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Kabarett in der Q-lisse
Föhlich-freche Geschichten aus dem Alltag

Lukas Philippi bei seinem Auftritt in der Q.lisse
Lukas Philippi bei seinem Auftritt in der Q.lisse FOTO: Thomas Seeber
Quierschied. Lukas Philippi schenkte dem Publikum in der Q.lisse einen kurzweiligen Abend. Er versprach zum Abschluss ein Wiedersehen. Von Petra Pabst

Wie verwirrt man die Gema, die Musik in die beiden Kategorien U (für Unterhaltungsmusik) und E (für ernste Musik) einteilt? Der saarländische Klavierkabarettist Lukas Philippi hat die Lösung parat und macht kurzum UE - also „Ü-Musik“, in dem er ohne Not Mozarts Arie des Papageno aus dem Vogelfänger mit bekannten Volksliedern wie „Alle Vögel sind schon da“ oder „Die Vogelhochzeit“ kombiniert. Allerdings nur die Melodien, denn die Strophen hat er auf freche Art umgetextet, so dass jetzt ein Twingo einen Pinguin überfährt, Nachtigallen explodieren oder ein Star im Käfig ruft „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“


Ganz zum Vergnügen seines Publikums in der Quierschieder Q.lisse am vorigen Samstagabend. Schon von Beginn an sprang der Funke aufs Publikum über, und es schien dem Mann am Klavier nicht im geringsten zu stören, dass die Zuschauerzahl - sicher auch wegen des Wetters - überschaubar geblieben war. „Einen meiner schönsten Auftritte hatte ich im Schwarzwald bei einem Wohnzimmerkonzert. Haben Sie Spaß, ich mache das auch nicht für Geld“, juxte er, und man nahm es dem Mann mit der roten Fliege und den roten Hosenträgern ab, dass er es tatsächlich so meinte. Wie ein roter Faden zog sich das Leitmotiv „Probleme“ durch den Abend. „Probleme, die man noch oder zwischenzeitlich nicht mehr hat, gemeinsame oder welche, die man ohne einander nicht hätte. Aber haben Sie keine Sorge, ich bleibe dabei stets lösungsorientiert“, erklärte er gut gelaunt bei seiner Einleitung. Es folgte ein tolles und abwechslungsreiches Programm - von heiter bis besinnlich. Dabei animierte Philippi immer wieder zum Mitmachen und riss die Gäste ständig zu Lachsalven und spontanem Zwischenapplaus hin. Die stimmungsvollen, von viel Spiel- und Wortwitz geprägten, heiter melodischen Lieder seines zweistündigen kurzweiligen Konzertes erzählten mit ironischen Untertönen fröhlich-freche Geschichten des Alltags und der Liebe.

So berichtet er über die Probleme mit der Liebe zu dritt bei einer Ménage à trois oder er erinnerte sich an „Flamingo Dolores“ zurück, einem Schwarm seiner Jugendzeit, die leidenschaftlich gerne pinkfarbene Strumpfhosen trug. Mit im Gepäck hatte er außer dem das Lied „Lass dir Zeit“, das davon erzählt, wie seine Braut sich am Altar nicht entscheiden kann und schließlich mit dem Pfarrer durchbrennt. Er berichtete über seine Liebe zu „Anna“, der Stimme in seinem Navigationsgerät oder sang in „Ja, Schatz“ von seinen bitterbösen Mordphantasien mit der Axt. Aber es gab auch nachdenkliche Töne beim Lied über den traurigen Clown oder Skurriles in der Kantate über die Erlebnisse darüber, wie es ist, im Körper von Reinhard Mey gefangen zu sein. So war für jeden Geschmack etwas dabei und das Publikum zeigte sich höchst zufrieden. „Ich habe ihn schon zweimal gesehen und mich sehr gefreut, als ich gelesen habe, dass er nun auch in unsere Q.lisse kommt“, erzählt Gerhard Meiser aus Quierschied in der Pause. Auch das Ehepaar Wengler amüsierte sich köstlich „Wir finden es klasse und sind positiv überrascht. Die, die nicht da waren, haben wirklich etwas verpasst“, finden sie. Der 27-jährige Kirchenmusiker und studierte Theologe aus Überherrn hatte vor neun Jahren nach dem Besuch eines Konzertes des Kabarettisten Bodo Wartke das Klavierkabarett für sich entdeckt. Aus dessen Feder stammt auch der eine oder andere Programmpunkt, wie beispielsweise das Liebeslied in verschiedenen Sprachen. Sein erstes abendfüllendes Konzert spielte Philippi schließlich im Herbst 2013 vor 130 Zuschauern. Seine Konzerte in Wallerfangen sind seit dem regelmäßig ausverkauft. Fester Bestandteil sind auch seit 2014 große Konzerte in Überherrn, wo er regelmäßig das Kulturhaus mit 350 Zuschauern stets bis auf den letzten Platz füllt. In der hiesigen Region des Saarlandes ist Philippis Bekanntheitsgrad noch nicht so groß, dennoch macht sich er nun nach einigen Auftritten auch hier einen Namen. „Ab Herbst bringe ich mein neues Programm auf die Bühne und komme dann auch bestimmt wieder nach Sulzbach ins Salzbrunnenhaus oder hierher nach Quierschied“, kündigte Philippi an. Man darf sich darauf freuen. Zum Schluss des Abends gab es noch ein gemeinsames Lied mit dem Publikum und langen, herzlichen und ehrlichen Applaus.