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Pippi-Langstrumpf-Pokal
Starke Mädchen haben kesses Vorbild

Emma, 6, vom TV Püttlingen überzeugte bei ihrer Übung und holte sich das Selbstbewusstsein für die nächsten Wettbewerbe.
Emma, 6, vom TV Püttlingen überzeugte bei ihrer Übung und holte sich das Selbstbewusstsein für die nächsten Wettbewerbe. FOTO: Andreas Schlichter
Köllerbach. Der Pippi-Langstrumpf-Pokal ist für viele Turnerinnen die erste Station auf der Karriereleiter. 152 Mädchen ab vier Jahren machten bei der Neuauflage mit – Rekord. Von Roland Schmidt

Sie ist frech und mutig, hat lange Zöpfe und dicke Muckis. Raubeinigen Piraten zieht sie gerne mal die Bärte lang. Oder sie stemmt ihr Pferd „Kleiner Onkel“ munter in die Luft. Die rothaarige Göre mit dem lustigen Sommersprossen-Gesicht ist das kräftigste Mädchen der Welt. So stark wie Pippi Langstrumpf wollen die Turnerinnen beim gleichnamigen Pokal des Saarländischen Turner-Bundes (STB) auch mal werden. Und deshalb sind sie hier am Start. Nicht in der Villa Kunterbunt, sondern in der Kyllberghalle in Köllerbach, wo der 2010 ins Leben gerufene bundesoffene Nachwuchswettbewerb seine neunte Auflage feiert.


Ausrichter ist diesmal der TV Püttlingen, der zwölf Turnerinnen im Rennen hat. Insgesamt testen 152 Athletinnen im Alter zwischen vier und neun Jahren Kraft und Beweglichkeit an acht Stationen. „Das ist Rekord“, sagt Daniela Kattler mit Nachdruck. „Und wie immer sprinten, klettern und springen unsere Kleinsten mit Spaß um die Wette, in lockerer Atmosphäre“, ergänzt die Trainerin vom TV Püttlingen und Leiterin der Schnupperwettkämpfe. Wer die athletischen Normen erfüllt und 60 Prozent der Punkte erreicht, erhält den Titel „So stark wie Pippi Langstrumpf“.

„Ich kenne alle Pippi-Filme. So will ich auch mal werden“, sagt Anastasia Bacevic. Die Sechsjährige turnt beim TV Kirrberg, der mit 13 Mädchen die meisten Starterinnen stellt. Und wie es sich gehört, wird sich vor der Pflicht erst einmal gründlich aufgewärmt: Muskeln dehnen, auf der Stelle hüpfen oder wie die Elefanten-Frühpatrouille aus dem Dschungelbuch auf allen Vieren krabbeln. „Zweimal drei macht vier, widdewiddewitt und drei macht neune“, dudelt es aus den Boxen – und alle klatschen mit.

So abenteuerlich wie die Jobs von Pippis Vater Efraim (Kapitän und Südseekönig) sind die Berufe der Eltern nicht. Aber die knapp 200 Mamas und Papas sind nicht minder stolz auf ihren Nachwuchs, der an den Stationen „Briefmarke“, „Querspagat“ oder „Seitspreizen“ fleißig Punkte sammelt. „Ich bin so schnell es ging auf meine Trainerin Janina zugelaufen und in ihre Arme gesprungen“, verrät die sechs Jahre alte Elisa Ott vom TV Püttlingen ihr Sprint-Geheimnis. „Und ich habe 15 Sit-ups geschafft“, erzählt die sechsjährige Lisa Bernhard vom TV Limbach stolz.

Körperspannung ist an Station zwei gefragt. „Wir stützen uns auf den Klötzchen ab und müssen 25 Sekunden lang die Grätsche halten“, erzählt Amelia Ilazy (6) vom TV Bous. „Und das ist echt schwer“, ergänzt die gleichaltrige Chloé Norinho von Flic-Flac Differdingen. So wie der luxemburgische Club ist auch die KTG Heidelberg beim bundesoffenen Pokal Dauergast. „Meine Mädels turnen erst ein halbes Jahr. Für sie ist es der allererste Test“, sagt KTG-Trainerin Anna Sackmann.



Mia Troia wurde beim Landeskader-Test in ihrer Altersklasse Erste. Jetzt stellt sich die fünf Jahre alte Turnerin vom TV Schaffhausen der nächsten Herausforderung. Sie erklärt: „Am liebsten klettere ich die Taue hoch. Da muss man starke Arme haben.“ Pippis Kraft wäre hilfreich, ihre langen Latschen fehl am Platz, findet Elisa Phillipi vom TV Lebach. „Auf Strümpfen klappt das schon besser“, sagt die Fünfjährige.

Quax, der Kuschelbär, drückte Marie Mühlbrett eben noch die Daumen. Schon darf die sechs Jahre alte Turnerin vom TV St. Ingbert jubeln. „Ich habe beim Seilspringen sieben Hüpfer geschafft – toll“, erklärt sie.

Pippis Äffchen „Herr Nilsson“ und der „Kleine Onkel“ sind in Köllerbach übrigens auch dabei. „Auf den T-Shirts, die jedes Mädchen als Belohnung bekommt“, berichtet Julia Stolz, die dem Wettbewerb 2010 den neuen Namen gab. „Pippi sagt, was sie denkt, und sie ist selbstbewusst. Turnen kann Kinder stark machen. Also passt das doch sehr gut“, findet die STB-Fachwartin. In Mathematik ist Pippi vielleicht keine Leuchte. Dafür ist der Charakter von Astrid Lindgrens Heldin stark. So stark wie Konrads Spezialkleber, auch nach Niederlagen.

Apropos: Verliererinnen gibt es in Köllerbach nicht, nur „starke Mädchen“ oder solche, die „fast so stark“ oder eben „so stark wie Pippi Langstrumpf“ sind. Die Piraten dieser Welt sollten sich lieber schon mal warm anziehen.

Nika Naudorf, 6, vom TV Lebach mit Vivienne Augustin.
Nika Naudorf, 6, vom TV Lebach mit Vivienne Augustin. FOTO: Andreas Schlichter