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„Weil's so scheen ist“

Köllerbach. Mehr Ambiente geht kaum. Beim Köllerbacher Weihnachtsmarkt in der Burg Bucherbach freuten sich am Wochenende viele Besucher an der historischen Kulisse in Verbindung mit romantischer Dekoration, stimmungsvoller Beleuchtung und Musik „von Hand zu Fuß“ gemacht. Walter Faas

"Ir Herren machent fryden" ("Ihr Herren, macht Frieden") - Horst Altmeyer erinnerte am Samstag beim Köllerbacher Weihnachtsmarkt an Elisabeth von Lothringen (1395-1456), die nicht nur im Namen ihrer noch unmündigen Söhne von 1429 bis 1438 umsichtige Landesfürstin aus dem Hause Nassau war, sondern auch vier französische Ritterromane ins Früh-Hochdeutsche übersetzte, und die jeden dieser Romane mit dem Wunsch nach Frieden verband. "Das passt doch gut zum bevorstehenden Fest", sagt Altmeyer, zumal Elisabeth auch zur Püttlinger Geschichte gehört: Ihr Sohn Graf Johann III. ließ Burg Bucherbach zu ihrem Witwensitz umbauen (ob sie wirklich länger hier lebte, ist nicht gesichert).


Diese Geschichte wirft auch einen kleinen Blick auf die historische Bedeutung der Burg, die im hier und jetzt, am Samstag und Sonntag, nicht nur Denkmal, sondern auch fantastische Kulisse für das adventliche Fest war. "Tolle Stimmung von Anfang an", freut sich Laila Lenz schon am Samstagabend; die Vorsitzende des Verkehrsvereins Püttlingen, der den Weihnachtsmarkt ausrichtet, treffen wir in Begleitung einer Pizzabäckerin aus Saarlouis, Laura Gürkan, sie sagt: "Ich komme schon jahrelang hierher, weil's so scheen ist."

Das finden die Besucher Lutz Liermann und Franz Gillet auch. Sie genießen ihre Getränke samt Schmalzbroten und die Tatsache: "Die Händler kümmern sich um uns. Man trifft Bekannte, sproocht miteinander, die Stimmung ist sehr familiär. Dieser Weihnachtsmarkt ist gut besucht, aber nicht überlaufen."



Das kann man bestätigen, wenn man sich so umschaut, und das Angebot ist offensichtlich auch sehr breit gefächert. Es reicht von A wie Adventskranz oder Anisplätzchen bis zu Z wie Zimtwaffel oder Ziegenwurst. Auch von Hand gestrickte Socken, Mützen, Handschuhe oder Ohrenwärmer, gibt's zu erschwinglichen Preisen - wie praktisch bei diesen trocken-kalten Temperaturen. Glühwein, ob weiß oder rot, wärmt von innen. Adventliche Lieder, von der Stadtkapelle, Chören und diversen Musikern, sorgt für die rechte Stimmung.

"Wie wär's mit einem ausgefallenen Weihnachtsgeschenk? Schauen Sie sich um!" sagt Laila Lenz. Diverse hausgemachte Brotaufstriche gibt's, die man in keinem Supermarkt findet, Senfprodukte nach internationaler Rezeptur, ebenfalls in Hausfrauenküchen entstanden, hochprozentige Hausbrände und einzigartige Handarbeiten, wie kuschelige Teddybären, flauschige Bettflaschenbezüge oder gefilzte "Windeltaschen für den Notfall".

Wem es draußen zu kalt wird, der zieht sich ins aufgeheizte Turmstübchen zurück. Hier offerieren Gertrud Müller und Anni Fallmer im Nikolauskostüm heiße Getränke, Kuchen "wie gemoold", auch gerne ein Grillwürstchen (die haben im Saarland ganzjährig Konjunktur) von nebenan. Feuerwerker setzen die Burgzinnen am späten Abend ins bengalische Licht. Die Stimmung hält bis in die Nacht hinein, und viele Besucher runden den Bucherbacher Weihnachtsmarkt mit einem Besuch in einem der umliegenden Gaststätten ab.

"Alle haben guten Grund, zufrieden zu sein", resümieren beinahe wortgleich Laila Lenz und Christian Müller, der als Beigeordneter der Stadt Püttlingen den zweitägigen Markt eröffnet hat.