Es kommt auf die Schrittfolge an

Eine Tanzart, bei der kein fester Tanzpartner erforderlich ist, gewinnt auch bei uns immer mehr Freunde: der frühere Blocktanz.

Reges Treiben im ehemaligen Jugendheim an der Glashütte in Quierschied : Die Damen stellen sich auf. Jede hat eine feste Position. Alle stehen nebeneinander und hintereinander. Eben ganz genau durchsortiert. In der nächsten Stunde steht für sie Blocktanz auf dem Trainingsprogramm. Blocktanz? "Früher hieß das so. Heute sagt man Line-Dance dazu", korrigiert Kursleiterin Hertha Grotzfeld vom Kneippverein. "Durchgesetzt hat sich der Begriff Line Dance, eine Tanzart, bei der kein fester Tanzpartner erforderlich ist", sagt die Kursleiterin begeistert: "Singles und Paare - alle können einfach mitmachen. Diese Tänze bieten ein großes Gruppenerlebnis mit speziellen Schrittmustern, manchmal Richtungsänderungen und die dazu passende Musik. Line Dance begeistert durch Vielseitigkeit und schnelle Erfolgserlebnisse. Niemand muss Angst haben, seinem Partner auf die Füße zu treten. Jeder tanzt sozusagen solo, aber halt gleichzeitig und synchron mit anderen."

Dann wirft sie den Radio-Recorder auf der Fensterbank an. Bekannte Westernmelodien, Oldies und Evergreens bringen die Truppe sofort in Schwung. Die erste Damen-Reihe macht eine halbe Drehung nach links, schwingt zurück und wirft dynamisch ein Bein in die Höhe, dann wird auch mal geschwind die Position getauscht. Doch stets stehen alle wieder in Reih' und Glied, fast schon wie auf einem Schachbrett da. Doch was für Nicht-Tänzer einfach aussieht, braucht viel Zeit, bis es einstudiert ist. Dabei sind die einzelnen Schritte leicht zu lernen, findet zumindest Hertha Grotzfeld. Aber wo sind an diesem Trainings-Vormittag eigentlich die Männer? "Die Herren sind natürlich herzlich willkommen, aber leider sehr zögerlich, dabei wäre der Einstieg eigentlich ganz einfach", sagt Grotzfeld: "Line Dance kommt bei uns immer mehr in Mode. Vielleicht dauert es deshalb nur noch ein wenig, bis sich die Männer hertrauen". Dabei entwickelte sich Line Dance bereits im Laufe des 20. Jahrhunderts hauptsächlich in den USA als Showtanz. Im Nachkriegs-Deutschland wurde Line Dance ab den 1960er Jahren in Diskotheken öffentlich "entdeckt" und ist hierzulande seit 2002 sogar offiziell als Freizeitsport anerkannt. Im Saal kommen die Damen mittlerweile ins Schwitzen. Beim nächsten Song wird nun weiter an der Choreografie gefeilt, damit alle Tänzerinnen noch genauer "auf Linie" stehen. Über all dem Tanz-Ehrgeiz soll aber auf keinen Fall der Spaß an der Bewegung zu kurz kommen: "Line Dance ist unterschiedlich anspruchsvoll. Es kommt eben auf die Schrittfolge an. Wie bei anderen Stilrichtungen gibt es hier sehr flotte und auch eher langsamere Tänze ."

"Ich tanze sehr gerne und probiere auch immer wieder neue Tanz-Richtungen aus. Line Dance ist durch seine Vielseitigkeit schon besonders", findet Christa Hofmann aus Sulzbach und freut sich, dass es direkt weitergeht: "Tanzen verbindet eben Körper, Geist und Seele!"

Interessenten können jederzeit beim Training einsteigen. Infos bei Hertha Grotzfeld, Tel. (0 68 21) 71614 und im Internet unter www.kneipp-verein-quierschied.de