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Große Sause am Sonntag
Der große Einsatz für unseren Sozialstaat

Quierschied. An diesem Sonntag feiert der VDK Quierschied seinen 70. Geburtstag mit einem Festakt in der Q-lisse. Von Anja Kernig

Die meisten kommen, wenn der Schuh drückt. Was bei einem Verband, der sich selbst als „Gewissen des Sozialstaates“ versteht, völlig in Ordnung geht. „Der VdK steht auf zwei Säulen“, erklärt Hans Schaaf beim Gespräch in seiner Wohnung. „Das ist zum einen die Sozialpolitik und zum anderen die Unterstützung seiner Mitglieder in sozialrechtlichen Belangen“ – etwa, wenn die Krankenkasse das Pflegebett nicht bezahlen will oder Hilfsmittel verweigert oder auch, was zuletzt durch die Medien ging, einem der Parkausweis für Behindertenparkplätze verweigert wird.


Für sich selbst hat Schaaf, der aufgrund einer Augenerkrankung schrittweise erblindete, noch nie den Rechtsschutz in Anspruch genommen. Beamten wird dieser nicht gewährt. Trotzdem engagiert sich der 76-Jährige als Vize-Vorsitzender des Ortsverbandes Quierschied. „Das hat mit meiner humanistischen Grundeinstellung zu tun. Ich möchte mich für die soziale Absicherung der Menschen einsetzen, die es am ehesten brauchen.“ Konkret kümmert sich der 76-jährige frühere Rechtspfleger um die Öffentlichkeitsarbeit des Ortsverbandes.

Der feiert in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag. Eigentlich ist es ein Dreierjubiläum, denn einen einheitlichen Ortsverband gibt es erst seit 2016. „Es war kurz nach dem Weltkrieg im damals besetzten autonomen Saarland“, blickt Schaaf zurück auf den Beginn. „Der Krieg hatte schlimme Spuren hinterlassen. Es galt, von den staatlichen Stellen Hilfe und Unterstützung zu bekommen, Kriegsrenten, Witwen- und Waisenrenten, Lastenausgleich, Entschädigungen vielfacher Art.“ Um diese Ansprüche solidarisch geltend zu machen, bildeten sich Selbsthilfegruppen, aus denen sich 1947 der Verband der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen im Saarland (VKS) konstituierte. „1957 ging der VKS dann im VdK-Bundesverband auf.“

Als historisches Bonmot merkt Schaaf an, dass männliche Mitglieder einst mit „Kamerad“ angesprochen wurden, die weiblichen hingegen mit „Kameradenfrau“. Als erster Ortsverband trat Göttelborn am 11. April 1948 auf den Plan, zwei Wochen später folgte Quierschied. „An jenem Sonntag waren im Saale Kessler im Grubenweg 200 Kriegsbeschädigte und hinterbliebene Frauen erschienen.“ Kein halbes Jahr später hatte sich die Mitgliederzahl schon verdoppelt. Ein Name sei in diesem Zusammenhang besonders erwähnt: Bernhard Kasper, der, selbst kriegsversehrt, ab 1959 40 Jahre lang den Vorsitz innehatte und von Tochter Inge 1999 beerbt wurde. „Als Kind war der Vorstand immer zuhause bei uns“, da sei sie quasi ins Amt reingewachsen, erinnert sich Vorsitzende Inge Horf. Mit Maria Berwanger gibt es sogar noch ein Mitglied aus dem Gründungsjahr 1948. Zur Gründung in Fischbach kam es im Juli 1948 im Gasthaus Gapp. Wovon auch die Waisen- und Halbwaisenkinder profitierten. Ihnen spendierte man Weihnachtsfeiern und Gutscheine der örtlichen Geschäftswelt“ – für bis zu 66 Mädchen und Jungen.

Waren anfangs die sozialen Sorgen der Betroffenen bestimmend, kehrte zu Beginn der 60-er Jahre so etwas wie sozialpolitische Normalität ein. „Die Rentenansprüche waren geklärt, die Mitgliederzahlen nahmen wieder ab“, so Schaaf.  „Nicht jedoch die Aktivitäten der Ortsverbände mit ihren geselligen Veranstaltungen, Gedenkfeiern und Fahrten.“ In den 90er Jahren erfolgte dann die Wandlung zum umfassenden Sozialverband, dessen Herzstück die Rechtsberatung und -vertretung vor Behörden und Sozialgerichten sind. „Jahraus jahrein werden dadurch im Saarland rund zwei Millionen Euro für die Mitglieder erstritten.“



Was sich in der Mitgliederentwicklung niederschlägt: Der Landesverband zählt rund 45 000 Mitglieder, „unser Ortsverband ist auf 520 gewachsen“ – und das in Zeiten, in denen viele Vereine ums Überleben kämpfen. Viel Grund zu feiern also, wozu an diesem Sonntag ab 11 Uhr in der Q-lisse reichlich Gelegenheit bestehen wird.