| 20:17 Uhr

Polizeiarbeit im Saarland
Ernstfallübung vor der nächsten Festnahme

 Im Göttelborner Einsatz-Trainingszentrum der saarländischen Polizei simulieren Beamte die Festnahme von Gewalttätern. Thorsten Schwarz spielt den Angreifer. Karolin Strange und Thomas Triem überwältigen ihn. 
Im Göttelborner Einsatz-Trainingszentrum der saarländischen Polizei simulieren Beamte die Festnahme von Gewalttätern. Thorsten Schwarz spielt den Angreifer. Karolin Strange und Thomas Triem überwältigen ihn.  FOTO: BeckerBredel
Göttelborn. Von Frank Bredel

Thorsten Schwarz steht aggressiv in einer Zimmerecke. In der erhobenen Hand hält er eine abgebrochene Bierflasche. Die Polizeibeamten Thomas Triem und Karolin Strange sollen den schreienden Familienvater zur Räson bringen. Schnell ist klar, dass er nicht mit sich reden lassen wird.


 Triem zieht die Waffe, seine Kollegin greift zum Pfefferspray. Laut und deutlich ruft Triem dem Angreifer entgegen, dass er sich ergeben solle und die Polizei bewaffnet vor ihm stehe.

Als Schwarz einen Ausfallschritt macht, schießt ihm ein Strahl Pfefferspray ins Gesicht. Er geht zu Boden, die Beamten nehmen ihn fest. Was die drei Polizeitrainer vorführen ist für Streifenbeamte eine Standardsituation, bei der viel schiefgehen kann.



„Schlimm wäre, wenn uns der Täter körperlich zu nahe kommt oder wenn er sogar zwischen uns steht. Jeder Polizeischüler übt das jetzt bei uns und wird mit Videotechnik gefilmt. Dann wird sein Verhalten besprochen. So kann man dann enorm viel lernen“, sagt Triem.

Als der saarländische Innenminister Klaus Bouillon im Oktober das Einsatztrainingszentrum der saarländischen Polizei (ETZ) in Göttelborn einweihte, war es noch nicht fertig eingerichtet. Inzwischen hat sich viel getan. Die Übungsräume wurden ausgestattet, die Videoanlage ist installiert, und das scharfe Training der Polizeibeamten hat begonnen.

Das ETZ bietet jetzt verschiedene fertig eingerichtete Räume, in denen sich Einsätze in Wohnungen sowie Fahrzeugkontrollen simulieren lassen. Trainingswaffen mit Farbkugeln erlauben gefahrlose Übungseinsätze. „Die Schüler werden gestresst. Sie erleben eine echte Bedrohungssituation“, sagt Triem.

Die ersten 300 Polizeibeamten wurden im ETZ bereits geschult, erklärt Volker Scheu. Er ist Leiter der polizeilichen Fortbildung an der Fachhochschule in Göttelborn, der das ETZ angeschlossen ist. Jeder Polizeischüler im Saarland bekomme inzwischen Ausbildungswochen im Zentrum.

„Wir haben sehr positive Rückmeldungen aus den Dienststellen, dass dies die Ausbildungsqualität enorm gesteigert habe.“ Ziel sei es nun, alle saarländischen Beamten zu schulen. Dafür entstehe ein Konzept, denn die ETZ-Ausbildung solle Pflicht werden. Bei der Umsetzung sei zu beachten, dass man nicht zu viele Beamte gleichzeitig von Dienststellen abzieht. Und dass die Beamten der Wach- und Streifendienste vorrangig behandelt sowie die Kapazitäten des ETZ nicht überfordert werden.

Dabei sei es sehr hilfreich, dass die Polizei dank der jetzt voll funktionsfähigen Ausstattung auch ihre Trainer in Göttelborn schulen lassen könne. „Bisher mussten wir Trainer in Nachbarbundesländern ausbilden lassen“, sagt Scheu.

Insgesamt mache das ETZ die Polizeiarbeit sicherer: „Wir glauben schon, dass man durch gutes Training gefährlicher Situationen die Zahl der Widerstandshandlungen und der Verletzungen deutlich minimieren kann.“ Das ETZ habe die Grundlagen dafür geschaffen.