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Sattes Spektakel auf Burg Bucherbach

Köllerbach. Magier, Bronzegießer und Ritter trafen sich über Pfingsten wieder zum Mittelaltermarkt in Köllerbach. Andreas Lang

Mit seinem spitzen, grauen Bart und dem Lederhut schaut er ein bisschen wie das märchenhafte Rumpelstilzchen aus - und sein Publikum, das hat er fest im Griff. "Burg zu Köllerbach - wollt ihr das sehen?", ruft William der Magier provozierend. "Jaaaa!". "Wollt ihr das wirklich sehen?" lautet die noch provozierende Anschlussfrage - und William erntet ein noch lauteres "Jaaaa!" Noch ein kleiner Scherz: "Thomas, willst Du das auch wirklich sehen?" Im quietschgelben und neuen Pulli des Angesprochenen, den William in Händen hält, hat er soeben eine glimmende Zigarettenkippe verschwinden lassen, und Williams Kommentare während des magischen Aktes lassen Schlimmstes vermuten. Doch wie könnte es bei einem Magier anders sein: Der Pulli ist unversehrt, und so ist ihm der Applaus seiner Zuschauer bei den Köllerbacher Mittelaltertagen des Vereins "Die Tafelrunde" sicher.


Für Spektakel ist auch gesorgt. Ritter liefern sich immer wieder Schwertkämpfe auf dem Gelände der Burg Bucherbach. Teils in authentischen Rüstungen, teils in Plastiknachbildungen, aber stets schwitzend. Schweißtreibend auch das Werk des Bronzegießers Bernd Schaumberger. Seinen Schmelzofen hat er bereits bestückt und mit einer Platte abgedeckt. Jetzt muss der Mittelalterfan des Projektes Sachsenglut für die notwendige Hitze von weit über 1000 Grad Celsius sorgen. Sein Brennmaterial Holzkohle gibt das alleine nicht her. Also muss Sauerstroff in die Glut geblasen werden. Schaumberger erledigt das mit zwei riesigen Blasebälgen, die er kniend mit Muskelkraft betätigt. Etliche Male muss er noch abdichten und die Zuleitungen von Ablagerungen befreien. Erst dann "zieht" die Anlage durch. Für sein Publikum nicht zu übersehen. Aus dem Abzugsloch schießt jetzt eine fast durchgängige Stichflamme, und die Schmelzanlage faucht wie ein wild gewordener Drache. Minuten später gießt er das Schmelzprodukt in vorbereitete Formen. "Eine Sichel und ein Anhänger dieses Mal", wie er erklärt.

Zwischen den Arbeiten genießt er das mittelalterliche Lagerleben, an dem sich die ganze Familie mit Frau Michelle und Sohn Sören beteiligt. Und die Ehefrau zeigt jetzt, wozu der Schmelzofen noch taugt. Sie bereitet leckeren Flammkuchen darauf zu. Mittelalterliche Medizin stößt auch auf großes Interesse. Im "Hospitium" der Heiligen Benediktinermönche informieren Heidi Witt und Christoph Kamp über Schröpfen, Blutegel und Co. Und über die nach damaliger Einschätzung Wirkung des Eiters im Heilungsprozess. "Man hat die Eiterung deshalb oft bewusst provoziert", weiß Witt. Benediktiner-Bruder Kamp erklärt zeitgleich, was es mit den Löchern in den menschlichen Schädeln auf sich hat. "Das waren erste Operationen an den Menschen von damals", schildert er und hat die entsprechenden historischen Bohrwerkzeuge zur Hand. Etwa, um Knochenteile aus dem Gehirn zu entfernen oder den Druck im Schädelinnneren zu senken. Mit dem Fingerrand auf die Bohrung zeigend referiert er: "Man konnte sogar sehen, ob die Patienten diese Operation überlebt haben." Dann nämlich, wenn die Ränder der Bohrung nicht mehr scharfkantig waren, sondern schon wieder Anzeichen von Knochenwachstum aufweisen.



Ponyreiten, Schießen mit Bogen und Armbrust kommen bei den Kindern prima an. Viele Jungs sind mit Holzschwerten und Schildern unterwegs, manch einer steckt sogar im Ritterkostüm. Was die Ritter tatsächlich so während der Schlachten, etwa um 1250, trugen, kann in aller Ruhe im Burginneren bestaunt werden. Der Chef der Tafelrunde, Ludwig Heil, freut sich über den Erfolg dieser 13. Mittelaltertage. Wie man ihn kennt, ihn historischem Gewand: "Das Wetter war zwar nicht ideal, trotzdem wird die Veranstaltung gut besucht." Wichtig ist ihm, dass solche Veranstaltungen auf authenthischem Gelände stattfinden: "So wie hier, in einer Burgruine zum Beispiel."