Mit 90 Jahren noch musikalisch fit unterwegs : Großer Bahnhof für den Leiter des Thalia-Chores

Seit 25 Jahren dirigiert Engelbert Löb das Dudweiler Ensemble. Es ehrt den frischgebackenen 90-Jährigen heute besonders.

Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist. Diese Worte stammen von dem französischen Schriftsteller Victor Hugo. Unterschreiben würde sie rundweg Engelbert Löb. Denn er ist ein Mensch, der ohne die Musik nicht leben kann.

Am heutigen Dienstag wird er besonders geehrt. Im Bürgerhof Martin ist großer Bahnhof mit Sektempfang, weil der Mann aus Fischbach gerade das 90. Lebensjahr vollendet hat. Gratulieren werden ihm vor allem die Mitglieder des Gemischten Chores Thalia 1889 Dudweiler um den Vorsitzenden Dieter Bold.

Denn der Senior, dessen Finger noch immer flink und leicht über die Klaviertasten fliegen, ist ihr Chorleiter. Und das schon seit 25 Jahren. So also gibt es gleich zwei Jubiläen, die aller Ehren wert sind.

Bei ihm zu Hause in Fischbach zu Gast, erzählt er uns ein bisschen was aus seinem langen Leben. Erstaunlich fit ist der Witwer, der allein noch alles prima geregelt kriegt. Schon im Alter von acht Jahren hat er Musikunterricht genommen. Musik studiert hat er in Saarbrücken und Trier.

Und dann wurde der gebürtige Bubacher Organist in der katholischen Kirche Fischbach-Camphausen. Am 2. Juli 1957 war das. Das Datum kann sich Engelbert Löb gut merken, denn an diesem Tag wurde seine Tochter geboren.

Küster, Organist, Chorleiter, all dies war Löb, und er hat über lange Jahre auch sehr viele Kinder unterrichtet. Apropos Kinder: Drei hat er selbst, hinzu gesellen sich neun Enkel und zehn Urenkel.

Vieles hat der heute 90-Jährige selbst komponiert und bei der Thalia eingebracht. „Die Chorsätze sind so geschrieben, dass diejenigen, die die Noten nicht beherrschen, auch mitsingen können“, erläutert uns der Altersjubilar. Und lächelt, wenn er an seine „Zöglinge“ denkt, denn: „Der Chor ist wie eine Familie“.

Die Singgemeinschaft übernahm er mit 65, als er die aktive Zeit als Organist beendet hatte. „Vorübergehend“ wollte er diese ehrenvolle Aufgabe ausfüllen. Doch aus dem lapidaren „vorübergehend“ sind bislang 25 Jahre geworden. Und ein Ende ist so schnell nicht in Sicht. Denn „gesund und munter“ fühlt sich der Vollblutmusiker, dessen Sohn Ferdinand mit am Wohnzimmertisch sitzt und noch ein bisschen mehr erzählt, als sein Vater mit der SZ-Fotografin zum Klavier eilt.

Die Zither, so erfahren wir, beherrscht der Senior auch, ebenso wie das Akkordeon. Und dann sitzt er auch noch gerne am Keyboard. Lange Jahre hat er auch das Kolping-Orchester Fischbach geleitet, da fallen dem Senior gleich auch die schönen Konzertreisen in die Vereinigten Staaten, nach England, Italien und in die Schweiz ein. Dass sein Vater keine Probleme mit moderner Technik hat, auch das hören wir von Sohn Ferdinand, für die elektronische Orgel habe man ihm vor zehn Jahren ein neues Software-Programm geschenkt. Nebenbei erfahren wir überdies, dass Engelbert Löb seit weit mehr als 50 Jahren der Saarbrücker Zeitung die Treue hält.

Und was spielt sich am heutigen Dienstag im Bürgerhof Martin ab? Da erwartet den Chorleiter ein volles Programm. Mit ergreifenden Reden und tausendmal Dank und natürlich auch das ein oder andere Ständchen. Für den sympathischen Altersjubilar. Weil die Musik sein Leben ist. Weil er niemals auf sie verzichten mag.

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