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Auf den Spuren eines scheuen Nagers

Auf den Spuren eines scheuen Nagers

Rund 650 Biber gibt es im Saarland. Einige von ihnen sind auch in unserer Region heimisch geworden. Allerdings sind sie nur selten sichtbar. Diese Erfahrung machte auch eine kleine Gruppe, die den Tieren nachspürte.

 Das ist eine Biberburg.
Das ist eine Biberburg.

Flauschiges Fell, schwarze Knopfaugen und eine übergroße Stupsnase - Josephina findet Biber "so richtig süß". Doch einen gesehen hat die achtjährige Schülerin noch nicht. "Bisher kennt sie die Nager nur von Bildern oder aus dem Fernsehen", erzählt Papa Benedikt Holz , "vielleicht haben wir heute Glück und bekommen einen Biber zu Gesicht."

Ausgestattet mit wetterfester Kleidung - am vergangenen Samstag schüttete es wie aus Eimern -, Nachtsichtgeräten und etwas Proviant machte sich die Familie Holz zusammen mit elf weiteren Neugierigen auf den Weg zum großen Parkplatz am Netzbachweiher.

Von dort aus startete die vierstündige Erlebnistour ,,Nachts im Reich der Biber" mit Wanderführer Martin Bambach. Seit Juli 2014 lotst der erfahrene Naturexperte wissbegierige Gruppen durch den einheimischen Wald. Seine Leidenschaft für die europäischen Nager entdeckte er jedoch wesentlich früher. Bambach schildert die erste Begegnung vor knapp fünf Jahren. "Es war Abenddämmerung, und ich ging im Winterwald spazieren", berichtet der Nager-Fan. "Am Fischbachweiher angekommen, fiel mir dann eine Regung am Wasser auf: Das waren die Biber. Seitdem üben diese Tiere auf mich eine unglaubliche Faszination aus. Ich mache mich sogar in meiner Freizeit auf den Weg, um die Tiere zu beobachten."

Rund 650 Biber gibt es im Saarland. "Das ist allerdings nur ein geschätzter Wert", erklärt Bambach auf der rund fünf Kilometer langen Route durch das Biberrevier. "Diese Tiere sind sehr scheu und deswegen nur schwer zu sichten." Außerdem stehen die pelzigen Tierchen unter Artenschutz.

"Im Jahr 1850 waren sie im Saarland komplett ausgerottet", erklärt Bambach weiter. "Erst 1994 kamen die Nager zurück." Damals setzte man in der Umgebung knapp 50 Tiere aus, die sich anschließend weitervermehrten.

"Im Rahmen dieser Aktion siedelte man auch einen Biber am Netzbachweiher aus", sagt der Wanderführer. "Doch dieser wurde leider überfahren. Seitdem lebt nur noch am Fischbachweiher eine siebenköpfige Biber-Familie. Allerdings sieht man sie nie zusammen."

Ein ausgewachsener Biber ist zwischen 1,20 Meter und 1,30 Meter lang, und er wiegt 25 Kilogramm. Im Schnitt werden die Tiere zwischen zehn und 15 Jahre alt. "Die Biber sind Vegetarier", berichtet Bambach weiter. "Somit sind sie für den Menschen auch ungefährlich."

Dennoch gibt es sogenannte Problembiber. "Vor allem im Nordsaarland schlagen solche Problembiber gerne zu", erzählt der Wanderführer. "Sie schlängeln sich durch die Gärten und knabbern Bäume und Sträucher an. Aber mit einer einfachen Schutzvorrichtung rund um den Baumstamm lassen sich die Nager leicht abhalten."

Nach der Besichtigung des Staudamms und der Biberburg geht es auch endlich auf die Suche nach den pelzigen Tierchen. Doch trotz der engagierten Spurensuche bleiben die Biber an diesem Tag für die Zuschauer verborgen. "Leider liegt die Wahrscheinlichkeit, diese scheuen Tiere zu sehen, nur bei vierzig Prozent", gesteht der Naturexperte. Enttäuschte Gesichter gab es dennoch nicht. "Wir haben auch so viel dazugelernt", freut sich Josephina.

Die nächste Wanderung ist am Donnerstag, 24. März. Weitere Infos und Anmeldung per Internet oder beim Wanderführer, Tel. (0152) 31 06 37 61.

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