Sorge wegen Ende der Bürgerarbeit

Das Aus des Bundesprogramms Bürgerarbeit bringt Projekte im Köllertal in Gefahr. Die Erwerbslosenselbsthilfe Püttlingen musste schon Stellen streichen. Und die Öffnungszeiten des Sozialkaufhauses in Köllerbach wurden eingeschränkt.

Die Püttlinger Erwerbslosen-Selbsthilfe (ESH) hatte bis 30. Juni mehr als 90 Stellen für "Bürgerarbeiter" in verschiedenen Projekten auch über das Köllertal hinaus mit Langzeitarbeitslosen besetzt: In ihrem Köllerbacher Sozialkaufhaus und der Möbelbörse arbeiteten zehn Frauen und Männer, zwölf sind im Rahmen der Stadtverschönerung in Püttlingen eingesetzt, beim Demenzverein gab es eine Stelle sowie sechs im Altenheim St. Augustin. Die Maßnahme zur Stadtverschönerung endet am 31. Juli, doch diese Maßnahme wird in Absprache mit dem Jobcenter ab 1. August mit einer anderen Art der Beschäftigungsförderung fortgesetzt, nämlich mit "Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung" und zusätzlicher Qualifizierung, besser bekannt unter dem Namen Ein-Euro-Jobs. Allerdings gibt es dann nur noch sieben statt zwölf Plätze.

Die übrigen drei Projekte liefen bereits am 30. Juni aus, wobei die sieben Bürgerarbeitsplätze beim Demenzverein und im Seniorenheim St. Augustin nicht mehr besetzt wurden.

ESH-Vorsitzender Toni Job und Projektleiter Bernd Eichmann erläutern am Beispiel des Sozialkaufhauses und des Möbellagers in der Sprenger Straße in Köllerbach, welche Probleme durch den Wegfall der Bürgerarbeit entstanden sind: Bis Ende Juni konnten die beiden Einrichtungen dank der zehn Bürgerarbeiter täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet werden, berichtet Eichmann. Da ab Juli nur noch fünf Plätze für Ein-Euro-Jobber vom Jobcenter genehmigt wurden, kann nur noch zwischen Montag und Donnerstag von 8 bis 14 Uhr aufgemacht werden. Die Regelung gilt bis zum Jahresende.

Job verweist darauf, dass auch diese Übergangslösung personelle Probleme bereitet, da die Mitarbeiter an zwei Wochentagen jeweils fünf Stunden an Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen müssen.

Wer eine "Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung " wahrnimmt, der darf, genau wie Bürgerarbeiter, nicht mehr als 30 Stunden pro Woche beschäftigt sein. Job zu dem Dilemma: "Die Qualifizierungsmaßnahmen bringen uns zusätzlich noch einen höheren logistischen Aufwand. Das heißt: Wir müssen selbst bei den reduzierten Öffnungszeiten des sozialen Kaufhauses eine Gradwanderung vollführen. Wir wissen auch noch nicht, wie es nach dem 31. Dezember weitergehen soll." Im schlimmsten Fall müsse "unser 2009 gegründetes Erfolgsprojekt Sozialkaufhaus samt Möbelbörse schließen. Alle unsere Anfragen an das Bundesministerium für Arbeit wegen Anschlusslösungen blieben bisher ohne Antwort." Und Eichmann fügt an: "Die Bürgerarbeit war ein gutes Projekt, über ein Folgekonzept hat sich jedoch niemand Gedanken gemacht."