1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Püttlingen

Uhrensammler pilgern ins Köllertal

Uhrensammler pilgern ins Köllertal

Köllerbach. Bei der Uhrenbörse in Uhrmachers Haus in Köllerbach dreht sich am Sonntag alles um die präzise Zeitmessung. Der Andrang ist groß. Kassenwart Klaus Hoffmann kennt seine Pappenheimer: "Da sind viele bekannte Gesichter darunter."Das Angebot reicht von der kleinen Armband- bis zur großen Standuhr. Manch einer ist auf der Suche nach etwas ganz Speziellem

Köllerbach. Bei der Uhrenbörse in Uhrmachers Haus in Köllerbach dreht sich am Sonntag alles um die präzise Zeitmessung. Der Andrang ist groß. Kassenwart Klaus Hoffmann kennt seine Pappenheimer: "Da sind viele bekannte Gesichter darunter."Das Angebot reicht von der kleinen Armband- bis zur großen Standuhr. Manch einer ist auf der Suche nach etwas ganz Speziellem. Ein Besucher aus Homburg will sich zum 50. Geburtstag eine Repetitionsuhr gönnen. Das ist eine Taschenuhr mit Knopf dran, erklärt Ferdinand Mesarosch, Vorsitzender des Freundeskreises alter Uhren. Wenn man im Dunklen mit der Postkutsche über Land fuhr und wissen wollte, wie spät es ist, zog man die Uhr raus, drückte kurz auf den Knopf, und schon gaben dunkle Töne die Stunden, mittlere die Viertelstunden und helle Töne die Minuten bekannt. Wie sich das genau anhörte, führt ein Händler vor. Über 2000 Uhren sind an den Ständen zu bewundern. Jedes Modell ist anders, denn die Uhren stammen überwiegend aus Sammlungen. Viele der Händler sind selbst Sammler, erläutert Dietmar Schuler, stellvertretender Vereinsvorsitzender und Organisator der Uhrenbörse. Am Stand der Uhrenfreunde gehen die preiswerten Küchenuhren, die aus den 30er bis 60er Jahren stammen, besonders gut. Wie an der Börse steigen oder fallen hier die Preise. Mechanische Uhren sind und waren wertvoll. So eine kleine vergoldete Taschenuhr war in ihrer Zeit ein Vermögen wert. 20, 30 Goldtaler musste man zur Jahrhundertwende dafür hinlegen. Die alten Eisenuhren haben schon gut 200 Jahre auf dem Buckel. Vornehme Zifferblätter aus Emaille mit Gussteilen aus Bronze stehen daneben. Wohlhabende Gutsherren im Burgund schmückten damit ihre Höfe. Zeiten, Stile und diverse Zeitgeschmäcker ziehen beim Bummel über die Börse vorüber. Um 1850 stellte man protzige Uhrengarnituren auf dem Kamin auf. Nicht jeder konnte sich so einen Dreiteiler wie diesen leisten: In der Mitte schwingt ein Engel auf dem Pendel, rechts und links der Säulenuhr stehen Vasen aus Alabaster. Prunkuhren aus vergoldetem Messing platzierte man gern auf dem Vertiko. Einmal in der Woche wurden sie genau eingestellt. "Früher kam es ja nicht auf fünf Minuten an. Aber die gingen schon relativ genau", sagt Mesarosch. Das Faszinierende an Uhren ist, so Dietmar Schuler, "die alte Kunst der Mechanik, also die Tatsache, dass man schon vor zwei-, dreihundert Jahren Uhren so gut baute, dass sie auch heute noch funktionieren." Eigentlich brauche man im Leben ja nur zehn Uhren, sagt der leidenschaftliche Sammler aus Saarlouis. Aber sie sind nunmal sein großes Hobby. Zu jedem Stück könnten die Uhrenfreunde eine Geschichte erzählen. "Je tiefer man in die Materie eintaucht, desto spannender wird es", meint Mesarosch", und schon schlägt er den Bogen von der Zeitmessung zur Politik. Man nehme nur das Thema Emigration, sagt er, und dann beginnt er den Zusammenhang zwischen den Hugenotten und der Erfindung der Schweizer Uhr zu erläutern.