Püttlinger Jahrmarkt: Von Fun-Socken bis zum Abnehmgenuss

Püttlinger Jahrmarkt : Von Fun-Socken bis zum Abnehmgenuss

Der bunte Püttlinger Jahrmarkt bot wieder allerlei Nützliches, Merkwürdiges, echte und gefühlte Schnäppchen.

Wenn man in den vergangenen Jahren, gefühlt, mindestens 100 Jahrmärkte besucht hat, um darüber zu schreiben, was will man noch berichten? „Holl doch äänfach dei Berichd vom vorrigen Joor,“ rät Klassenkamerad Peter Heckmann, der, gestern, selbst „zum Schnusen“ über den Freilichtbasar Pickardstraße schlendert. Doch Abschreiben ist keine Lösung. Denn glücklicherweise gibt es, jenseits von „Berschmonnsguddsja“ („Wollte das Wort eigentlich nicht mehr verwenden“), ägyptischer Heilerde, Brasil-Bratenwürze oder „Galliern“ (Hosenträger) immer wieder Neues zu entdecken. Wie etwa „Fun-Socken“ – also „Spaß-Socken“ – mit Mini-Püppchen auf dem Spann. Zudem kussechten Lippenstift, der rund um die Uhr hält, laut Werbe-Versprechen. Ebenso gibt’s: Blutdruck oder Zucker bestimmen, Biotonnen-Beratung, „Abnehmen mit Genuss“ oder auch Brillen im Viererpack – alles ist möglich.

„Hier find’ ma alles, was ma eigentlich nidd so wirklich honn muss“, schmunzelt Hannelore Kompter und fügt hinzu: „Äänfach unterhaltsam!“ Für Rudi Schönberg ist jeder Jahrmarkt landauf landab „ein Muss, zumal wir jetzt ja in Püttlingen wohnen“. Und wir treffen einen weiteren Klassenkameraden. Der Gute ist auf der Suche „nach einem schönen Ledermäppchen für mein ‚Händie’ aus der Steinzeit“, ein in der Tat bullig wirkendes Gerät aus der Jahrtausendwende.

Feinkosthändler Ferdinand Kockler, eine Art Institution in Püttlingen, wirkt zufrieden vor seiner Auslage mit Saisongemüse und Obst der Marke „wie gemoold“. Wie genießt Kockler seine Produkte selbst am liebsten? „Den Spargel klassisch, mit einer Sauce Hollandaise, einem Kalbssteak und neuen Kartoffeln, die Erdbeeren direkt aus der Hand.“

Vor dem „Eine Welt Laden“ sagen Wolfgang und Dorothea Vogel „Noch alles zu haben!“ Sie verkaufen fair gehandelte Produkte, unter anderem aufwändig in Handarbeit gearbeitete Wendepuppen aus Lateinamerika. Dorothea Vogel demonstriert das Wenden: „Sie haben hier in einer Puppe Frau Holle, die Goldmarie und die Pechmarie. So können Sie Ihren Kindern das ganze Märchen mit einer einzigen Figur vorspielen.“ Geschäftstüchtig geben sich auch die freundlichen Herren mit Turban aus Ländern wie „Tausend und einer Nacht“, die Textilien in großen Mengen zum kleinen Preis offerieren, etwa knallbunt bedruckte Shirts für drei Euro, und genau wissen: „Kostet Sie weniger als eine Rostwurst oder ein Weizenbier.“ Daneben belauschen wir eine sächselnde Kundin, die sich für Damentaschen (es gibt tausende) interessiert: „Wenn wenigstens ordentlich Geld drinne wär!“

Zu guter Letzt treffen wir auf dem Püttlinger Jahrmarkt Jürgen und Karin Schmeer, die, wie die meisten, zum „Gugge“ gekommen sind. Allerdings „nicht nur‘“, sagt Karin Schmeer, „meistens gehe ich nie ohne ein Windmühlenmesser nach Hause. Es gibt nichts besseres zum Gemüseputzen. Aber zuerst genehmige ich mir eine schöne Waffel.“ „Und ich ein Bier, oder sogar zwei. Kumm, trink äänen midd!“, lacht Heinz Broschart, den wir auch von früher kennen. Netter Gedanke!

Eine nette Idee hatte auch die Stadt, die die Innenstadt zum Jubiläum „50 Jahre Stadt Püttlingen“ mit neuen Blumenbeeten und Pflanzpyramiden aufgehübscht hat. Weniger nett: Wenn der Jahrmarkt, wie gestern, um 8 Uhr beginnt, warum lässt die Stadt dann nicht schon vorher die überquellenden Mülltonnen im Festbereich leeren? Der alles andere als schöne Eindruck wäre den Besuchern erspart geblieben.