Der Zukunftsfisch liegt auf Eis

Quierschied-Camphausen. Im Saarland wird es wohl auf absehbare Zeit keine Großfischzuchtanlage des in Liechtenstein lebenden Quierschieder Unternehmers Hans Raab geben

Quierschied-Camphausen. Im Saarland wird es wohl auf absehbare Zeit keine Großfischzuchtanlage des in Liechtenstein lebenden Quierschieder Unternehmers Hans Raab geben. Raab, der im Frühjahr eine 40-Millionen-Franken-Investition in Oberriet/Schweiz zur Züchtung und Vermarktung von Melandern, einer Welsart, wegen Einwendungen der Veterinärbehörden gegen die Tötungsmethode auf Eis gelegt hatte, sagte der Saarbrücker Zeitung: "Wenn man von Anfang an von den Behörden Druck bekommt, kann man nichts machen. Die Beamten verbieten nur. Die Leute, die noch etwas bewegen, werden gestoppt." Damit bezog sich Raab auf Auflagen des saarländischen Gesundheitsministeriums, eine Ausweitung seiner Melander-Test-Zuchtanlage in Quierschied-Camphausen betreffend. Dort züchtet Raab nach eigenen Angaben seit 16 Jahren im Souterrain eines historischen ehemaligen Saarberg-Gebäudes die Melander, eine Kreuzung verschiedener Welsarten aus Afrika und Neuguinea. Entwickelt wurde diese Melander-Zucht von Jürgen Hautz, einem Fischerei-Ingenieur aus St. Wendel, der einst mit Raab in Oberriet die größte Warmwasser-Kreislauf-Fischzuchtanlage Europas aufbaute. Wie der Sprecher des saarländischen Gesundheitsministeriums Stefan Kolling der SZ auf Anfrage erklärte, habe das Ministerium Raab darauf hingewiesen, dass ein Antrag zum Betrieb einer Fischzuchtanlage zu stellen sei. Dies sei jedoch bis dato nicht geschehen. Jedoch habe man Raab auf die geltenden Tierschutzbestimmungen hingewiesen. Einen Antrag auf die Zulassung einer besonderen Tötungsverfahrens habe Raab bisher nicht gestellt.Eben wegen des Tötungsverfahrens hatten die schweizerischen Veterinärbehörden Raabs Wels-Zucht-Unternehmen (Werbespruch: "Melander - besser als Bio") mit Auflagen versehen. In der Eidgenossenschaft existiert eine entsprechende Tierschutzverordnung, die das Töten der Fische auf Raabs Art verbietet. Raab lässt die etwa 1,5 Kilogramm schweren schlachtreifen Melander, die Warmwasserfische sind, auf etwa acht bis zehn Grad herunterkühlen. "Dann sind die Fische schon steif und tot", sagte Raab. Danach kommen die Fische in eine Trommel mit Eisstückchen, die langsam mit sechs Umdrehungen in der Minute rotiert. Dabei werden die Melander entschleimt, ehe sie schließlich maschinell weiterverarbeitet werden: Zu Filets, Bratwürstchen oder Wienern."Ich wollte hier in Camphausen auf einer Fläche von 80 000 Quadratmetern ein Unternehmen wie in Oberriet errichten", so Raab. Doch frustiert von dem Gegenwind der saarländischen Veterinärbehörde hat er diese Idee vorerst begraben. Dabei steckt im Raabschen Melander-Projekt jede Menge Herzblut. Raab musste nach eigenen Angaben wegen einer schweren Herzerkrankung seine Ernährung umstellen und kam so auf die Melander-Zucht. Mit der Anlage in der Schweiz hatte er bereits viele Abnehmer gefunden, darunter Caterer und Restaurants. Doch nach der Negativ-Berichterstattung in der Schweiz im Frühjahr sind viele der Abnehmer wieder abgesprungen. Raabs Ehefrau Pia Raab, Geschäftsführerin des Unternehmens, zeigte sich darüber empört. "Wie man uns als Tierquäler bezeichnete, das war Rufmord", sagte die Geschäftsfrau. Die Melander in Hans Raabs Camphauser Zuchtanlage können einstweilen nur die Tagungsteilnehmer der Ha-Ra-Fortbildungen genießen. Der 69-jährige Unternehmer, der dieses Jahr sein 40-jähriges Jubiläum feierte, hat nach Medienberichten noch Ärger mit drei ehemaligen Angestellten in Oberriet, die ihn auf 50 000 Euro Entschädigung für angebliche nicht gerechtfertigte fristlose Kündigung vor den Schweizer Kadi bringen. Raab bestritt diese Darstellung. Die Mitarbeiter seien von sich aus nicht mehr gekommen. Zudem seien sie teilweise ihren Pflichten nicht nachgekommen und hätten 240 000 Brut-Fische verenden lassen, weil sie Fischkot nicht aus den Becken entfernt hätten. Ebenfalls nicht belegbar seien Forderungen von Baufirmen in Höhe von 636 000 Franken, die diesen beim Bau der Anlage in Oberriet entstanden sein sollen. "Die Leute, die noch etwas bewegen, werden gestoppt." Hans Raab