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„Situation ist unerträglich geworden“

Mitarbeiter des Knappschaftsklinikums Püttlingen sammeln sich zur Abfahrt nach Saarbrücken. Dort gab's gestern eine Großdemo. Foto: Faas
Mitarbeiter des Knappschaftsklinikums Püttlingen sammeln sich zur Abfahrt nach Saarbrücken. Dort gab's gestern eine Großdemo. Foto: Faas FOTO: Faas
Püttlingen. Gestern streikte Klinikpersonal, auch in Püttlingen. Eine Delegation fuhr zur Demo in Saarbrücken. „Die Stimmung ist explosiv, aber immer noch am Wohl unserer Patienten orientiert“, betonte Maria Koch, Vorsitzende des Betriebsrates. Walter Faas

Gestern, 8 Uhr: Noch geht alles im Klinikum Püttlingen seinen gewohnten Gang. Keine Spur vom angekündigten Streik des Personals für bessere Arbeits- und Pflegebedingungen, bis auf ein einziges Flugblatt am Haupteingang. "Die Stimmung ist explosiv", steht drauf. Und: "Wenn jetzt nichts passiert, drohen in Zukunft ganze Abteilungen zusammenzubrechen." Ralf Beckstein, Verwaltungsdirektor des Krankenhauses (mit rund 900 Beschäftigten, darunter 300 Mitarbeitern in der Pflege, größter Arbeitgeber in der Köllertalstadt) bestätigt: "Ja, wir schließen uns dem Streik an."

Sehr kurzfristig müsse gehandelt werden, ein Bus nach Saarbrücken zur Großdemo sei organisiert, die Versorgung der Patienten aber gesichert. Dies unterstreicht auch Maria Koch. Sie ist Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates und sauer: "Die Situation ist unerträglich geworden, die Kollegen auf den Stationen belastet bis zum Gehtnichtmehr." Dass an diesem Vormittag "nur" 50 Mitarbeiter zur Demo fahren, sei folgender Einsicht geschuldet, erklärt Koch: "Eigentlich wollen mehr Leute mitfahren, aber man muss auch vernünftig bleiben."

Schließlich müsse die Versorgung der Patienten aufrecht erhalten werden. Und da keine der Püttlinger Krankenhausstationen üppig besetzt sei ("Das ist ja Teil des Problemes") habe man sozusagen Delegierte für die Fahrt zum Saarländischen Landtag ausgewählt. Die geben sich kämpferisch, haben Transparente dabei und die roten Trillerpfeifen, ohne die kein Verdi-Streik denkbar ist. "Wir brauchen dringend die Unterstützung von Seiten der Politik, im Land, aber hauptsächlich auch im Bund. Wenn wir die nicht erhalten, kann ich Ihnen versichern, dass zur nächsten Demo mehr Busse als heute eingesetzt werden müssen." Koch spricht in diesem Zusammenhang Themen wie Pflegesatzverhandlungen nach dem Vorbild der skandinavischen Länder ("Dort sind die Pflegesätze Teil der Fallpauschale"), aber auch bekannte Verdi-Forderungen zur Entlastung des Krankenhauspersonales über eine bessere Personalausstattung an. Dann werden die roten Trillerpfeifen verteilt, die Transparente zusammengerollt, setzt sich der Bus mit der Abordnung der Püttlinger Klinik in Bewegung Richtung Saarbrücken. Gleichzeitig brausen gleich zwei Krankenwagen mit Blaulicht und Martinshorn Richtung Notaufnahme der Püttlinger Klinik. Botschaft: Auch in Zukunft werden die Pflegekräfte in der Bereitschaft, im Tag- wie im Nachtdienst, über Beschäftigungsmangel nicht klagen können.

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