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Syrischer Polizist gibt bei uns Fahrstunden

Syrischer Polizist gibt bei uns Fahrstunden

Khaled Alobed ist der bisher einzige saarländische Fahrlehrer syrischer Herkunft. Die SZ sprach mit ihm im Begegnungstreff Köllerbach.

Flüchtling in Deutschland zu sein, das ist mit Hürden verbunden. Ein Dach über dem Kopf finden. Seinen Lebensunterhalt sicherstellen. Sprache lernen. Asylanträge stellen können. Und den deutschen Führerschein als "Eintrittskarte" in die Arbeitswelt erhalten.

Khaled Alobed, ein aus Syrien stammender Flüchtling, hat nicht nur die Führerscheinprüfung, sondern gleich die Prüfung als Fahrlehrer erfolgreich abgelegt. "Khaled ist der erste syrische Fahrlehrer im Saarland und einer von ‚unseren' Flüchtlingen", freut sich Jutta Christmann vom Hilfenetzwerk Riegelsberg.

Am vergangenen Mittwoch beim Begegnungstreff in Köllerbach erklärt Fahrlehrer Alobed seinen Landsleuten, wie man zu einem deutschen Führerschein kommt. Und wie man als Flüchtling die Lizenz als Fahrlehrer schafft: "In Syrien habe ich als Taxifahrer und Polizist gearbeitet und auch drei Jahre lang Jura studiert", gibt Alobed Auskunft. Nach seiner Flucht nach Deutschland stand zunächst das Erlernen der deutschen Sprache auf seinem Programm. Mittlerweile spricht der junge Mann hervorragend Deutsch. Und das war mit eine Voraussetzung dafür, dass ihn ein hiesiges Fahrschul-Unternehmen einstellte und ausbildete.

"In Syrien sind die Verkehrsregeln in etwa die gleichen wie in Deutschland", sagt er, weist aber im gleichen Satz auf den hierzulande deutlich umfangreicheren und auch viel hektischeren Straßenverkehr hin. In seiner früheren Heimat genüge es aber zum Bestehen der praktischen Fahrprüfung, auf einem abgeschirmten Hof wenige Runden zu fahren und nicht, wie in der Bundesrepublik üblich, sich langsam an den Straßenverkehr zu gewöhnen, etwa mit Sonderfahrten auf der Autobahn oder zu Nachtzeiten.

Seine Ausführungen stießen auf großes Interesse seiner Landsleute beim Begegnungstreff, "denn ohne gültigen Führerschein werden die Zuwanderer schwerlich einen Arbeitsplatz finden", lautete das Resümee.

Auch Abdul Maruf Ghiasee aus Afghanistan hat die Führerscheinprüfung geschafft. "Einfach war es nicht", sagt Ghiasee, der in seinem Beruf als Journalist auf den Führerschein angewiesen ist. Zwar ist er jahrelang in Afghanistan mit einem gültigen Führerschein Auto gefahren. "Aber dort herrschen andere Bedingungen. Es gibt keine Autobahnen wie in Deutschland und auch viel weniger Verkehrszeichen. Alle fahren mehr so auf Gefühl", sagt er und schmunzelt. Zudem sei das Verkehrsaufkommen in Afghanistan deutlich geringer als in Deutschland. "Hier ist alles sehr gut geregelt. Jeder Autofahrer weiß im Prinzip genau, wie er sich verhalten soll", sagt Ghiasee, der zum Umschreiben seiner afghanischen Fahrerlaubnis das übliche Procedere durchlaufen musste: Sehtest, Theorie büffeln und die Praxis-Prüfung bestehen.

Zum Thema:

Der Begegnungstreff Köllerbach wird vom Dekanat Völklingen in Zusammenarbeit mit dem Hlife-Netzwerk Riegelsberg, dem Deutschen Roten Kreuz und freiwilligen Helfern seit rund zwölf Monaten organisiert. Er findet immer mittwochs in der Zeit von 15.30 bis 18 Uhr in Räumen der Begegnungskirche Oberwies Köllerbach statt. Pastoralreferent Christoph Morgen erklärt: "Wir bieten einen gezielten Sprachunterricht und gezielte Vorträge zu Fragen der Integration wie beispielsweise zu Asylanträgen oder zu sozialen Leistungen in Deutschland." Der nächste Treff findet am Mittwoch, 17. Mai, statt. Drei Tage später, am Samstag, 20. Mai, besichtigt die Gruppe gemeinsam einen Biobauernhof sowie den Naturpark Kallenborn in Obersalbach.