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Ruf aus Berlin
Lob aus berufenem Munde für die Q.lisse

Quierschied. Der Architektur-Kritiker Ulf Meyer hat aber Probleme mit der Namensgebung für die Kulturstätte.

Ulf Meyer ist eigentlich Architekt, arbeitet aber seit etlichen Jahren bereits als Architektur-Kritiker und Autor. Auch über die Quierschieder Q.lisse hat der Berliner bereits berichtet – in der Saarbrücker Zeitung und in verschiedenen Fachblättern. Im Rahmen einer Recherche-Reise über herausragende Beispiele saarländischer Architektur hat Meyer nun in der Gemeinde Station gemacht und sich mit Bürgermeister Lutz Maurer, Jörg Schmidt vom Bauamt, den Q.lisse-Planern Thomas Hepp und Luca Kist sowie Klaus Müller-Zick, dem Referatsleiter Stadtentwicklung im saarländischen Innenministerium, getroffen. Das teilte die Gemeinde mit.


Fast drei Stunden löcherte der Journalist die Experten mit seinen Fragen aus allen Bereichen der Baumaßnahme, deren Ergebnis mittlerweile das Gesicht der Quierschieder Ortsmitte entscheidend prägt. Dabei überraschte Meyer vor allem die frühzeitige Einbeziehung der Bevölkerung in das Projekt. „Das ist äußerst ungewöhnlich“, sagte der Fachautor, der als ausgewiesener Architektur-Kritiker gilt, „mir kommt das alles vor wie eine Erfolgsgeschichte.“

Maurer betonte, dass man sowohl den Zeit- als auch den Kostenrahmen einhalten konnte. „Dabei ist es uns gelungen, was die technische Ausstattung anbelangt, durchaus zukunftsstabile Lösungen zu finden, die so ursprünglich nicht geplant waren“, so Maurer. 3,3 Millionen Euro hat die Q.lisse letztlich gekostet, 1,5 Millionen flossen in die Außenanlagen. Als letzter Bauabschnitt steht nun noch die Neugestaltung des Marktes an. „Es ist erstaunlich, wenn sich Engagement für eine Maßnahme über einen Amtswechsel so fortsetzt“, sagte Meyer, „andernorts werden die Projekte des Vorgängers oft mit spitzen Fingern angefasst.“



Der Kritiker informierte sich auch über das Gemeindeentwicklungskonzept und das damit verbundene teilräumliche Konzept, über die verschiedenen Fördermaßnahmen aus Töpfen des Landes, Bundes und der EU. „Ohne Beratung und Unterstützung ist es für kleine Städte und Gemeinden kaum möglich, das passende Förderprogramm zu finden und zu nutzen“, erklärte Maurer und ergänzte nicht ohne Stolz: „Andere Bürgermeister kommen schon mal mit ihren Bauamtsleitern zum Erfahrungsaustausch zu uns.“ Dabei habe sich vor allem der Einsatz eines Generalunternehmers als richtige Entscheidung herausgestellt.

Dass auch in Quierschied teils kontrovers über Kosten und Nutzen des Projektes diskutiert wurde, blieb nicht unerwähnt. „Für mich war der Tag der offenen Baustelle ein Wendepunkt in dieser Akzeptanzdiskussion“, so Maurer, der noch einmal die Interaktion aller am Projekt Beteiligten positiv hervorhob. „Aus Berliner Sicht liegt Quierschied irgendwo am Rande der Republik und ist eher klein. Aber die Mehrheit der Republik ist wie Quierschied, darum ist eine genauere Betrachtung sehr wichtig“, sagte Architektur-Journalist Meyer in seinem vorläufigen Fazit, „das Bewusstsein für den Städtebau ist in der deutschen Politik nicht so weit verbreitet. Auch daher muss ich Quierschied zu dieser Maßnahme gratulieren.“

Nur mit einem konnte sich der Fachmann Meyer nicht anfreunden: dem Namen. „Kulisse steht für etwas Dünnes, etwas ohne langen Bestand. Und genau das ist die Q.lisse eben nicht.“