Tradition gepflegt: Club Fröhlichkeit tanzte wieder den Hammel aus

Tradition gepflegt : Club Fröhlichkeit tanzte wieder den Hammel aus

Wolfgang Baltes ist der neue Straußbub des Quierschieder Traditionsvereins.Bedauern über Ausfall der Martinikirmes.

Männer in roten Stulpen und blauen Pullis drehen ihre Kreise. Sie lachen, sie scherzen, sie drehen Runde um Runde. Trotz des miesen Wetters haben sich ein paar waghalsige Zaungäste auf dem Parkplatz am Rewe-Markt eingefunden und schauen dabei gespannt auf eine brennende Schnur, an der sich eine Flasche befindet. Die Männer im Einheitslook bekommen immer wieder einen Blumenstrauß in die Hand gedrückt, den sie einer der Frauen innerhalb des Kreises wieder zurückgeben, die sie verteilen. Sie drücken das Gewächs gleich dem nächsten Mann in die Hand.

Da endlich brennt die Schnur durch, die Flasche fällt zu Boden – und der nächste Straußbub steht fest. Wolfgang Baltes ist der Glückliche, dem bis zum nächsten Hammelaustanz des Club Fröhlichkeit diese Ehre zuteil wird. Für ihn gleich doppelt Grund zur Freude, denn einen Tag vorher wurde er für seine 30-jährige Mitgliedschaft beim einstigen Kittelclub geehrt.

Seit weit mehr als 100 Jahren ist der Brauch das höchste Fest des Jahres für die Mitglieder. Normalerweise steht dafür auch tatsächlich ein echter Hammel zur Verfügung. Doch unter anderem aus Gründen des Tierschutzes und weil sich schlicht niemand fand, der ein lebendiges Tier hatte, musste man umdisponieren. „Deswegen haben wir umgestellt auf eine Figur“, wie Thorsten Müller, Vorsitzender des Club Fröhlichkeit, sagte. So nahm man die schwarz bemalte Nachbildung eines Schafes mit auf den Umzug, der am Gasthaus Hopfenblüte startete. Von dort zog es die „Clubberer“ durch die Marienstraße hoch zum Supermarkt, wo der Hammel ausgetanzt wurde.

Musikalisch wurde das Ganze begleitet vom Fanfarenzug der Kolpingfamilie Humes. Zum vierten Mal bereits, wie dessen Leiter Volker Conrad erzählte. Die ebenso zünftigen wie deftigen Marschklänge der zehn Musiker waren quer durch Quierschied zu hören. Die Verbindung zum Club Fröhlichkeit kommt übrigens durch ein Mitglied des Fanfarenzugs zustande, der in Quierschied wohnt und im Eppelborner Gemeindeteil musiziert. Die Musiker und die Club-Mitglieder erhielten zur Erwärmung eine Aufmerksamkeit von Quierschieds Bürgermeister Lutz Maurer in Form von Magenbitter und Obstler. Ein wenig Traurigkeit schwang bei der Veranstaltung des Clubs Fröhlichkeit übrigens auch mit: Die seit 1855 durchgeführte Martinikirmes, die dem Hammelaustanz vorausgeht, fiel dieses Jahr komplett aus. Es fanden sich nicht genügend Schausteller, hieß es im Vorfeld aus dem Rathaus dazu. Teilweise Verständnis dafür hatte Besucherin Klaudia Jochum. Es bleibe finanziell wohl einfach zu wenig für die Betreiber übrig. Gleichsam fand sie den Ausfall sehr schade: „Es gibt ja auch viele Kinder, die das traurig finden.“

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