Auch mit 100 funktionieren noch die grauen Zellen

Auch mit 100 funktionieren noch die grauen Zellen

Eine außergewöhnliche Skatrunde mit drei Herren gibt es in Quierschied. Der Senior ist 100 Jahre alt, die beiden anderen 80. Seit April kommen sie einmal die Woche zusammen, um zu reizen. Die Fairness steht im Mittelpunkt.

18-20-Zwo-Null-Vier: Da die Mitspieler dieser Skatrunde, Werner Schwarz (80) und Hugo Persch (80), da leider passen müssen, geht das Spiel an den vermutlich ältesten Skat-Spieler des Regionalverbandes: Arnold Schmitt, der seit dem Jahreswechsel in der Quierschieder Seniorenresidenz im Taubenfeld lebt und vor einigen Wochen seinen 100. Geburtstag gefeiert hat (wir berichteten).

"Kreuz", sagt er an, nachdem er den Skat in sein Blatt einsortiert und zwei Karten gedrückt hat. Als Skatbruder Hugo das Spiel schenken möchte, besteht sein Partner darauf, das Spiel zu machen. Werner sieht eine kleine Siegchance, und tatsächlich gerät Arnold Schmitt zunächst in die Bredouille. "Karo lang" analysiert er nach dem Spiel. Einer der Gegner hatte also viele Karo, der andere war "blank" und durfte mit einem fetten Trumpf stechen. Für den 100-Jährigen hieß es also Nerven behalten und hoffen, dass die Trümpfe auf der Hand zum Schluss stark genug sind. Sie sind es, und so atmet der Senior erleichtert auf: "Das Spiel hat schlecht für mich begonnen." Warum es noch nicht rund läuft, kann aber auch einen anderen Grund haben, als "Karo lang". "Ich habe mir ja noch kein Bier ausgeschenkt", bemerkt Schmitt und behebt den Mangel umgehend.

Seit April skaten sie in dieser Runde, treffen sich einmal die Woche in der Seniorenresidenz. Wie sie zueinander gekommen sind, beantworten die Skatbrüder unterschiedlich: "In Quierschd kennt jeder jeden", sagt Persch. Schwarz genauer: "Unsere Bürgermeisterin, Karin Lawall , hat vom Herrn Schmitt und seiner Skat-Leidenschaft gehört und bat mich: Werner, mach das mal." Werner machte, außer dem genannten Trio spielt meistens noch Paul Fries in der Runde mit. Sie besuchen ihren Skatbruder gern einmal die Woche. Schwarz: "Zwei Stunden die Woche tut Pensionierten nicht weh, das halten wir bis auf wenige Ausnahmen durch." Fairness ist bei den Skatspielern gefragt, denn Senior Schmitt hat ein Handicap. Mit dem einzig verbliebenen Finger der linken Hand fällt es dem ehemaligen Maschinenbautechniker und Konstrukteur schwer, die Karten zu halten. Fast horizontal hält er sie, und wenn die Gegenüber es drauf anlegten, wäre es ein Leichtes für sie, dem 100-Jährigen ins Blatt zu schauen.

Die gemeinsame und regelmäßige Skatrunde bei einem gepflegten Pils ist ein Punkt, der dazu beiträgt, dass Schmitt sich in der Seniorenresidenz im Taubenfeld doch recht wohl fühlt und sagen kann: "Es ist nicht wie daheim, aber okay."

Inzwischen läuft das nächste Spiel. Persch in Hinterhand hat seine Gegner beim Reizen übertroffen, sagt seinerseits Kreuz an. Schmitt sitzt in der Vorhand und weiß, dass die erste Karte oft schon ein Spiel entscheiden kann. "Kreuz? Dann kommt Herz", spricht er und spielt die entsprechende Karte aus. Doch auch dieses Alleinspiel ist zu stark aufgestellt, der Solist gewinnt sein Spiel sicher. Gewinner sind sie dennoch alle, denn das Trio genießt die wöchentliche Skatrunde in vollen Zügen.

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