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Teuflisch zu singen, himmlisch gemeistert

Teuflisch zu singen, himmlisch gemeistert

Das Vokaloktett Cantamus war zu Gast in der Martinskirche. Acht junge Stimmen bewältigten auch schwierige Passagen.

"Und wenn die Welt voll Teufel wär." Was wäre dann? - Bewegte Zeiten, die Stunde Null der Reformation, standen am Sonntag im Mittelpunkt des "Zweiten Reformationskonzertes" in der Martinskirche Köllerbach.

Das saarländische Vokaloktett Cantamus, vier junge Frauen, vier Männer, unter ihnen der Gründer und musikalische Leiter Andreas Ganster, sangen Geschichte. Ohne jede Instrumental-Begleitung vertraut das Ensemble auf die emotionale Kraft polyphoner Meister wie Orlando di Lasso, Hans Leo Hassler, Claudio Monteverdi, zudem auf leidenschaftliche Luthertexte, von Johann Sebastian Bach ebenso schlicht wie genial in Noten gesetzt.

Wem Gott als "Feste Burg" galt, wem das Bekenntnis zum (vor 500 Jahren) missliebigen reformatorischen Gedankengut mehr bedeutete als das eigene Leben, der lebte in jener Zeit zwar gottgefällig, aber gefährlich. Das geht aus Briefen des Reformators Jean Calvin an "Gefangene Frauen und Brüder" hervor, die in Paris, Lyon und anderen Orten im Gefängnis auf ihre Hinrichtung warteten, ihres Glaubensbekenntnnisses wegen.

Günter Himber und Pfarrer Professor Joachim Conrad lasen, zwischen den Liedbeiträgen von Cantamus, Teile aus diesen Briefen. Sie berührten merkwürdig auf ihre eigene Art, in Calvins eigenwilligem Stil, der gleichwohl für Vergleiche zu heutigen "bewegten" Zeiten der Weltpolitik viel Raum ließ. Auch meditativ war der Gesang der acht jungen, offensichtlich "handverlesenen" Sänger. Genauigkeit beim Intonieren und Gefühl für die Botschaft der Klänge aus fernen Jahrhunderten gingen hier Hand in Hand.

Cantamus kann auch "modern": Der cantus firmus (eine festgelegte Melodie, die von den anderen Stimmen regelrecht "umspült" wird) in Stücken neuzeitlicher Komponisten wie John Tavener, Ola Gjello oder des Esten Urmas Sisak bringt das Musikverständnis vieler Epochen in neue Formen. Die Musik ist sehr emotional, teuflich schwer zu singen und wurde himmlisch gemeistert.

Ganz aktuell wurde es auch noch: Weil das zweite Reformationskonzert just auf den saarländischen Wahlsonntag fiel, und weil der gute Martin Luther in einem Liedtext die Zeile "Gib aller obrigkeit fried und gut regiment" stehen hat, präsentierte Pfarrer Conrad pünktlich zum Finale des Konzertes auch die jüngste Hochrechnung zur Landtagswahl - dank Smartphone.

Zum Thema:

Sonntag geht's weiter Spanische Impressionen: Die Evangelische Kirchengemeinde Kölln ist am Sonntag, 2. April, 17 Uhr, Gastgeber eines weiteren Konzertes. Dann erklingen in der Evangelischen Kirche Walpershofen andere Klänge, namentlich "Spanische Impressionen" mit dem Kammerorchester Riegelsberg, das damit zu seinem Frühjahrskonzert einlädt. Der Eintritt dazu kostet neun, ermäßigt sechs Euro. Kinder unter 15 Jahren haben freien Eintritt.