Sex and Drugs & Rock 'n' Mord in Primstal

Sex and Drugs & Rock 'n' Mord in Primstal

In Primstal dauert die Kirmes vier lange Tage. „Normal passiert da nichts!“ Im Roman „Hammelzauber“ schon – zwölf absonderliche Straftaten in nur einer Nacht. Autor Frank P. Meyer, das Team der Püttlinger Buchhandlung Balzert und gut 35 Zuhörer hatten einen vergnüglichen Leseabend.

Nasskalt, früh dunkel, nix los! Ideale Bedingungen für einen Leseabend bei Balzerts. Es handelt sich um eine Buchhandlung in Püttlingen , die regelmäßig saarländische Autoren einlädt. Dieses Mal kommt Frank P. Meyer. Erster Eindruck: Der Mann hat es faustdick hinter den Ohren. Ein groß gewordener Lausbub mit Sprachwitz, Fantasie und der Fähigkeit, skurrile Dorftypen punktgenau zu beschreiben. Sein neuester Roman "Hammelzauber", als dörfliche Groteske zwischen Heimatkrimi und Science-Fiction angesiedelt, treibt mit Entsetzen Scherz. Denn weil, in hoffentlich nie erlebter Zukunft, der Meiler Cattenom explodiert, werden große Teile von Benelux evakuiert.

Nicht so Primstal: Dort leben, in Meyers Roman, auf der Schnittstelle von erträglicher zu unzumutbarer Strahlenbelastung die irrsten Typen seit Asterix und Obelix . Vorleser Meyer bringt sie uns näher: den allwissenden Justus , einen Kettcar-Edgar, der sich lebenslang auf der Überholspur befindet bis hin zum berühmten Primstaler geriatrischen Bergrennen mit Rollator, jung gebliebene Frauen wie Rückbank-Elfie oder "Es Herminchen", den gar nicht so fixen Speedy, die Bäckerfamilie Schmackes, und so fort.

In diesem Idyll, "dem gemütlichsten Wartesaal Gottes", ereignen sich in nur einer Nacht, ausgerechnet zum Auftakt der legendären Primstaler Kirmes, zwölf abscheuliche Verbrechen - Mord und Totschlag, Brandstiftung, Leichenschändung, sogar Fischfrevel. Eine Tatortkommissarin ermittelt, rafft nichts, und ob am Ende alles aufgeklärt wird, verrät uns der Autor erst recht nicht: "Das müssen Sie sich schon selbst erlesen."

Dafür plaudert Meyer umso mehr aus dem schriftstellerischen Nähkästchen, durchaus amüsant: Dass sein Buch ein Lesebändchen ("Der Ritterschlag für jeden Autor") erhalten hat, beispielsweise. Dass ihm der Verlag zum Vorlesen eine Ü-50-Fassung in 18er-Schriftgröße zur Verfügung stellt. Dass er selbst in Primstal groß geworden ist, dort und abwechselnd in Trier lebt, dass die meisten seiner Typen real sind und manche Begebenheiten seiner Fantasie entsprungen sind. Ein vergnüglicher Leseabend, wie meistens bei Balzerts mit Rotwein, Säften, Tee, kleinen Häppchen und tollem Leseambiente - eine gute Alternative zum trüben Novemberalltag.

Frank P. Meyer "Hammelzauber", Conte Verlag, 464 Seiten, 19,90 Euro.

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