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Ein Tourenkreuzer macht in Quierschied fest

Ein Tourenkreuzer macht in Quierschied fest

Am Sonntag waren elf Bootsbesitzer und 24 Modellbote in der Gemeinde zu Gast – auch ein U-Boot. Zwei historische Boote wurden ebenfalls vom einzigen Verein dieser Art im Saarland gezeigt.

12.45 Uhr im Freibad Quierschied . An der Kasse herrscht Betrieb. Die Menschen dort stehen aber nicht Schlange, weil sie sich gleich - bei angenehmen Temperaturen - in die Fluten stürzen wollen. Nass ist es zwar. Allerdings kommt das in Form von Regen (mit Donnergrollen) von oben. Die Leute am Eingang haben keine Badesachen dabei und stellen sich hier nur unter. Eigentlich gehören sie dem Team der Modell-Segel-Freunde Saar an. Die Modellbaufans veranstalteten am vergangenen Sonntag im großen Becken ihr viertes Schaufahren. Nach knapp drei Stunden mussten sie die Waffen strecken.

"Das hatten wir schon einmal", meinte eine Frau, deren Mann soeben die Elektronik seiner Boote gesammelt in einer Kiste in Sicherheit gebracht hatte. Eine Freundin pflichtet ihr bei. "Wir standen auch schon hier und kamen wegen Dauerregens nicht rein", sagt sie. Ein Vater mit seinen beiden Söhnen gesellt sich gerade dazu und bringt sich und die Jungs vor dem Regen in Sicherheit. Der war soeben gerade ein wenig schwächer geworden und gibt nun wieder so richtig Gas.

"Im Moment tut sich nichts", bedauert die Frau. Sie verzieht ihre Miene, hebt und senkt leicht traurig die Schultern.

Das Männer-Trio scheint Geduld zu haben. Eine Schwimmerin gesellt sich zu der Runde. "Wenn es dimmelt, komme ich raus. Der Regen alleine macht nichts. Nass bin ich ja schon", flachst die Badeanzug-Trägerin. Recht hat sie. Denn die Wassertemperatur beträgt 22 Grad Celsius. Somit wohl leicht über der draußen.

Ein Brillenträger mit Schirm, der vor dem Kassenhäuschen die Wetterlage immer wieder beobachtet hatte, gibt Entwarnung: "Da kommt blauer Himmel", ruft er lächelnd den Menschen zu, als der Regen aufhört. Wie auf Kommando gehen sie zügig hinunter zum großen Becken, wo noch einige wenige Segler ganz lautlos ihre Runden drehen. "Jetzt muss erst mal das aufgestaute Wasser raus aus den Booten", ruft ein Mann in der dunkelblauen Vereins-Regenjacke seinen Kollegen zu. "Wenn das Wetter besser wäre und somit mehr Menschen ins Becken gewollt hätten, wäre ein Teil des Beckens abgesperrt worden", erklärt Egon Büscher. Der Vorsitzende des veranstaltenden Vereins berichtet im Gespräch mit der SZ von den Anfängen der Veranstaltung. Man habe verschiedenen Gemeinden das Schaufahren angeboten, um eine Besucherattraktion zu haben. Neben Quierschied hatten damals auch Dillingen und Riegelsberg zugesagt. Die Modell-Segel-Freunde Saar sind der einzige Verein dieser Art im Saarland und haben 25 Mitglieder in der Kartei. Stolz sind sie auf ihre Mitgliedschaft im Deutschen Seglerverband. Am Sonntag waren elf Bootsbesitzer und 24 Modellbote mit dabei. Die Kielwasserlänge reicht dabei von 65 bis 110 Zentimetern. Die Palette geht quer durch alle Bereiche. Auch ein U-Boot war dabei. Zwei historische Boote wurden ebenfalls gezeigt. Etwa das von Wolfgang Ganz aus Klarenthal. Sein Tourenkreuzer ist 32 Jahre alt. Eine Nachbildung eines Schiffs, welches 1953 gebaut wurde. Ein weiteres, aus Amerika stammend, orientiert sich im Original an einem Baujahr von 1886. Es hat einen schwenkbaren Kiel. "Die fahren bei leichtem Wind", erklärte Erwin Dörzapf. Der Vize-Vereinschef betonte, dass die meisten Boote keinen Hilfsmotor hätten. Wenn natürlich die Segel nach und nach mehr Regenwasser aufnehmen müssen, wird es kritisch. Dann verlagert sich der Schwerpunkt und sie drohen umzukippen. Dies ist meist nur bei den älteren Booten der Fall. Bei den jüngeren Baujahren ist das Segel aus einem besonderen Material.

Soeben hat ein Bergungsboot einen Segler quasi in den "Hafen" gebracht. Ein Mann nimmt das Segelboot aus dem Wasser. "Ein gutes Boot ist normalerweise wasserdicht. Der Elektromotor ist das Problem"; erklärt Dörzapf. Um 13.15 Uhr wird es wieder dunkler am großen "Quierschder" Pool. Erneut prasselt Regen herab. "Wir brechen ab", ruft Egon Büscher seinen Männern zu. Petrus scheint kein Segler zu sein.