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Porträts der Kulturbeauftragten des Regionalverbands Annette Bost, Quierschied
Die besten Ideen hat sie beim Geschirrspülen

Mitte September ist Eröffnug: Sebastian Zenner, Annette Bost und Bürgermeister Lutz Maurer (v.l.) vor dem neuen Kultursaal, der den originellen Namen Q.lisse tragen wird.
Mitte September ist Eröffnug: Sebastian Zenner, Annette Bost und Bürgermeister Lutz Maurer (v.l.) vor dem neuen Kultursaal, der den originellen Namen Q.lisse tragen wird. FOTO: Iris Maria Maurer
Quierschied. Das hat was: Die Kulturbeauftragte von Quierschied, Annette Bost, kann demnächst einen niegelnagelneuen Kultursaal bespielen. In unserer Serie erzählen sie, Bürgermeister Lutz Maurer und der Neue im Team, Sebastian Zenner, von ihren Plänen. Von Anja Kernig

Täuscht es, oder hängt ein winziger Stoßseufzer in der Luft? „Wir sind froh, wenn es endlich losgeht“, äußert Bürgermeister Lutz Maurer. Keine Frage, hier im Rathaus fiebert man dem Eröffnungstermin der Q.lisse regelrecht entgegen.



Das „neue Highlight des Quierschieder Kulturlebens“, wie Maurer den nagelneuen Kombi-Bau mit Kultursaal im Obergeschoss und der darunter liegenden Sparkasse bezeichnet, liegt keine 100 Meter Luftlinie von seinem Büro entfernt – und die Arbeiten daran in den letzten Zügen. Heute ist Abnahme auf der Noch-Baustelle. Mit einem dreitägigen Feiermarathon soll der Bau in vier Wochen eingeweiht werden.

Was dann folgt, ist „Neuland“, betont der Bürgermeister. „Wir verfügen über kein Kulturamt mit 20 Jahren Erfahrung.“ Doch bei ihm klingt das weniger nach Handicap als nach einem Abenteuer. Das es irgendwie auch ist, vor allem für Annette Bost, die sich in der Gemeinde hauptberuflich am meisten mit Kultur beschäftigt.

Was ihre Ausbildung anbelangt, kommt die langjährige Leiterin der Gemeindebücherei zwar aus der kaufmännischen Ecke. Allerdings: „Lesen ist mein Riesenhobby, das könnte ich den ganzen Tag. Ich bin ein Papiermensch “, lacht Annette Bost.

Natürlich ergriff sie die Chance, damals vor 20 Jahren, „als jemand gesucht wurde für die Bücherei. Das war und ist meine Welt.“ Die Befähigung für ihre neue Aufgabe holte sich Annette Bost bei diversen Fortbildungen. Dass die Bibliothek heute kulturellen Leuchtturmcharakter besitzt, geht auf ihr Konto.

Begonnen hat es mit Leseförderung für Kinder. Das lief so gut, „da dachten wir, versuchen wir es auch mal mit Angeboten für Erwachsene“. Längst gibt es neben regelmäßigen Ausstellungen jeden Monat eine Veranstaltung, meist Lesungen, aber auch Konzerte, im November beispielsweise Irish Folk. „Man versucht, sich selbst immer noch mal zu toppen – um im Gespräch zu bleiben.“

Die besten Einfälle kommen ihr daheim beim Geschirr spülen, für Annette Bost die beste Art, den Tag-Revue-passieren zu lassen: „Manchmal schläft eine Idee noch ein Jahr, dann tritt sie zu Tage.“ Bis heute freut sie sich „auf jede einzelne Veranstaltung“.

Klar sei es manchmal enttäuschend, wenn nicht so viele Besucher kommen. Aber es deshalb ganz sein zu lassen, liegt ihr so was von fern. Geduld zahlt sich aus: „Als Jürgen Albers das erste Mal aus seinem Kleinen Großmeister vorlas, saßen da acht Zuhörer, davon vier Büchereimitarbeiter.“ Heute sind Lesungen Magneten. „Wir haben eine vernünftige, verlässliche Klientel.“

Die man auch der neuen Kulturstätte wünscht. „Jeder ist neugierig auf die Q.lisse“, beobachtet die Leiterin der Bücherei. „Trotzdem wird rundherum nicht alles vergessen.“ Im Gegenteil, kulturell „läuft alles wie bisher“. Wambefeschd und Seniorenmesse, Kirmes und Musik  unter Bäumen, Gourmetmarkt, um nur einiges zu nennen, und nicht zuletzt auch das Hochhalten der Bergbaukultur in Göttelborn.

Und dennoch: Die Q.lisse läuft derzeit allen den Rang ab. Adressiert sei sie „an die regionalen Vereine“, betont der Bürgermeister und denkt vor allem an Chöre, Musikvereine und Theatergruppen. Letztere haben schon emsig Termine für November und Dezember gebucht.

Und der während des Einweihungswochenendes für Vereine reservierte 16. September sei jetzt schon ein Hit: „Wir mussten regelrecht bremsen, damit der Tag der Vereine nicht zum 24-Stunden Marathon wird.“

Fakt ist: „Veranstaltungen waren vorher nicht in dieser Güte und Qualität möglich“, zudem punktet der 300 Sitzplätze bietende Saal plus „Außenfläche zum Bespielen“ mit einem Vielfachen an Funktionalität. „Jeder war begeistert bisher.“

Das kulturelle Programm adäquat anzupassen, bedeutet letztlich, das bisherige Spektrum zu erweitern. Vor allem um Angebote für Jüngere. „Mich reizt es, die Brücke zu dieser Generation zu schlagen“, sagt Sebastian Zenner, der im Januar zum Team stieß. Von Filmvorführungen bis Videospiel-Events reicht die mögliche Spanne.

„Wir stehen noch am Anfang“, schließt Lutz Mauer das Gespräch. „Es wird sehr spannend. Ich freue mich drauf.“

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