Freimut Mertes, Mister Bongo, ein Leben für Musik

Serie Kulturköpfe im Regionalverband : Mister Bongos langes Leben für die Musik

Damit Kultur die Menschen überall erreicht, braucht es Begeisterte, die sich für sie einsetzen. Einer von ihnen ist Freimut Mertes, der Kopf von Bongos Bigband.

Das Wohnzimmer wirkt irgendwie – luftig. „Gleich kommen neun Leute zur Probe“, erklärt Freimut Mertes die Möbelschieberei. Gleichwohl dürfte es tüchtig eng werden am Klavier. Aber Musik rechtfertigt in Mertes’ Leben so einiges, wenn nicht sogar alles. Vorausgesetzt, es ist die richtige.

Verantwortlich dafür sind letztlich die Gene: Schon Vater Peter Mertes spielte Orgel, leitete den Seniorenchor und den Chor an seiner Schule. Nebenbei gründete er den Musikverein Urexweiler. „Mein Vater war bis ins hohe Alter musikalisch tätig, da war er 89“, erzählt der Sohn, selbst nun auch schon 83 Jahre auf der Welt. Was man kaum glauben mag.

Studiert hat Freimut Mertes Schulmusik. An einem katholischen Lehrerseminar in den prüden 50er-Jahren. „Jazz war damals verboten.“ An der Musikhochschule fing er sich trotzdem diesen „Virus“ ein: „Ich versuchte, im Seminar mit einer kleinen Gruppe etwas Ähnliches auf die Beine zu stellen.“ Nur hielt sich die Begeisterung der Schulleitung in Grenzen. Als disziplinarische Strafe wurde der kostenlose Bass-Unterricht gestrichen. Inoffiziell bekam Freimut trotzdem weiterhin Stunden – im Tauschgeschäft gegen Privatunterricht für den Basslehrer.

Es blieb nicht beim Kontrabass: „Getrieben, die instrumentale Klangwelt zu erleben, habe ich viele Instrumente gespielt: Geige, Bratsche, E-Bass, Klavier und Trompete.“ Auf letzterer übt Mertes auch heute noch täglich.

Die Klassik begleitete den Musiker aber noch viele Jahre nach dem Studium – da war er längst Realschullehrer in Quierschied. Etwa als Mitglied eines Streichquartetts, beim Leiten von Chören, als Kontrabassist in einem Kammerorchester. Doch die Liebe zum Jazz war irgendwann stärker.

Untrennbar verbunden mit dem Namen Freimut Mertes ist Bongos Bigband, benannt nach den kleinen Latin-Jazz Trommeln: „Als ich in der Realschule eines Tages mit den Bongos ankam, hatte das Sensationscharakter“. Ein Spitzname war geboren. Jahre später gründete Mertes alias Bongo in Saarbrücken die erste schulische Bigband, Bongos Bigband, abgekürzt BBB. „Der Name ist bis heute geblieben, 40 Jahre lang.“ Es gab zwar immer wieder Versuche einzelner Mitglieder, ihn durch etwas Attraktiveres zu ersetzen. „Die Band wollte das aber nicht.“

Es ist das erfolgreichste Projekt dieses Genres im Saarland. Acht Mal im Jahr bekommen die plus/minus 25 Musiker die Kulturhalle Heusweiler und ähnliche Säle voll. Ein Gründungsmitglied ist noch an Bord, andere spielen immerhin schon zehn, 15 oder 20 Jahre mit.

Beliebt sind die BBB-Konzerte nicht zuletzt ihrer Vielfalt wegen. „Seit 2000 integriere ich jedes Mal eine Ausstellung.“ Und Lyrik ist inzwischen auch stets dabei. Denn Mertes schwört auf die „Einheit der drei Künste“: „Wer geht schon in eine Galerie? Oder zur einer Lesung?“ Im Kombipack wird es reizvoller, meint er.

Auch mit der Steifheit mancher klassischen Konzerte kann er wenig anfangen: „Da werden die Leute auf Abstand gehalten: jetzt klatschen, jetzt aufhören. Das hemmt die Anteilnahme am Bühnengeschehen, das brechen wir auf.“ Unter anderem mit „extrem lockerer Moderation“ und Jazz meets Klassik.

Da holt Mertes schon mal Opernsängerin Elisabeth Wiles dazu – oder Sohn Wolfgang, seit vielen Jahren Konzertmeister des Saarländischen Staatsorchesters. Auch Heidrun und Christoph, die anderen beiden Kinder des Ehepaars Mertes, sind erfolgreiche Musiker. Die Musiker-Gene sind stark in der Familie.

Sich selbst bezeichnet Freimut Mertes als mäßig talentiert – Understatement pur. Wenn überhaupt, dann zeichne ihn eine Fähigkeit aus: andere zu motivieren. So organisiert er für den Lauftreff „absurde Veranstaltungen“ wie die Saar entlang zu laufen von der Quelle bis zur Mündung oder den Saarland-Rundwanderwegs zu er-rennen.

Aber es ist die Musik, die sein Leben dominiert. Stundenlang schreibt er Arrangements und komponiert für diverse Formationen. „Außer den vielen Fans immer wieder eine erlebnisreiche und spannende Jazzmatinee zu bieten, ist das Schönste für mich, die Freude meiner Musiker zu spüren“ – gern auch daheim in der guten Stube.

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