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Von Aussaat bis Ernte: Dem Raps auf der Spur

Köllerbach. Raps kennen die Romantiker unter uns von den wunderbar gelb blühenden Feldern, die im Sonnenlicht golden schimmern, - und Allergiker als Verstreuer unliebsamer Pollen, die den unbeschwerten Gang durch den Frühling zur Qual machen Von SZ-Mitarbeiterin Anne Müller

Köllerbach. Raps kennen die Romantiker unter uns von den wunderbar gelb blühenden Feldern, die im Sonnenlicht golden schimmern, - und Allergiker als Verstreuer unliebsamer Pollen, die den unbeschwerten Gang durch den Frühling zur Qual machen. Doch wo kommt der Raps her, wie wertvoll ist er? Wir sind seiner Spur gefolgt und beim landwirtschaftlichen Familienbetrieb der Familie Ziegler in Köllerbach gelandet. Jürgen Ziegler, der den Hof gemeinsam mit seinem Vater Hermann Ziegler leitet, stand Rede und Antwort zum Anbau, der Weiterverarbeitung und der Bedeutung der Pflanze, die alle nur in Gelb kennen. Im Köllertal wird Raps sehr konzentriert angebaut, allein Familie Ziegler bepflanzte in diesem Jahr rund 120 Hektar Land. In unseren Breitengraden wird vor allem der Winterraps angebaut, der Mitte und Ende August ausgepflanzt wird, im Herbst bereits austreibt und im Frühling dann in voller Blüte steht. Da der vergangene Winter so lang und kalt war, befürchtete Jürgen Ziegler schon, dass seine Pflanzen Schaden davon tragen könnten, "aber zum Glück haben es alle unbeschadet überstanden", so der Landwirt. Während des Reifeprozesses des Rapses wird der Boden am Ende des Winters gedüngt, die Pflanzenschutzmittel werden bereits im Herbst verteilt, die Schädlingsbekämpfung findet im Frühjahr statt. Das Saatgut bezieht der Familienbetrieb vom Landhandel. Fast ein Jahr nach der Aussaat Mitte bis Ende Juli werden die nun nicht mehr gelben, sondern unscheinbar braunen Pflanzen geerntet und vom Landhandel oder den Genossenschaften aufgekauft. Das sind immerhin 3,5 bis 4,5 Tonnen pro Hektar. "Was dann mit dem Raps geschieht, liegt nicht mehr in unserer Hand", so Ziegler. "Er kann in der Lebensmittelindustrie zu Salatöl oder Margarine, aber auch zu Bio-Diesel-Kraftstoff weiterverarbeitet werden." Und die Reste der Verarbeitung, der "Rapskuchen" sei ein hochwertiges Futtermittel. Natürlich leide, so Ziegler, auch der Preis für Raps unter der Wirtschaftskrise. So ist der Preis innerhalb des vorigen Jahres von 440 auf 300 Euro pro Tonne gefallen, beim Getreide sogar um die Hälfte. Raps und andere Anbau-Produkte seien im Prinzip Rohstoffe wie etwa Erdöl, und somit unterlägen sie ebenso den Börsenschwankungen. Und wer im kommenden Frühling seinen Blick wieder verträumt über ein Gold schimmerndes Feld gleiten lässt (oder sich entnervt die Augen reibt), der hat dabei auch die bedeutendste Ölpflanze Europas im Blick.