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Eine eingeschworene Gemeinschaft

Die guten Geister des Reparaturzirkels (von links): Horst Jung, Gerd Lang, Hans-Heinrich Schmidt, Christine Franz, Bernhard Wecker, Lothar Strobel, Arnolf Noll, Hans-Wilhelm Siekmann, Hartmut Krämer und Rainer Maisberger. Foto: Zirkel
Die guten Geister des Reparaturzirkels (von links): Horst Jung, Gerd Lang, Hans-Heinrich Schmidt, Christine Franz, Bernhard Wecker, Lothar Strobel, Arnolf Noll, Hans-Wilhelm Siekmann, Hartmut Krämer und Rainer Maisberger. Foto: Zirkel FOTO: Zirkel
Quierschied. Nicht alle Kleingeräte, die defekt sind, müssen entsorgt werden. Rat und praktische, weil handwerkliche Hilfe gibt es am dritten Donnerstag im Monat im ehemaligen Wellenhallenbad. Michèle Hartmann

Er läuft und läuft und läuft: der Reparaturzirkel in Quierschied . Im Januar 2013 gegründet hat sich die Zusammenkunft in der Gemeinde längst etabliert. Im Gespräch mit Initiator Lothar Strobel (69) und Gründungsmitglied Bernhard Wecker (75) erfährt man, was sich da tut, wer hilft, und wer sich gerne helfen lässt.



An jedem dritten Donnerstag im Monat sind im Kassenraum des ehemaligen Wellenhallenbades die technisch versierten Tüftler zugange. Bernhard Wecker ist einer von ihnen. Der Geschäftsmann (Registrierkassen und Zubehör) ist Mechanik-Meister und Kommunikationselektroniker. Ein Mensch, der weiß, dass sich vor allem ältere Gerätschaften noch gut reparieren lassen. Und der einen kleinen Tipp hinsichtlich der Stabmixer auf Lager hat: Wenn ein solcher eines Tages nicht mehr dreht, sondern nur noch brummt, könnte das daran liegen, dass man das Gerät nach dem letzten Gebrauch im Spülwasser reinigte. Dann fehlt bloß ein bisschen Öl, das vom Spülmittel ausgewaschen wurde.

Nähmaschinen und Küchengeräte, so Wecker und Strobel, fänden zumeist den Weg zu ihnen und ihren Mitstreitern.

Fachkenntnisse

Vieles sei machbar, mit den entsprechenden Fachkenntnissen und dem richtigen Werkzeug. Manches davon ist eigens angefertigt worden, um den ein oder anderen Schaden zu beheben.

Weckers schwierigster Fall war übrigens eine alte Puppe. Ein Auge war in den Kopf hinein gerutscht. Also wurde die Puppe enthauptet, und das Auge mit zwei Fingern, Pinzette und Superkleber in mühsamer Kleinarbeit wieder in die Höhle gesetzt. Und damit das Auge nicht schielte, musste Wecker es ewig lang in die richtige Richtung drehen. Eineinhalb Stunden hat die erfolgreiche OP gedauert, die Besitzerin, eine ältere Dame, hat sich über das Ergebnis sehr gefreut.

Der Reparaturzirkel, das ist eine eingeschworene Gemeinschaft, die - bis auf einen - von Anfang an zusammenarbeitet. Und nichts zu tun hat mit den Repair-Cafés, die es schon in vielen Städten gibt. Der Quierschieder Zirkel ist absolut autark und hat seine eigenen Richtlinien, wie Lothar Strobel erklärt. Es handelt sich um ein Angebot von privat an privat. Hier gilt, wie bei der freiwilligen Nachbarschaftshilfe der ,,stillschweigend vereinbarte Haftungsausschluss".

,,Sicherheit ist für uns das oberste Gebot", sagt Strobel, selbst Techniker, Elektroniker und Werkzeugmacher. Die Prüfung elektrischer Geräte erfolge nach ,,DIN VDE 0701-0702". Das heißt: Es werden vorschriftsmäßig Messgeräte eingesetzt, zwei Leute sind hierzu autorisiert. Ansonsten, so Wecker, ,,kommen wir dem Fachhandel nicht ins Gehege". Geräte, die erkennbar dorthin gehörten, repariere man nicht. Vor allem nicht Computer, die nicht mehr spuren, aber auch keine Fernsehgeräte . Der Zirkel versteht sich laut seiner Rahmenbedingungen als eine ,,Hobby-Gruppe auf semiprofessioneller Basis". Die Stammmannschaft, zehn Männer und eine Frau, ,,verarzten" bei ihren monatlichen Terminen im Schnitt 15 bis 20 Hilfesuchende.

Mitarbeit erwünscht

Für diese ist der Service kostenlos, bis auf die Ersatzteile, die man ankaufen muss. Einige Leute hätten aber das Bedürfnis, dankbar ihren Obulus zu entrichten. Die Damen und Herren, die ihre Geräte mitbringen, können auch gern ein bisschen mitarbeiten, ,,sie dürfen auch schon mal die Schrauben rausdrehen", sagt Bernhard Wecker und lächelt verschmitzt. Und wenn's dann ans Eingemachte geht, tritt der Experte in Erscheinung - und tut sein Bestes.

Die nächste Zusammenkunft des Quierschieder Reparaturzirkels ist am morgigen Donnerstag, 20. Oktober, von 15 bis 17 Uhr im ehemaligen Wellenhallenbad. Weitere Informationen gibt es im Rathaus unter Telefon (0 68 97) 961-0.

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