1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Quierschied

Anja Dorscheid machte sich als Seniorenbegleiterin selbstständig

Serie Menschen im Regionalverband : Im Einsatz an der Seite alter Menschen

Anja Dorscheid machte sich selbstständig, um Senioren dort ein eigenständiges Leben zu sichern, wo sie zu Hause sind.

Seniorenbegleitung ist kein Pflegedienst. Und Seniorenbegleiterinnen wie Anja Dorscheid machen zwar in der Wohnung sauber und regeln hauswirtschaftliche Arbeiten, doch sie sind keine Putzhilfen. Ihr Dienst zielt auf soziale Betreuung, während sie sich gleichzeitig um den Haushalt kümmern. Was Vorrang hat, hängt vom Bedarf des jeweiligen Kunden oder der Kundin ab.

Anja Dorscheid aus Fischbach ist seit einem Jahr in diesem Bereich selbstständig. Sie nutzte ein Pilotprojekt der Bundesregierung, um mit ihrer Seniorenbetreuung an den Start zu gehen. Inzwischen hat sie vier Angestellte, die fünfte Stelle besetzt sie gerade. Denn die Firma wächst, und die Nachfrage ist groß.

„Ganz wichtig ist mir die Empathie. Wer Senioren gut betreuen will, muss die Menschen lieben und mit offenem Herzen seine Arbeit machen“, sagt sie und blickt sehr zufrieden auf ihre Existenzgründung zurück. Mitten in der Corona-Pandemie leistete sie wertvolle Arbeit, stellte Kontakte her und hielt sie. „Wir konnten unter den Regeln – mit Abstand, Hygiene und Masken – alle Dienste anbieten. Die waren wichtiger denn je, denn betagte Menschen vereinsamen schnell.“

Die 50-jährige Fischbacherin war zunächst im kaufmännischen Bereich unterwegs. Dann machte sie selbst Erfahrung mit einer schweren Krankheit, die sie gut überstand.

Aus dieser Erfahrung erwuchs ihr Wunsch nach sozialer Arbeit. Sie arbeitete ein Jahr lang im Drogenhilfezentrum (DHZ) in der Brauerstraße, wechselte als Hauswirtschaftskraft in ein Altenheim, bildete sich weiter. Sie machte die Ausbildung zur Betreuungsassistentin, dann zur Schwesterhelferin, in Kürze wird sie Fachkraft für Hauswirtschaft sein.

„Das Pilotprojekt der Bundesregierung ermöglichte es mir, einen Betreuungsdienst zu gründen, was eine tolle Entscheidung war. Es kommt so viel Dankbarkeit zurück, wir erleben so nette Gesten und Worte, das kann man mit Gold nicht aufwiegen. Unser Einsatzradius über drei Landkreise ist in manchen Fällen auch nicht wirtschaftlich, aber wo wir Beziehungen zu unseren Kundinnen und Kunden aufgebaut haben, ziehen wir uns nicht mehr zurück, selbst wenn es nicht immer mit der kürzest möglichen Wegstrecke verbunden ist.“

Neben ihr liegt das Telefon. Sie ist stets erreichbar, für ihre Schützlinge auch nachts. Notfälle halten sich nicht an Bürozeiten. „Seniorenbetreuung ist keine Pflege, wir erledigen Hausarbeiten, machen aber auch Ausflüge, Arzttermine oder leisten abends Gesellschaft, wenn die im Haus lebenden jüngeren Familienmitglieder mal ausgehen wollen. Dann spielen wir, malen oder schauen gemeinsam fern. Alles in allem hilft das, die Zeit zu verlängern, in der Menschen zu Hause wohnen können und nicht auf Dauer in eine Einrichtung umziehen müssen“, sagt Dorscheid.

Nur einer ihrer Schützlinge erkrankte an einer Corona-Infektion. „Die war aber schwerwiegend, weil zu alledem noch eine schwere Operation hinzukam und der Mensch schon 90 Jahre alt ist. Aber er kam wieder nach Hause und sagte mir dann, er hätte nie geglaubt, sich noch mal so gut fühlen zu können. Ist das nicht eine tolle Bestätigung?“

Liebevoll werde sie von diesem Herrn „Frau Anja“ genannt. Er hat ihr eine Top-Bewertung bei Google hinterlassen. „Diesen Job würde ich definitiv noch mal machen. Und ja, es sterben auch Schützlinge. Aber wenn wir dabei sein können und die Person nicht einsam sterben muss, dann bin ich sicher, wir sehen uns alle irgendwann wieder.“

Die 50-Jährige lebt nach der Philosophie des Buddhismus, bezeichnet sich als religiös. Wenn es ihr zu viel wird, geht sie in die Natur, in den Wald hinter ihrem Haus oder zum Wandern. Die Existenzgründerin ist zufrieden: „Wenn man dabei noch seinen Humor nie verliert, dann ist das Leben gut zu meistern.“ Alten Menschen hilft sie dabei, genau das zu tun. Dort, wo sie zu Hause sind.