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Hoher Besuch
Einmal im Monat wird hier flott gemacht

Unter Anleitung von Bernhard Wecker (Zweiter von links) zerlegt Roland Krämer, beobachtet von Kindern, die mit ihrer Leiterin kamen, eine vom Kindergarten Maria Himmelfahrt mitgebrachte defekte Tonanlage.
Unter Anleitung von Bernhard Wecker (Zweiter von links) zerlegt Roland Krämer, beobachtet von Kindern, die mit ihrer Leiterin kamen, eine vom Kindergarten Maria Himmelfahrt mitgebrachte defekte Tonanlage. FOTO: Lothar Strobel
Quierschied. Verbraucherschutz-Staatssekretär Roland Krämer lobt bei Besuch den Beitrag des Reparatur-Zirkels zur Müllvermeidung. Von Patric Cordier

Wenn du nicht mehr weiter weißt, wende dich an den Reparatur-Zirkel – das tun in Anlehnung an eine abgewandelte bekannte Redensart seit mehr als fünf Jahren viele Menschen aus der Gemeinde und deren Umland. „Wir reparieren alles, was der Einzelhandel nicht mehr repariert oder was zum Wegwerfen einfach zu schade ist“, erklärt Lothar Strobel die Idee hinter der Geschichte, „es kommen Menschen mit alten Nähmaschinen, eine alte Heißmangel war dabei, aber auch eine Puppe aus der Nachkriegszeit mit Porzellankopf, die ein Auge verloren hatte“.


Auch die haben die zehn Männer und eine Frau des Reparatur-Zirkels wieder hinbekommen. Die Gruppe besteht fast ausnahmslos aus Fachleuten. Elektriker, Techniker, ein Schreiner. Jeder macht das, was er kann. Und die Leute kommen mit ihren Liebhaberstücken und Schätzchen ins Foyer des früheren Wellenbades. „Es ist eine Art freiwillige Nachbarschaftshilfe – und wir geben natürlich keinerlei Garantien“, erzählt Strobel weiter, „manche Sachen bekommen auch wir nicht mehr hin. Aber unsere Erfolgsquote würde ich dann doch bei 60 Prozent einordnen“.
An dritten Donnerstag jeden Monats ist der Reparatur-Zirkel in der Zeit zwischen 15 und 17 Uhr geöffnet. Auch vergangene Woche war der Andrang so groß, dass die Wartenden sogar Nummern ziehen mussten. „Es kommen im Schnitt immer 20 Kunden“, sagt Strobel, „wir verlangen kein Geld, bitten aber um eine kleine Spende“.

Daraus finanziert die Gruppe dann zusätzliches Werkzeug. Den Grundstock an Arbeitsmaterialien bringt aber jeder Mitwirkende selbst mit. Jetzt hatte die Gruppe ungewöhnliche Unterstützung. Staatssekretär Roland Krämer aus dem Umwelt- und Verbraucherschutzministerium war eigens zum Reparatur-Zirkel nach Quierschied gekommen. „Hier wird mit bürgerlichem Engagement dem wachsenden Müllberg entgegengewirkt“, sagte Krämer, der es sich nicht nehmen ließ, an einer defekten Tonanlage selbst mitzuschrauben: „Es ist immer wichtiger zu schauen, was repariert oder wiederverwendet werden kann. Das vermeidet Müll und sorgt für Rohstoffersparnis.“ Dies sei auch ein Thema der Verbraucherschutzkonferenz, die im Juni in Saarbrücken stattfinden soll. Weiteres Thema sei auch die Trickserei der Industrie, die durch den Einbau spezieller Bauteile die Haltbarkeit mancher Geräte durchaus bewusst einschränke. Dagegen leiste der Reparatur-Zirkel in Quierschied einen wichtigen Beitrag.



Mit der Idee zum Reparatur-Zirkel waren Strobel und seine Mitstreiter übrigens im Saarland sehr früh dabei. „Ich habe von solchen Gruppen in Holland oder Norddeutschland gehört“, erzählt Strobel stolz und weist darauf hin, dass die Bedeutung des Reparatur-Zirkels über das reine Handwerk hinausgeht. Längst ist das alte Wellenbad am dritten Donnerstag im Monat auch zu einem sozialen Treffpunkt geworden, wo man sich nicht nur hilft, sondern wo man auch ganz gemütlich fachsimpeln oder einfach nur tratschen kann.