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Ende des Aberglaubens
Studien widersprechen Aberglauben

Dr. Jochen Schuld.
Dr. Jochen Schuld. FOTO: Klinik Sulzbach
Quierschied. „Ist operieren bei Vollmond gefährlicher?“ Nein: Chefarzt Dr. Jochen Schuld belegte seine Meinung in der Gemeindebücherei mit Daten und Fakten. Von Patric Cordier

Seit Millionen von Jahren ist der Mond treuer Begleiter der Erde auf ihrem Weg durchs Universum. Dass er dabei für die Gezeiten der Meere auf dem blauen Planeten verantwortlich ist, ist längst bewiesen. Doch ranken sich um den Erdtrabanten seit jeher in der Menschheitsgeschichte viele Mythen und Erzählungen um ganz spezielle Einflüsse auf Natur und Zusammenleben. Einem dieser Mythen ist Dr. Jochen Schuld am vorigen Dienstag in der Gemeindebücherei Quierschied auf den Grund gegangen. Der Leiter der Chirurgie des Klinikums Sulzbach beantwortete die Frage „Ist operieren bei Vollmond gefährlicher?“ und räumte auch mit so manch anderem Aberglauben in der Medizin auf.


Dazu zitierte Schuld erstmal den tagesaktuellen Mondkalender, der bei abnehmendem Mond das Entfernen von Zahnstein empfiehlt, im Zeichen des Skorpion aber von Operationen an Geschlechtsorganen abrät. „Aber schon die Einschränkung im Kalender, dass dringende Operationen eigenen Gesetzen unterliegen, zeigt, dass sich die Macher nicht ganz sicher sind“, so Schuld, der anhand zahlreicher Studien beweisen konnte, dass diese Unsicherheit eigentlich Unwissen ist.

So wurde in der Charité in Berlin bei einer Untersuchung von 25 000 chirurgischen Eingriffen nachgewiesen, dass der Wochentag für das Gelingen von Operationen ebenso irrelevant ist wie die Mondphase. Jeweils etwa vier Prozent der Eingriffe fanden an Neu- oder Vollmond statt, je 46 Prozent bei zu- und abnehmendem Mond. Die Studie zeigte, dass die Zahl der Komplikationen ebenso verteilt ist. Schuld selbst hat sich in seiner Zeit an der Uniklinik Homburg mit Operationen und Notfällen am Freitag, dem 13., beschäftigt. Und siehe da, auch hier ließ sich statistisch kein Zusammenhang feststellen. „Es gibt am Freitag, dem 13., nicht mehr schlechte Ereignisse als sonst. Außer vielleicht am 13. Juni 2014 für die spanische Fußball-Nationalmannschaft. Die unterlag an diesem Vollmondtag mit 1:5 gegen Frankreich – aber somit war es für die Franzosen ja wieder ein Glückstag“, scherzte Schuld mit dem nahezu handverlesenen Publikum: „Es wäre schön gewesen, wenn vielleicht auch der ein oder andere Mondgläubige da gewesen wäre. Ich hätte ihn gerne überzeugt.“



In Schulds täglicher Praxis kommt es selten vor, dass Patienten Eingriffe wegen Bedenken gegenüber Datum oder Mondstand verlegen: „Solche Fälle haben wir höchstens ein oder zwei Mal im Jahr.“