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Wenn der Parteikollege Kummer macht

Wenn der Parteikollege Kummer macht

In seiner mehr als 30-jährigen kommunalpolitischen Tätigkeit habe er sowas noch nicht erlebt, sagt der Püttlinger Bürgermeister Martin Speicher (CDU) voller Empörung. Und meint das Vorgehen seines Parteikollegen Mark Reck, die Verwaltung öffentlich scharf anzugreifen. Speicher: „Das geht nicht!“

Der Püttlinger Bürgermeister Martin Speicher (CDU ) wird morgen 65 Jahre alt. Sein Parteikollege Mark Reck , Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, hat vorab schon mal wenig freundliche Grüße ins Rathaus geschickt. In der Diskussion um die grundlegende Sanierung der Köllertalstraße ab Frühjahr 2017 hatte Reck geäußert, die Verwaltung habe Forderungen der Christdemokraten, Alternativen zur Vollsperrung zu prüfen, einfach ignoriert. Und Reck fügte hinzu: "Wir fordern die Beauftragung eines unabhängigen Planungsbüros. Die Verwaltung ist dazu anscheinend nicht in der Lage."

Darüber hat die Saarbrücker Zeitung in der Ausgabe vom 24. Mai berichtet, unter der Überschrift "CDU-Fraktion sauer auf Verwaltung - Püttlingen ohne Dauerbaustelle?". Im gleichen Beitrag hatte der Fraktionschef das Bauamt der Stadt Püttlingen aufgefordert, "eine simple Treppenanlage" zwischen Völklinger Straße und "Köllertaler Dom" selbst zu planen und die Frage aufgeworfen: "Was soll das Bauamt überhaupt noch planen, wenn es nicht einmal eine einfache Treppe hinbekommt?"

Wie bereits kurz berichtet, haben Bürgermeister Speicher und der Eigenbetrieb Technische Dienste in einer Presseerklärung vom vergangenen Freitag auf die Vorwürfe Recks reagiert. In dem Schreiben, das Martin Speicher , Rainer Stein (Technischer Leiter des Eigenbetriebes), und Hans-Egon Maurer (Abteilungsleiter Tiefbau) unterzeichnet haben, heißt es: "Wir fordern eine Entschuldigung von Herrn Reck ."

Recks Äußerungen stellten einen persönlichen Angriff auf die Mitarbeiter des Eigenbetriebes Technische Dienste dar und könnten keinesfalls hingenommen werden. Völlig unverständlich sei diese Art des Angriffs vor dem Hintergrund, dass die entsprechenden Sachverhalte in mehreren Sitzungen vorgestellt, erläutert und diskutiert worden seien. Die Planungen zum Ausbau der Köllertalstraße seien vor Wochen in einer Einwohnerversammlung von allen beteiligten Unternehmen ausführlich vorgestellt und mit den Bürgern diskutiert worden. Bürgermeister und Verwaltung sind sich bewusst, dass dieses Projekt eine "bisher nie dagewesene Herausforderung für alle Bürger, die betroffenen Anwohner, die Verkehrsteilnehmer und den örtlichen Handel darstellt", heißt es in der Presseerklärung. Speicher, Stein und Maurer betonen, es sei versucht worden, eine Vollsperrung zu umgehen - trotz der notwendigen Neuverlegung von Kanal, Gas-, Wasser-, Strom und Glasfaserleitungen, der Erneuerung aller Hausanschlüsse und der Erneuerung der Gehwege und der Fahrbahn in der Köllertalstraße. Eine Vollsperrung sei jedoch nötig. Eine Einbahn-Regelung komme nicht in Betracht, dafür sei die Straße zu eng. Zudem müsse man die Schutzvorschriften für die Bauarbeiter beachten. Hinzu komme die komplizierte Abfolge von Gewerken, die parallel, aber ortsversetzt zum Einsatz kommen sollen. Eine Vollsperrung mit gleichzeitiger Erledigung aller Arbeiten führe zu einer erheblichen Verkürzung der Bauzeit und Kosten. In der Presseerklärung heißt es: "Einen Auftrag aus den Ausschusssitzungen, Alternativen zur Vollsperrung konkret zu prüfen und aufzuzeigen, wie im Artikel von dem CDU-Fraktionsvorsitzenden dargestellt, gab es bisher nicht. Da demnach kein Handlungsbedarf bestand, ist es nicht nachvollziehbar, dass er der Verwaltung Ignoranz und Unvermögen vorwirft."

In Sachen Treppen hätten Fachleute des Bauamtes in der Sitzung des Werksausschusses vom 11. Mai erläutert, warum es nötig ist, die Planung einem Ingenierbüro zu überlassen. Es gehe auch nicht um eine "simple Treppenanlage", sondern um die grundhafte Neuplanung von zwei Treppen, "die nach neuesten Vorschriften und DIN-Normen behindertengerecht geplant und ausgeführt werden müssen", wie der Mitteilung von Bürgermeister und Eigenbetrieb Technische Dienste zu entnehmen ist. All dies habe ein Mitarbeiter der Verwaltung in der letzten Werksausschusssitzung erläutert, möglicherweise sei dies aber "nicht sachgerecht innerhalb der CDU-Fraktion weitergegeben" worden, schreiben Speicher, Stein und Maurer.

Zum Thema:

Hintergrund Von einem "Todesstoß für die Püttlinger Innenstadt" spricht Laila Lenz, Vorsitzende des Verkehrsverein Püttlingen , wenn es zu der geplanten Vollsperrung der Köllertalstraße kommt. Lenz: "Schon jetzt leiden die Gewerbetreibenden aufgrund der vielen Baustellen unter Kunden- und Umsatzrückgängen. Bei einer Vollsperrung der Hauptschlagader von Püttlingen droht die Situation für die Gewerbetreibenden in der Innenstadt existenbedrohend zu werden. Schon jetzt haben Einzelhandelsbetriebe angekündigt, ihre Betriebe zu schließen, sollte es tatsächlich zur Vollsperrung kommen." Lenz fordert, wie die CDU-Fraktion, Alternativen zu einer Vollsperrung der Köllertalstraße zu prüfen. me