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Leo Krämer an der Orgel
Wenn die Posaune die Orgelklänge vergeigt

Professor Leo Krämer beim Proben an der Orgel im Köllertaler Dom.
Professor Leo Krämer beim Proben an der Orgel im Köllertaler Dom. FOTO: Walter Faas
Püttlingen. Ein technischer Defekt hätte fast das Orgelkonzert im Köllertaler Dom platzen lassen, doch Leo Krämer improvisierte gekonnt. Von Walter Faas

Unverhofft kommt oft. Das Orgelkonzert mit Professor Leo Krämer am Sonntag im Köllertaler Dom fiel aus. Fiel aber nicht ganz aus! Das Problem: Als sich Leo Krämer, gute vier Stunden vor Konzertbeginn, an der Orgel warmspielen will, erlebt er eine böse Überraschung. „Die 13-Fuß-Posaune spielt verrückt“, stellt Claus Bär, etatmäßiger Kantor in Püttlingen, rasch fest.


In der Tat: Das mächtige Posaunenregister der Orgel knallt in das zarteste Pianissimo eines A-moll-Chorales rein wie der massive Stimmbruch eines Jungen in einen Knabenchor. Das Ende vom Lied: ein technischer Defekt, der nicht kurzfristig zu beheben war.

„Isch hädd Eisch joo gäär was Scheenes gespilld“, sagt der Professor, ein gebürtiger Püttlinger, dem Publikum, und macht die Sache mit dem defekten Orgelton vor. Ojemine! „Da kommt ja der Balken ins Schaukeln, bei diesen Misstönen“, flüstert der Banknachbar. „Das soll auch genügen“, sagt Krämer nach wenigen Takten.



Gut 60 Besucher haben sich umsonst auf den Weg gemacht. Wirklich umsonst? Er werde auf jeden Fall versuchen, das Malheur zu umschiffen, wenigstens mit einer Improvisation über Marienthemen. Dazu muss man wissen, dass Krämer im vorigen Jahr seine von ihm komponierte „Püttlinger Marienkantate“ in der anderen Püttlinger Pfarrkirche, Liebfrauen, uraufgeführt hat. Jetzt also altehrwürdige Marienlieder aus dem Mittelalter: „Wunderschön prächtige, hohe und mächtige, liebreichholdselige himmlische Frau“, heißt es dazu im Textbuch von 1842. Dem süßlichen Text mit seiner schlichten Melodie setzt Krämer krasse interpretatorische Kontrapunkte entgegen, sorgsam gesetzte Dissonanzen, sozusagen als (vor)-pfingstliches Brausen, als atemberaubendes Klangerlebnis – und das ganze unter Ausschluss der defekten 13-Fuß-Posaune.

Fazit: Kein Konzert kann auch ein Konzert sein. Den fälligen Applaus hatte sich der Interpret verdient. „Das ganze Konzert wird bei Gelegenheit nachgeholt“, verspricht am Ende Peter Müller vom „Freundeskreis Kirchenmusik St. Sebastian Püttlingen“.