Von lustigen und von doofen Hexen

Auch Sachbeschädigungen und Beleidigungen gab es in der Hexennacht, sie blieben im Köllertal jedoch die Ausnahme.

Der Unterschied zwischen richtig und falsch, zwischen gut und schlecht liegt oft nicht in der Sache selbst, sondern in ihrer Dosierung. So ist zum Beispiel Arsen einerseits ein tödliches Gift, andererseits wurde es, in winzigen Mengen, schon in der Antike als Bestandteil von Medizin genutzt. Mit der Hexennacht verhält es sich ganz ähnlich wie mit Arsen: Auf die Dosierung kommt es an.

So war das weitaus Meiste, was sich in der Hexennacht im Köllertal abspielte, vollkommen harmlos und "nicht strafrechtlich relevant", wie es die Polizei formulierte. Und neben dem üblichen Rasierschaum- und Toilettenpapier-Gedöns gab es - auf dem Parkplatz der Einkaufsmärkte am Heusweiler Bahnhof - tatsächlich auch mal einen originellen Streich: Die Einkaufswagen wurden zu einer kreisrunden Wagenburg rund um eine Laterne und einen Baum zusammengeschlossen.

Ein bisschen Spaß haben in der Hexennacht, Streiche spielen, dagegen ist sicher nichts einzuwenden. Gegen Sachbeschädigung aber schon: Im Heusweiler Ortsteil Holz brannte in der Rödelbachstraße kurz nach 23 Uhr der Inhalt eines Altpapiercontainers. Die Feuerwehr war jedoch schnell zur Stelle, so dass das Feuer schnell gelöscht war und - nach ersten Einschätzungen - kein Sachschaden entstanden ist. Die Polizei leitete ein Strafverfahren wegen versuchter Sachbeschädigung gegen Unbekannt ein. Hinzu kommen, falls "Unbekannt" erwischt wird, die Kosten für den mutwillig verursachten Feuerwehreinsatz.

In Riegelsberg wurde am Sonntag in den späten Abendstunden ein Auto mutwillig beschädigt, wobei man natürlich nicht mit Gewissheit sagen kann, ob sich die böswillige Tat auch ohne Hexennacht ereignet hätte. Der betroffene 5er BMW parkte in der Marienstraße. Der oder die Täter traktierten Motorhaube und Windschutzscheibe mit heftigen Tritten, so dass ein geschätzter Sachschaden von etwa 4000 Euro entstand, berichtet die Polizei.

Neben der Sachbeschädigung gibt es auch noch andere Grenzüberschreitungen, von denen uns berichtet wurde: Kinder wurden in Heusweiler von einem Erwachsenen ermahnt, einen möglicherweise zu einer Sachbeschädigung führenden Streich zu unterlassen. Daraufhin beschimpften die Kinder den Mann als "Arschloch" und "Wichser" - was sicher keinen Sinn für Humor, sondern viel eher ein ganz erhebliches Erziehungsdefizit offenbart.

Hinweise zur Brandstiftung und zur Sachbeschädigung bitte an die Polizeiinspektion Köllertal, Tel. (0 68 06) 91 00

Zum Thema:

Die Freinacht und ihre Wurzeln Die Herkunft der Hexennacht, insbesondere in Süddeutschland auch Freinacht genannt, ist nicht genau geklärt, vermutlich fließen hier verschiedene Bräuche zusammen. Ursprünglich war Freinacht in Oberbayern der Begriff für die Nacht vor verschiedenen Feiertagen (nicht nur für die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai). Das Streichespielen könnte seinen Anfang darin genommen haben, dass es in der ländlichen Gegend als unschicklich galt, vor und an Feiertagen Dinge herumliegen zu lassen. Die wurden dann von der Dorfjugend versteckt - wobei durchaus auch ein offenes Gartentor oder ein Heuwagen zu diesen Dingen gehören konnten. Auch eine Art Konkurrenzkampf, den Maibaum des Nachbardorfs zu entwenden und zu verstecken, kann das Entstehen der Hexennacht gefördert haben.