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Freundschaft inklusive

Quierschied. Gemeinsames Essen und gemeinsames Musizieren sowie Gespräche fast ohne Verständigungsprobleme prägten das Begegnungsfest im Pfarrheim Maria Himmelfahrt. Elmar Müller

Ungewohnte Düfte durchzogen am vorigen Freitagabend das katholische Pfarrheim Maria Himmelfahrt. Es war ein Hauch von Orient, der die Nasen der Besucher kitzelte. Die Gerüche kamen von einem kalt-warmen Büfett, das syrische Frauen zusammengestellt hatten. Arabische Wortfetzen waren zu hören, dazu ein Gemisch aus Englisch und Deutsch. Es war eine zwanglose Atmosphäre wie bei einem großen Familienfest. Gut gelaunte Menschen saßen zusammen, junge und ältere, aßen und tranken, unterhielten sich. Eine Sprachbarriere war nicht wirklich zu erkennen. Es wurde viel gelacht, mit Handys wurden Bilder und Filmaufnahmen gemacht. Die Stimmung war ausgelassen. Im katholischen Pfarrheim trafen sich Quierschieder Bürgerinnen und Bürger mit ihren neuen Mitbewohnern aus Syrien und Eritrea . Es war das erste Begegnungsfest.

Die Idee dazu entstand beim "Runden Tisch" zum Thema Flüchtlinge , zu dem die Quierschieder Verwaltung vor einigen Wochen eingeladen hatte. Genau genommen hatte der Syrer Rudi Issa die Idee dazu. Unterstützt wurde er vom Quierschieder Harald Klein und.

Mit den Eltern


Vor eineinhalb Jahren kam Issa über das Aufnahmelager in Lebach mit seinen Eltern Jamila und Mustafa nach Quierschied . Seine ersten Kontaktpersonen in seiner neuen Heimat waren die Quierschieder Bürgermeisterin Karin Lawall und Dr. Harald Klein. Ihn hatte Lawall um Hilfe gebeten. Viele Jahre arbeitete Klein jeweils über mehrere Monate als Archäologe in Syrien. Er kannte das Land, vor allem aber spricht er arabisch.

Mittlerweile ist Quierschied zur zweiten Heimat von Rudi Issa und seinen Eltern geworden. "Wir haben hier eine neue Familie bekommen. Wir sind hier alle sehr gut aufgenommen worden und haben das gute Gefühl, dass wir willkommen sind", sagte Issa und bedankte sich im Namen alle Flüchtlinge - zurzeit leben etwa 40 in Quierschied - für die herzliche Aufnahme. In einer beeindruckenden Rede erklärte Issa in gebrochenem Deutsch: "Wenn man eine Familie hat, dann hat man alles, was man im Leben braucht."

Ein solches Fest sei eine tolle Idee, meinte Lawall und zeigte sich erfreut über das große Engagement der Quierschieder beim Thema Flüchtlinge . "Es ist schön zu sehen, dass sich so viele Menschen in der Gemeinde hier einbringen", betonte sie. Ihr Dank galt auch Pastor Michael Müller und der Kirchengemeinde für die gewährte Gastfreundschaft. "Es ist wichtig, denen, die ihre Heimat verlassen mussten, zu zeigen, dass sie mehr sind als nur Gäste bei uns, dass sie bei uns willkommen sind und bleiben dürfen", so Müller. Beim Essen wurden die Gespräche dann intensiver. Die syrischen Frauen hatten unter anderem Tabule - Salat aus Tomaten, Weizen und gehackter Petersilie - , Hummus (Kichererbsenbrei) und eingelegtes Gemüse sowie knuspriges Fladenbrot zubereitet. Und als dann noch ein Syrer zu einer arabischen Laute - der Oud - griff und ein anderer Klavier spielte, sangen und klatschten Quierschieder mit ihren neuen Freundinnen und Freunden aus Syrien und Eritrea um die Wette. "Es war ein wunderschönes Begegnungsfest, das seinen Namen wahrlich verdient hat", so das Fazit von Dr. Harald Klein. Nach knapp fünf Stunden war das Fest vorbei. Gemeinsam wurde noch aufgeräumt, und zufrieden machten sich alle auf den Weg.