Fast 5 Jahre lang: Ein Bollwerk gegen die Wegwerf-Mentalität

Fast 5 Jahre lang : Ein Bollwerk gegen die Wegwerf-Mentalität

Seit fast genau fünf Jahren gibt es den Quierschieder Reparaturzirkel. Nachbarschaftshilfe ohne Gewährleistung.

Ein Wackelkontakt führt Monika Schubert am vorigen Donnerstag nach Quierschied. Ihr dunkelblauer Staubsauger will einfach nicht mehr richtig saugen, und außerdem wickelt sich das Kabel nicht mehr richtig auf. „Es ist schon ein älteres Modell und eigentlich top in Ordnung – außer den jetzigen Fehlern“, sagt sie. Extra aus Steinbach bei Ottweiler kommt sie deswegen zum Reparaturzirkel ins ehemalige Hallenbad. Wie sich am Ende herausstellt, war es ein mechanisches Problem – eine Schraube war locker.

Mehr als 20 Reparaturen hatte diesmal das ehrenamtliche Team des Reparaturzirkels Quierschied. Starke Medienpräsenz und der Aufruf, defekte Weihnachtsbeleuchtung mitzubringen, sorgten für den Ansturm. Dabei gab es nur ein klitzekleines Manko: „Beleuchtung wurde schon gebracht – aber keine Weihnachtsbeleuchtung“, sagte Lothar Strobel lachend. Lediglich eine eifrige Seele hatte daran gedacht, dem Team einen Kasten voller defekter Leuchten als „Ersatzteillager“ mitzubringen.

Der Quierschieder Strobel ist der Initiator des Zirkels, der vor fünf Jahren, fast auf den Tag genau, ins Leben gerufen wurde – am 19. November 2012. „Ich glaube, es war eine Kaffeemaschine“, erinnert er sich an die erste Reparatur überhaupt. So wie er selbst haben auch alle anderen Zirkel-Mitglieder einfach Spaß am „Bosseln“. Außerdem gehe ihnen die Wegwerf-Mentalität gegen den Strich.

Das bestätigt auch Rosina Calcagno, ebenfalls wohnhaft in Quierschied. Als langjährige Angestellte im Gesundheitswesen hilft sie weniger bei den Reparaturen, unterstützt den harten Kern aus zehn Männern und einer Frau aber, wo sie nur kann. „Wenn doch nur ein Stecker kaputt ist: Warum dann gleich den ganzen Staubsauger wegwerfen?“, fragt sie rhetorisch. Das mache doch nur die Umwelt kaputt.

Ähnlich sieht das auch Christine Franz, die einzige Frau im harten Kern. Sie kam zum Zirkel, weil sie seinerzeit einen defekten Schalter an einer Leuchte repariert haben wollte. „Jetzt bin ich fast immer dabei“, sagt sie. Schon als Kind habe sie, die Naturwissenschaften schon immer faszinierend fand, gerne Radios auseinandergeschraubt und intensiv durchforscht. „Aber mit der Reparatur hat es nie geklappt“, erzählt sie lächelnd. Darum hilft sie bei organisatorischen Sachen, kocht Kaffe und Ähnliches.

Bezahlen müssen die Besucher nichts, Spenden sind aber gerne gesehen, erklärt Lothar Strobel. Diese werden in Aufwendungen wie Werkzeug investiert oder auch mal weitergespendet. So hat man für die fünf Kindergärten der Gemeinde Kisten besorgt und diese mit Schreib- und Malmaterial gefüllt. Eine Übergabe an die Einrichtungen folgt in Kürze. Bis dahin werden die Mitglieder des Reparaturzirkels sicher noch viele weitere Kaffeemaschinen, Radios, Heckenscheren oder Nähmaschinen von Besuchern aus Merzig oder Völklingen wieder instandgesetzt haben. Wobei der Initiator darauf hinweist, dass es sich um eine freiwillige Nachbarschaftshilfe ohne Gewährleistung handelt.

Der Reparaturzirkel Quierschied trifft sich jeden 3. Donnerstag im Monat ab 15 Uhr im ehemaligen Hallenbad, neben der Taubenfeldschule.

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