| 19:11 Uhr

Stirbt die Kirmes?

Die Kirmes auf dem Püttlinger Burgplatz am Sonntagnachmittag – viel Platz, kaum Betrieb. Foto: Jenal
Die Kirmes auf dem Püttlinger Burgplatz am Sonntagnachmittag – viel Platz, kaum Betrieb. Foto: Jenal FOTO: Jenal
Püttlingen. Nicht nur in Völklingen sind Kirmes-Veranstaltungen nicht mehr das, was sie mal waren. Die Püttlinger Kirmes ist stark geschrumpft, die Heusweiler Frühkirmes wurde abgesagt, die Köllerbacher Kirmes fällt im dritten Jahr in Folge aus – dass sie wieder aufersteht, ist eher unwahrscheinlich. Marco Reuther,Andreas Lang (SZ)

Vergangenen Montag ist die Kirmes in Püttlingen zu Ende gegangen - oder das, was von der August-Kirmes übrig ist: zwei Fahrgeschäfte für Kinder und sieben Buden mit Klassikern wie Bällewerfen oder dem beliebten Kirmes-Eis. "Das wird immer kleiner hier", sagte am Sonntag einer der Buden-Betreiber, "es fehlt ganz eindeutig was, um die Jugendlichen anzulocken." Aber zum Beispiel einen Autoscooter aufzubauen, das gehe nicht, denn dafür "dürfen wir erst zu spät auf den Platz", kritisierte er.


Die Kirmesfläche auf dem Burgplatz - also auf dem Parkplatz vor den dortigen Einkaufsmärkten - war seit Mittwochabend, 20 Uhr, für den herkömmlichen Verkehr gesperrt, die Kirmes startete am Freitagnachmittag. Ist das zu wenig Zeit zum Aufbauen? "Also, bei der Frühkirmes gab es die gleichen Aufbauzeiten, und da hatten wir einen Autoscooter", sagte Klaus Pöss von der Stadtverwaltung. Die Stadt versuche auch zu helfen, so gut es gehe. Man stehe in Verbindung mit Schaustellern sowie dem Schaustellerverband, zudem bereite die Stadt immer eine Bonaktion für die Schausteller vor und bewerbe die Kirmes im "Anzeiger". Es sei wohl eher so, dass sich Schausteller - die ja auf ihre Kosten kommen müssen - für Orte mit einer längeren oder größeren Kirmes entscheiden.

In Köllerbach wird die Spätkirmes Ende September - wie schon in den beiden vergangenen Jahren - aller Voraussicht nach wieder ausfallen. Und jedes Jahr ohne Kirmes macht ein Wiederbeleben schwieriger; es scheint also auf ein endgültiges Ende der Kirmes hinaus zu laufen.



Auch in Heusweiler wurde in diesem Jahr die Frühkirmes, die eigentlich vom 2. bis 4. Juli über die Bühne gehen sollte, komplett abgesagt. Es hatten sich zu wenige Standbetreiber gemeldet, hieß es aus dem Rathaus. Der Ortsrat hatte bereits im März dafür plädiert, die Kirmes ausfallen zu lassen, wenn sich nicht genügend Fahrgeschäfte melden. Da sich an der Situation für die Schausteller grundsätzlich nichts ändert, deuten die Zeichen somit auch in Heusweiler auf ein sanftes Entschlummern der Frühkirmes.

Im Riegelsberger Ortsteil Walpershofen gibt es schon seit den späten 1990er Jahren keine Kirmes mehr, auch aus dem Heusweiler Ortsteil Kutzhof ist um diese Zeit herum die Kirmes verschwunden. Die "Kirmes" ist heute vielerorts oft ein reines Volksfest, vom Ursprung her hat sie sich jedoch aus dem Kirchweihfest entwickelt, das als kirchliches Fest schon seit dem Mittelalter gefeiert wird, um an den Tag der Weihe der jeweiligen Kirche zu erinnern.