Schüsse in Köllerbach: Masseur (57) stirbt auf offenen Straße

Ermittlungen in Köllerbach : Der Schock nach den Todesschüssen sitzt tief

Sportschützin soll in Köllerbach auf offenener Straße auf einen Mann gezielt haben. Das Opfer und die mutmaßliche Täterin sollen einst ein Paar gewesen sein.

Der Tag nach der Bluttat: Die Spuren der schrecklichen Ereignisse sind deutlich zu erkennen. Ein großer Blutfleck mitten auf dem Trottoir. Zudem haben Fahnder noch in der Nacht farbige Kreise an den Stellen auf den Gehweg gezeichnet, an denen sie unter anderem Patronenhülsen entdeckt hatten. Direkt vor dem großen Schaufenster der Massagepraxis in der Köllerbacher Hauptstraße. Dort, wo am Donnerstagabend ein Mensch starb.

Die Leiche des Getöteten wird vom Tatort, der Hauptstraße in Köllerbach, weggebracht. Foto: Brandon-Lee Posse

Jene, die am Freitag an diesem Ort vorbeikommen, sind geschockt. Die meisten haben erst am Morgen von dem tragischen Zwischenfall des Vortags erfahren. Einige schütteln den Kopf, ziehen rasch weiter, ohne sich lange an der Stelle aufzuhalten, wo das Drama seinen Lauf nahm. Schweigen.

Nach bisherigen Ermittlungen soll sich alles ganz schnell abgespielt haben. So heißt es zumindest nach den vorläufigen Erkenntnissen der Ermittler, die unmittelbar nach der Tat an Ort und Stelle waren. Demnach soll eine Frau ihr Opfer abgepasst haben. Das war kurz vor halb acht. Sie zog ihre Pistole und feuerte auf den Mann. Mehrmals zielte sie auf den Betreiber der Praxis. Der 46-Jährige brach zusammen – und starb noch an der Unglücksstelle. Keine Chance mehr für den Notarzt und die Rettungssanitäter, den Saarwellinger zu retten.

Nachdem die Schützin abgedrückt hatte, setzte sie sich hin und legte die Pistole auf den Gehweg. Stephan Laßotta, Pressesprecher beim Landespolizeipräsidium in Saarbrücken, am nächsten Morgen: „Sie saß am Tatort und bat einen Passanten darum, die Polizei zu rufen.“ Ob dieser Mann auch Zeuge ist, auch irgendetwas von den Todesschüssen mitbekommen hat, müsse sich noch herausstellen.

Wenig später trafen die ersten Ermittler von der nahe gelegenen Polizeiinspektion in Völklingen ein. Sie riefen Verstärkung. Kollegen der Tatortgruppe beim Landespolizeipräsidium machten sich auf den Weg in den Püttlinger Stadtteil. Beamte der Spurensicherung kamen und auch vom Kriminaldauerdienst aus der Landeshauptstadt. Zeugen berichteten derweil von vier Schüssen, die sie wahrgenommen haben wollen. Das wird bislang nicht bestätigt.

Die mutmaßliche Täterin habe sich festnehmen lassen, ohne sich dagegen zu wehren, schildert Laßotta weiter. Kurze Zeit später begann in der Saarbrücker Dienstslelle das Verhör, wollten Polizisten herausfinden, was der Auslöser für die tödlichen Schüsse war. „Bis in die Nacht hinein dauerte die Befragung“, teilt der Behördensprecher mit. Doch bisher schweige die 57-Jährige zum Fall, zu den Vorwürfen, zum Motiv. Unterdessen sei bekannt, dass die Frau aus Bexbach und der Getötete mal ein Paar waren. Diese Beziehung sei allerdings schon vor Jahren beendet worden. Ob es damit zusammenhängt, eine verflossene Liebe? Das wäre im Augenblick reine Spekulation, wies Laßotta entsprechende Annahmen zurück.

Was von der Frau aber mittlerweile bekannt ist: Es soll sich um eine Sportschützin handeln. Durchaus denkbar, dass sie die Waffe, mit der auf den Mann geschossen worden war, besitzen durfte. Laßotta: „Das wird zurzeit überprüft.“

Während die Frau bei der Polizei saß, waren Ermittler bis nach Mitternacht am Tatort. Nichts sollte übersehen werden, noch der winzigste Hinweis könnte Aufschluss zum Hergang geben. Erst um 1 Uhr in der Nacht auf Freitag verließen die letzten Beamten Köllerbach. Die Hauptstraße, wo die Schüsse fielen, war über Stunden gesperrt.

Seit Freitagnachmittag steht fest: Die mutmaßliche Todesschützin muss zur Untersuchungshaft ins Gefängnis. Die Saarbrücker Staatsanwaltschaft wirft ihr Mord vor.

Mehr von Saarbrücker Zeitung