Der ungetrübte Blick auf Schwächen und Stärken

Der ungetrübte Blick auf Schwächen und Stärken

Studenten der Technischen Universität Kaiserslautern haben sich mit Problemen und Chancen der Gemeinde Quierschied beschäftigt, und zwar tiefgründig und detailliert. Ihre Ergebnisse sind mehr als diskutabel.

"Wer braucht schon den Eiffelturm?" fragen Nina Müller, Svenja Nothof, Sebastian Ernst und David Ramert auf einem von ihnen gestalteten Werbeplakat mit dem bunt beleuchteten Göttelborner Förderturm. Die vier von der "Abteilung Q", wie sie sich nennen, studieren an der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern und haben sich mit Kommilitonen in vier weiteren Arbeitsgruppen in den vergangenen Monaten mit der Gemeinde Quierschied beschäftigt. "Für uns ist es interessant und spannend, wenn junge Menschen in unsere Gemeinde kommen, um mit etwas Abstand und damit einem ganz anderen Blickwinkel Probleme und Chancen zu betrachten. Manche Sachen sehen wir Einheimische vielleicht gar nicht mehr", so Bürgermeisterin Karin Lawall , "ich bin überzeugt, dass wir die Studienergebnisse in den Orts- und Gemeinderäten intensiv diskutieren werden." Die Abteilung Q beschäftigte sich hauptsächlich mit Quierschied als Pendlerstandort. Die Analyse ergab gute Noten fürs Gastro-, Sport und Bildungsangebot. Die verkehrsgünstige Lage werde durch eine grundsätzlich gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr unterstützt. Allerdings würden nur rund sieben Prozent der Pendler dieses Angebot annehmen. 4226 Menschen würden täglich "auspendeln", dagegen kämen 935 zur Arbeit oder Schule nach Quierschied .

Die Studierenden stellten neben dem Bedarf an einem billigen Discounter auch den Mangel an Wohnraum fest. In den nächsten Jahren würden bis zu 200 Wohneinheiten gebraucht. Es könnten sogar mehr sein, wenn die vorgeschlagenen Marketingstrategien zum Anlocken von Neubürgern greifen.

"Verbindungen schaffen" wollen die "Geogräfinnen" Theresa Groß, Lea Hickl und Lena Dehof. Dabei geht es um ein einheitliches Ortsbild vom "Alten Markt" über die Marienstraße, vorbei am künftigen neuen Kultursaal bis hin zum Rewe-Markt. "Wir haben auf diesem Weg allein sieben verschiedene Arten von Laternen gezählt" erläuterte Theresa Groß. Eine Angleichung der Pflasterung und des Stadtmobiliars würde für optische Verbindung und Aufwertung sorgen. Sorgenkind sei der Alte Markt, nicht nur wegen der Parksituation. Die Landstraße mit der abknickenden Vorfahrtregelung Richtung Mühlenbergstraße sei alles andere als optimal. Die Idee der Studentinnen: Temporeduzierung und Einrichtung eines Kreisverkehrs. "Die Ideen sind nicht alle neu, manche scheiterten an übergeordneten Instanzen oder mangelnder Kooperation von Hauseigentümern und Anwohnern", sagte Gemeinderatsmitglied Peter Zimmer (CDU ), "dennoch sind einige sehr gute Anregungen dabei." Wie etwa die Einrichtung eines "verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs". Auf einem solchen, vom Einzelhandel geprägten, Straßenabschnitt kann die Geschwindigkeit auf bis zu 20 Kilometer herabgesetzt werden.

Drei weitere Studiengruppen beschäftigten sich mit Häusern und Fassaden sowie dem demographischen Wandel. Die Ergebnisse aller Gruppen werden der Öffentlichkeitin einer Ausstellung am 3. Februar in der Gemeindebücherei vorgestellt. Klar ist, dass die klamme Gemeindekasse nicht zulässt, alle Ideen umzusetzen. "Man kann aber auch kleine Schritte gehen und diese dann gut kommunizieren", rät Projektleiter Holger Schmidt, Professor an der TU Kaiserslautern, "so wir dann ein Gesamtkonzept erkennbar."