Fischbacher fühlen sich schlecht informiert über Dauerbaustellen im Ort

Dauerbaustelle in Fischbach-Camphausen : Baustellen nerven in Fischbach-Camphausen

Diesen Sommer werden die Menschen in Fischbach nicht vergessen. Baumaschinen und Sperrungen prägen das Ortsbild. Der Landesbetrieb für Straßenbau versteht den Unmut nicht.

Sascha Neis fürchtet derzeit regelrecht um seine Existenz: Er betreibt mit seiner Frau das Fachgeschäft „Sandra’s Hundeshop“ in der Talstraße von Fischbach-Camphausen. In der Ortsdurchfahrt des Quierschieder Gemeindebezirks läuft derzeit eine Rundumerneuerung.

Das bedeutet: Baustellen en masse, die auf so ziemlich der kompletten Straßenlänge mit Teil- und Vollsperrungen verbunden sind. Damit erstrecken sich die Arbeiten also von der Brücke über den Fischbach an der Abzweigung der Dudweilerstraße bis über den Ortsausgang Richtung Quierschied hinaus in Höhe der ehemaligen Klinik.

Demnächst soll im dritten Bauabschnitt ab Montag, 12. August, das Teilstück zwischen dem Motorradhandel und der Kreuzung Hirschbachstraße/Am Weiherdamm gesperrt werden.

 „Das kann einem das Genick brechen“, sagt Sascha Neis über die wirtschaftlichen Folgen des Bauvorhabens. Denn wegen der Sperrung seien weder sein Geschäft noch die weiteren Gewerbetreibenden, etwa ein Blumenladen und ein Bestattungsunternehmen, erreichbar.

„Sandra’s Hundeshop“ ist außerdem eine Poststelle, und der Vertrag mit der Post sieht vor, dass die Filiale täglich für Paket-Fahrzeuge des Unternehmens erreichbar sein muss. Doch der Paketwagen darf, wie Neis sagt, wegen der Vollsperrung, die nach Angaben des Landesbetriebes für Straßenbau unumgänglich ist, voraussichtlich nur an der Fischbachhalle halten.

„Ich kann doch nicht jeden Tag mit der Sackkarre an die Halle fahren“, sagt Neis. Außerdem rechne er auch nicht damit, dass die Vollsperrung wie geplant nur zwei Wochen dauert. Grundsätzlich sehe er jedoch nicht die Bauarbeiten selbst als Problem, sondern die Kommunikation. „Das Drumherum ist eine Lachnummer“, sagt er wütend.

Über die seiner Meinung nach unzulänglichen Informationen über das Bauvorhaben regt sich auch Fischbachs Ortsvorsteher Norbert Schmidt auf: „Es ist im Moment viel Verärgerung da.“ Wie Sascha Neis würden viele Bürger und auch er, Schmidt, die Baustelle an sich gar nicht verurteilen. Der Zustand der Ortsdurchfahrt sei ja alles andere als gut. Doch habe man von diesem Vorhaben nicht früh genug erfahren – zum ersten Mal bei einer Bürgerinfoveranstaltung in der Q.lisse.

Die war  Anfang Mai und damit nach Schmidts Ansicht zu spät einberufen. Da seien im Grunde nur noch vollendete Tatsachen vermeldet werden. Es gebe Anwohner, die bis vor Kurzem noch immer nichts von der Vollsperrung wussten.

Den Ortsvorsteher wurmt außerdem, dass die Vollsperrung auch zum Dorffest im August aufrechterhalten bleiben dürfte. Zudem gehe ab Anfang August der Spielbetrieb auf den Sportstätten im Umfeld des Waldparks wieder los.

Teilsperrungen, Vollsperrungen, Ampelschaltungen, deutlich weniger Parkmöglichkeiten – auf die Fischbacher kommt also einiges zu. Deswegen fordert Schmidt einen Ansprechpartner vor Ort, der sich der Sorgen und Kritikpunkte der Bürger annimmt. „Ich hätte gerne eine klare Absprache“, sagt der Ortsvorsteher.

Zur Kritik aus Fischbach teilt der Pressesprecher des Landesbetriebs für Straßenbau, Klaus Kosok, der Saarbrücker Zeitung auf Anfrage mit: „Zur Abklärung alltäglicher Probleme auf der Baustelle steht – wie immer – das Personal unseres Auftragnehmers zur Verfügung. Anlieger können sich dort jederzeit beim Polier der Firma Dittgen, Heiko Ames, melden.“

Zur Kritik an der Vorbereitung und Kommunikation im Zusammenhang mit der Baumaßnahme äußert sich der Sprecher des Landesbetriebs für Straßenbau so: „Beides können wir gerade in diesem Fall nicht nachvollziehen. Nicht umsonst haben wir im Vorfeld der Maßnahme nach öffentlicher Einladung bereits am 6. Mai – also  fast zwei Monate vor Baubeginn – eine Bürgerveranstaltung durchgeführt, bei der alle Sachfragen zu Terminen und Abläufen beantwortet wurden.“ Man sehe deswegen keine Versäumnisse in der Kommunikation.

Ortsvorsteher Norbert Schmidt. Foto: Stefan Bohlander. Foto: Stefan Bohlander
Sascha Neis betreibt die Postagentur. Foto: Stefan Bohlander

Der Landesbetrieb für Straßenbau habe zwar in erster Linie die Informationen über die Baumaßnahmen zu liefern, zugleich müssten die Bürger sich solche Informationen aber auch abholen.

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