieren.



Renate Rebeck (78) bringt es auf den Punkt: „Man sieht heute keine Kinder mehr auf der Straße. Früher klingelten ganze Gruppen verkleideter Kinder an der Tür und sangen für Geld und Süßigkeiten. Meine Buben zogen früher von Haus zu Haus und hatten am Ende 30 bis 40 Mark und jede Menge Süßigkeiten. Die liefen dafür zu Fuß bis nach Camphausen.“ Edeltraud Seel (68) erinnert sich auch an die alte Zeit: „Wir Kinder waren damals mehr draußen als drin.“ Als Schornsteinfegerin sei sie durch Altenkessel gezogen. Dass man heute die verkleideten Kinder nicht mehr draußen sieht, habe noch einen weiteren Nachteil: „Die Kinder singen nicht mehr. Und die Liedtexte vom ,kleene Keenich’ oder von ,Die Faasekiechelcha genn geback’ gehen verloren und werden vergessen“, sagt Ida Schellberg (79). Früher sei auch im Ort viel mehr los gewesen. Im Kolpinghaus und im Krause-Saal sei gefeiert worden, den Fußballerball, den Faschingssamstag des Turnvereins oder den Lumpenball des Kirchenchors gebe es nicht mehr. „Mehr als einmal war beim Lumpenball so viel los, dass die Deko von der Wand gefallen ist. Es waren Maskenbälle. Alle kamen verkleidet, man konnte Preise für das schönste Kostüm gewinnen“, erinnert sie sich. Aber die Vereine hätten es schwer. Hans Spaniol (77) kennt die Gründe: „Wir feierten früher den Fetten Donnerstag mit dem Männergesangverein und mussten das aufgeben. Die Zahl der Aktiven ging zurück, dann litten unsere Einnahmen darunter, dass junge Besucher ihren Alkohol selbst mitbrachten, dann mussten wir einen teuren Sicherheitsdienst engagieren. Da lohnte es sich nicht mehr“, so der 77-Jährige. Kleine Vereine in kleinen Orten treffe es am meisten. Und dass die Kinder nicht mehr singen führt er darauf zurück, dass die Kinder satt seien: „Unsere Kleider waren selbst genäht, Spielzeug wurde gebastelt. Die Faasend war eine Chance auf frische Berliner. Heute haben die Kinder Geld und Süßigkeiten, wann immer sie wollen.“

Neben dem Singen an der Tür verliert das Saarland noch eine Tradition, klagen die Senioren – die des Hausballs. „Wir haben früher Kappensitzungen zuhause gefeiert, mit der ganzen Familie, und jeder musste einen Beitrag leisten. Musizieren oder eine Büttenrede vortragen“, so Gerlinde Zell (71). Die aktive Karnevalistin vom Theaterverein Saargold Fischbach macht das heute aber auch nur noch im Verein, bei den Seniorensitzung trug sie vor. Dass ihr Lebensgefährte Elferratspräsident in Molschd ist, ist kein Wunder. Eine dritte Tradition, die nach Ansicht der Senioren kippt, ist die des „Faasekiechelche“. Diese gezuckerten Hefeteigbällchen gibt es natürlich auch heute noch, aber nicht mehr aus Omas Backofen. „Mama und Oma haben früher gebacken, ganze Schüsseln voll mit Küchlein“, sagt Brigitte Steuer (78). Dass zuhause gebacken wird, sei heute die große Ausnahme. Und was war das Beste an ihrer Fastnacht früher? „Wenn wir in der Metzgerei Schulze beim Singen ein Stück Lyoner bekamen…“