Wer nagt denn da am Köllerbach?

Jetzt scheint es sicher, dass der Biber ins Köllertal zurückkehrt: Im Oktober gab es erste Spuren und nun hat offenbar ein weiteres Tier zwischen Etzenhofen und Walpershofen eine kleine Biberburg gebaut. Die Anzeichen sprechen zudem dafür, dass es schon Junge gibt.

Lebt ein Biber an einem Gewässer, so bleibt das vor allem im Winter nicht lange unbemerkt. Denn er muss im Winter Bäume fällen, damit er die Rinde an Stamm und Ästen abnagen kann, um zu überleben. Bereits im Oktober wurden am Köllerbach beim Zusammenfluss mit Hermesbach und Sellerbach erste sanduhrförmig abgenagte Stämme entdeckt (die SZ berichtete).

Nun meldete der 16-jährige Schüler David Schackmann weitere Fraßspuren am Köllerbach zwischen Etzenhofen und Walpershofen. Bei einer Begehung mit dem Biber-Experten des NABU-Landesverbandes, Ernst Kollmann, wurden zunächst die Nagespuren an Weiden und Erlen eindeutig dem Biber zugeordnet, und dann stieß der "Biber-Suchtrupp" sogar auf ein ganz eindeutiges Zeichen, dass sich Familie Biber am Köllerbach häuslich einrichten will: eine Biberburg auf einer Insel im Köllerbach.

Dabei darf man allerdings nicht an die riesigen Biberburgen denken, die man aus Naturdokus vom Kanadischen Biber kennt. Der europäische Biber, beziehungsweise die Elb-Biber, die vor genau 20 Jahren im Saarland ausgewildert wurden, bauen sich wesentlich kleinere Behausungen. Hier, am Köllerbach, hat der Biber aus Ästen eine Abdeckung über eine Uferhöhle angelegt.

Die Insel ist durch die Renaturierung des Köllerbachs entstanden, ohne die es wohl kaum diesen Zuwachs in der Köllertaler Tierwelt gegeben hätte. Der "Köllertal-Biber" gelangt vom Wasser aus in seinen Wohnkessel unter den Ästen, wo er den Tag verbringt und gegebenenfalls seine Jungen aufzieht. Junge Biber sind zu Beginn noch sehr gefährdet - etwa durch Greifvögel - und halten sich vorwiegend in der Biberburg auf. "Im Bisttal haben Wildschweine sogar eine Biberburg zerstört und die jungen Biber gefressen", schildert Kollmann aus seinen langjährigen Erfahrungen.

Es ist sehr schwierig, einen Biber zu beobachten, denn er kommt erst in der Dämmerung aus seinem Bau. "Ich habe schon häufig ein Klatschen auf der Wasseroberfläche gehört", berichtet David Schackmann. "Das macht der Biber mit seinem breiten Schwanz, der Kelle, um die Artgenossen zu warnen", erklärt Kollmann, der deshalb annimmt, dass tatsächlich schon Nachwuchs in der Biberburg lebt.

Die NABU-Ortsgruppe Köllertal möchte Interessenten die Möglichkeit bieten, aktiv beim Biberschutz mitzumachen. So ist für Ende Januar 2015 eine Infoveranstaltung zum Thema "Biberschutz im Köllertal " im NABU-Treff geplant. Zudem könnte eine gemeinsame Weidenpflanzaktion am Köllerbach vorbereitet werden.

Weitere Informationen beim Vorsitzenden des Nabu Köllertal Hans-Joachim Schmidt, Telefon (0 68 98) 6 57 10, oder per E-Mail an: nabu-koellertal@gmx.de

Ein ausgewachsener Biber Archivfoto: FelixHeyder/dpa.

Zum Thema:

HintergrundDer Biber wurde einst aus vielen Gründen gejagt und fast ausgerottet. Sein Schwanz galt Jahrhunderte als Delikatesse. Ein mittelalterliches Papst-Dekret hatte den Biber zudem zum Fisch erklärt und deshalb zu einer leckeren Freitagsmahlzeit oder Speise während der Fastenzeit gemacht. An Klöstern gab es zeitweise Biberhaltung, von einem Bibermeister organisiert. Auch das Drüsensekret des Bibers, das Bibergeil, war hochbegehrt, es galt als potenzsteigernd. Sein Fell fand ebenfalls viele Abnehmer. Im Saarland war er vor 170 Jahren verschwunden. af/mr