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Entwarnung für Gesundheit
Das große Aufatmen in und am Fischbach

Gut besetzt waren die Reihen am Donnerstagabend in der Q.lisse.
Gut besetzt waren die Reihen am Donnerstagabend in der Q.lisse. FOTO: Thomas Seeber
Quierschied. Experten schließen im Gemeinderat eine Gesundheitsgefährdung durch PCB am Gewässer aus. Die Konzentration ist nach ihren Worten viel zu gering. Von Patric Cordier

Entwarnung für die Menschen am und in Fischbach: „Eine Gesundheitsgefährdung können wir ausschließen.“ Das sagte Humantoxikologe Professor Michael Schwarz von der Technischen Universität Tübingen am Donnerstagabend im Quierschieder Gemeinderat, der in der Q.lisse tagte.


Der Experte klärte die Ratsmitglieder und etliche interessierte Bürgerinnen und Bürger über die Auswirkungen der erhöhten Werte an Polychlorierten Biphenylen (kurz: PCB) im Fischbach auf. Dort ergaben Messungen, dass die sogenannte Umweltqualitätsnorm zum Teil um das Siebenfache überschritten wurde (wir berichteten). „PCB ist krebsfördernd“, erklärte Schwarz, der auch 17 Jahre lang am Krebsforschungszentrum in Heidelberg tätig war, „eine akute oder chronische Toxizität (Anm. d. Red: Toxizität ist die Giftigkeit eines Stoffes) kann man am Fischbach ausschließen“. Dafür seien die Mengen von PCB im Wasser deutlich zu gering.

„Wenn Sie einen Liter Wasser aus dem Fischbach trinken, nehmen Sie etwa fünf Nanogramm PCB auf. Das ist gerade einmal ein Tausendstel von dem, was wir täglich auf natürlichem Weg über die Nahrung zu uns nehmen“, verdeutlichte der Giftstoff-Experte, „zwei bis sechs Mikrogramm nehmen wir täglich zu uns. Fleisch- und Fischliebhaber etwas mehr, weil sich PCB in tierischen Fetten anreichert, Vegetarier etwas weniger. Aber darum leben Vegetarier jetzt nicht wirklich länger.“ Und auch diese Menge sei im Grunde unbedenklich.
Quierschieds Bürgermeister Lutz Maurer fasste die Erleichterung vieler in Worte. „Diese Ausführungen und Erklärungen hätten wir uns gewünscht, bevor das Umweltministerium die Zahlen veröffentlichte“, sagte er und wies noch einmal auf die Verunsicherung in der Bevölkerung hin, die das nicht erklärte Zahlenmaterial ausgelöst habe: „Man hätte die Irritationen in der Bevölkerung verhindern können.“
Jens Götzinger vom Umweltministerium hatte zu Beginn der Sitzung noch mal erklärt, wie man zu den Daten gekommen war. Im Rahmen des sogenannten PCB-Monitoringprogramms 2016-2017 waren an 14 Messstellen Proben entnommen worden. Dabei handelte es sich neben den größeren Gewässern Saar, Blies, Rossel und Nied auch um die Grubenwassereinleitungen in Reden, Camphausen, Püttlingen, Ensdorf und Luisenthal sowie um den Sinnerbach, den Köllerbach und eben auch den Fischbach. Da PCB nicht wasserlöslich sind, haften Partikel aufgrund ihrer fettartigen Eigenschaften an den Schwebstoffen im Wasser. Darum hat man die Umweltqualitätsnorm auch in Millionstel Gramm (Mikrogramm) pro Kilogramm Schwebstoff an- und den Grenzwert auf 20 Mikrogramm festgelegt.
Neben der PCB-Belastung wurden in 6800 Analysen auch 75 weitere Kriterien für die Wasserqualität überprüft. So liegt beispielsweise die elektrische Leitfähigkeit des Fischbachs über 50 Prozent oberhalb der Umweltqualitätsnorm. Dies liege auch am erhöhten Salzgehalt, zudem seien die Ammonium- und Phosphorwerte hoch. „420 000 Tonnen Salze werden in jedem Jahr in die Saar eingetragen“, erklärte Michael Penth vom Landesumweltamt, „davon stammen etwa 6000 Tonnen Chloride und 6000 Sulfate aus dem eingeleiteten Grubenwasser“. Das Grubenwasser sei allerdings nur zu einem Prozent für die PCB-Belastung verantwortlich.
„Die RAG muss bis zum 30. Juni ein verbessertes Einleitungskonzept vorlegen“, erklärte Götzinger zu den begonnenen Maßnahmen, wie man die Werte absenken möchte, „wir gehen davon aus, dass das Unternehmen dem nachkommt. Umweltminister Reinhold Jost hat aber schon angekündigt, dass man Maßnahmen anordnen werde, sollte das Unternehmen der Aufforderung nicht nachkommen“.
Die milchig-weiße Brühe, die Spaziergänger oft auf dem und im Fischbach beobachten, hat übrigens nichts mit PCB zu tun. Dabei handele es sich um ein oxidierendes Sulfid, also eine Schwefelverbindung, die für den Menschen unproblematisch sei.



Diese drei Fachleute standen den Anwesenden in der Q.lisse Rede und Antwort (von rechts): Prof. Dr. Michael Schwarz , Dr. Jens Götzinger und Dr. Michael Penth.
Diese drei Fachleute standen den Anwesenden in der Q.lisse Rede und Antwort (von rechts): Prof. Dr. Michael Schwarz , Dr. Jens Götzinger und Dr. Michael Penth. FOTO: Thomas Seeber