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Hinterwald-Festival Rockmusik: Urig und gemütlich geht’s zu im Jungenwald

Hinterwald-Festival Rockmusik : Urig und gemütlich geht’s zu im Jungenwald

Rockfans aus der Region haben wieder pure Freude beim Hinterwald-Festival in Püttlingen. Nach dem ersten Stubbi gibt’s kein Halten mehr.

Das Motto zum 37. Köllerbacher Rockfestival der Gruppe „Hinterwald Braintrust“ klingt stark nach Untertreibung. Denn was die 30 Organisatoren des Hinterwald-Festivals, plus die Ungenannten, von denen „kein Foto aufzutreiben war“, da Jahr für Jahr im Püttlinger Jungenwald auf die Beine stellen, das ist weit mehr als bloß „Bessa wie nix!“. Musik, das ist klar. Auf der urigen Hauptbühne mit dem knallgelben Sonnensegel als Bühnendach vorzugsweise. Oder auf der kleinen Bühne, einem umfunktionierten Pkw-Anhänger, wo sich unter anderem die Himbis – Uwe „Himbi“ und Desirée Himbert plus Mitstreiter Leo Ortega – überwiegend mit Chansons präsentierten. Dort spielt sich das Programm ab, während auf der Hauptbühne umgebaut wird. So dass es, von einem kurzen, obligatorischen Soundcheck abgesehen, möglichst ohne Verzögerungen weitergehen kann. Wem das noch nicht genügt, der kann sich noch nach Einbruch der späten Dunkelheit zur Nachtbühne begeben, wo vor Batik-Tüchern unverstärkt gerockt wird. Bodenständig und geerdet wirkt das Ganze. Der Biertresen besteht aus einfallsreich zusammengezimmerten Holzpaletten. Statt zur Eröffnung wie anderswo ein schlecht gekühltes Fass Bier anzuschlagen, zelebriert das  Organisationskomitee der Hinterwälder das Öffnen der ersten Stubbiflasche feierlich.  Protzige Verkaufscontainer wie auf großen Festivals sucht man vergebens, Urigkeit und Gemütlichkeit sind Trumpf. „Ein kleines, feines Festival, das auch nicht viel größer sein soll“, so beschreibt es Himbi. 600 Leute oder auch ein paar mehr seien da – passt scho. Auffällig viele bewegen sich barfuß. Schlamm, der die Schuhe verdrecken würde, oder übermäßig viel Staub gibt es nicht, auch das Publikum scheint sich im Hinterwald gern zu erden. An den wenigen Verkaufsständen scheint die Zeit all die Jahrzehnte, die es das Festival gibt (es ist die 37. Auflage), stehengeblieben zu sein. Noch immer kann man hier zwischen hunderten von Vinylscheiben stöbern. Oder unter unzähligen Stickern für die Rockerkutte. Gut: T-Shirts in schrillen Farben gibt es inzwischen auch und – selbstverständlich – das offizielle, schwarze Hinterwald-Festival-T-Shirt mit Keilermotiv und dem Motto „Bessa wie nix!“ Auffällig unaufgeregt und dennoch heiter kommentiert Moderatorin Lucia Hahn zwischen den musikalischen Beiträgen. „Falls jemand heute morgen jemand seine Sonnenbrille aufgesetzt hat und konnte nicht scharf sehen: Es könnte die Sonnenbrille mit Sehstärke sein, die ein Besucher seit gestern Abend vermisst“, berichtet sie zum Beispiel oder: „Künstler Joseph Myers kann heute leider nicht auftreten, er hat sich den Fuß gebrochen.“ Kurzes Bedauern für den Betroffenen, dann die positive Nachricht dazu: „Dafür kann jetzt jeder ein bisschen länger spielen, und nachher kommen nochmal die Himbis mit einem Extra-Auftritt.“ Die wichtigste Botschaft aber: „Leute, kauft die Festival-Armbändchen, damit die Musiker alle ihre Gage bekommen.“ Fünf Euro kosten die Dinger, ein angemessener bis günstiger Preis für so viel Musik.  Blingpoint sind gerade mit Punkrock auf der Hauptbühne dran. Ein Mosaik im bunten Programm mit Roots, Reggae, Folk, Country- und Classicrock, Ska, Indie und vielem mehr. Offensichtlich macht Organisatoren und Publikum das authentische Festival im Hinterwald Spaß. Auch wenn Scherzbold Himbi mal sagt: „Wir machen das seit Jahrzehnten, weil es so ätzend ist. „Nein, nein, das macht Riesenspaß“, wirft sein musikalischer Seitenmann Leo Ortega flugs ein. Die kleine Dimension des Festival sei seiner Einschätzung nach wichtig für den anhaltenden Erfolg, und als Hauptmotivation nennt er: „Das liefert uns eine gute Ausrede zum Campen.“