Schirme gingen besonders gut

Püttlingen. Gefallene Mädchen! Sie gibt es am Montag Nachmittag vor einer Boutique in der Püttlinger Innenstadt. Zum Glück waren es nur Schaufensterpuppen - so kam es dazu: Eben noch scheint warm die Mai-Sonne, schon prasseln Regenschauer auf den Zeltbasar. Dann fällt die erste Modepuppe auf dem Bürgersteig, die zweite und die dritte in den heftigen Windböen

Püttlingen. Gefallene Mädchen! Sie gibt es am Montag Nachmittag vor einer Boutique in der Püttlinger Innenstadt. Zum Glück waren es nur Schaufensterpuppen - so kam es dazu: Eben noch scheint warm die Mai-Sonne, schon prasseln Regenschauer auf den Zeltbasar. Dann fällt die erste Modepuppe auf dem Bürgersteig, die zweite und die dritte in den heftigen Windböen. Hurtig räumen viele Händler ihre Auslagen ins Trockene. Dorthin flüchten auch die vielen Marktbummler, nämlich in die Geschäfte hinein, und zwar "immer an der Wand lang" unter einigermaßen schützenden Markisen. "Die Schränke voll"Im Drogeriemarkt sagt die Verkäuferin Christine Zitt ihrer Kollegin: "Es kommen immer mehr Leute ins Geschäft rein, aber keiner geht raus. Wir haben hier ein richtiges Asyl." Nicht nur hier, auch anderswo, sind auf einmal preiswerte Schirme der gefragteste Artikel - mit diesem Rückfall ins Aprilwetter hatten selbst die Schwarzseher nicht gerechnet und also ihren Regenschirm zu Hause gelassen. Gleich scheint auch prompt wieder die Sonne, und die Nachfrage nach den typischen Jahrmarkts-Artikeln wie Kräuterbonbons, den exotischsten Würzmischungen, nach Sparschälern, Gurkenhobeln, Zipperlein-Salben, Arbeitssocken, Poliermitteln und Textilien für wirklich jeden Anlass und (beinahe) jedes Körperteil kommt in Schwung. "Aber nicht so richtig", bemerkt Mustafa Chima, einer der vielen freundlichen Fachhändler. Chimas Erklärung für die mangelnde Kauflust bei steigender Schaulust der Marktbesucher: "Die Leute haben die Schränke voll mit Garderobe. Die sollten mal einen Teil dem Roten Kreuz spenden, dann kommt auch die lahmende Konjunktur wieder besser in Schwung. Man muss schließlich weiterdenken." Ein Püttlinger, der nicht genannt werden möchte, gibt Chima recht und sagt: "Wer sein Geld immer nur zurückhält, kann es eines Tages in die Monopoly-Kasse tun, weil es nämlich nichts mehr wert ist." Ganz so eng sieht Rita Caspar, die mit ihrer Freundin Doro Albert selbst hergestellte Pappmaché-Kunst an Mann und Frau zu bringen versucht, die Dinge nicht. Sie lässt sich die Freude nicht vermiesen: "So ein Jahrmarkt, der Püttlinger speziell, bringt immer wieder viel Spaß, weil man wahnsinnig viele Bekannte trifft." "Und in diesem Fall ist der Umsatz zweitrangig. Unn jeddsd geenma eenen drinken", lacht der Marktbesucher Klaus "Kläuschen" Holschuh, spannt sein Schirmchen auf und ordert eine Runde Bier für sich und seine Freunde, "denn so jung komme ma nimme sesamme". Während die Standbetreiber aus nah und fern, die in diesem langen Winter offensichtlich "sauer und faul" gewöhnt sind, ihre Waren zusammenpacken und vielleicht denken: "Es hedd kinne bessa sinn."