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Streuobstwiesen machen's dem Specht recht

Streuobstwiesen machen's dem Specht recht

Eigentlich hat sich der Grünspecht in den vergangenen Jahren wieder ordentlich vermehrt. Dennoch gibt es Probleme für den Vogel des Jahres: Mit den Streuobst-Wiesen schrumpft sein bevorzugter Lebensraum.

Der Grünspecht hat gut lachen: die Zahl der Brutpaare hat sich in zwei Jahrzehnten von 42 000 auf 76 000 fast verdoppelt. Trotzdem ist er zum Vogel des Jahres 2014 gewählt worden, denn sein bevorzugter Lebensraum, die Streuobstwiese mit alten Hochstamm-Obstbäumen, ist stark bedroht. Auch seine Hauptnahrung, die Ameisen, werden von Kieswüsten in Vorgärten und totgepflegten Rasenflächen statt naturnaher Gärten verdrängt. Darauf will die neu gegründete NABU-Ortsgruppe Köllertal mit einer Ausstellung zum Grünspecht im Foyer des Knappschaftsklinikums Saar in Püttlingen hinweisen.

Klinik-Verwaltungsdirektor Ralf Beckstein schilderte bei der Eröffnung am Montagnachmittag, dass im Frühjahr erste Obstbäume auf dem Gelände der Klinik gepflanzt worden waren. Weitere sollen 2015 folgen, um so dem Grünspecht langfristig einen geeigneten Lebensraum anbieten zu können. "Aufgrund dieser Aktivitäten der Klinik in Zusammenarbeit mit Püttlinger Schulen waren wir uns im Vorstand einig, dass diese Ausstellung unbedingt in der Klinik Püttlingen stattfinden sollte", begründete NABU-Vorsitzender Hans-Joachim Schmidt den etwas ungewöhnlichen Ausstellungsort.

Der neue saarländsiche Tierschutzbeauftragte Dr. Hans-Friedrich Willimzik verwies darauf, dass die Neupflanzung von Obstbäumen sehr sinnvoll sei, dass aber auch alte Obstbäume erhalten und gepflegt werden müssten: "Selbst Totholz ist nicht tot, kann für Spechte lebenswichtig sein." Der Europaabgeordnete Jo Leinen kündigte an, dass es kommendes Jahr erstmals ein Förderprogramm der EU für die Sanierung und Revitalisierung alter Streuobstwiesen geben soll: "Es gibt noch einige juristische Hürden, aber ich gehe davon aus, dass es auch finanziell attraktiv wird, alte Obstgärten zu reaktivieren."

Püttlingens Bürgermeister Martin Speicher erinnerte daran, dass auch die Stadt Püttlingen , in Zusammenarbeit mit den naturschutztreibenden Vereinen, in den vergangenen Jahren viele Streuobstwiesen neu angelegt hat: "Um die Einrichtung eines ‚Runden Tisches Landschaft', bei dem Natur-, Vogel- und Artenschützer mit Imkern, Anglern, Landwirten und Jägern zusammenarbeiten und Bäume pflanzen oder Müll einsammeln, beneiden uns viele Gemeinden."

Die Ausstellung zum Grünspecht, dem Vogel des Jahres 2014, ist noch bis zum 5. September im Foyer der Klinik Püttlingen zu besichtigen.