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Rente mit 70? „Das ist völlig gaga“

Rente mit 70? „Das ist völlig gaga“

Politik zum Anfassen – ein Versuch: Im Rahmen des bundesweiten EU-Projekttages diskutierte Staatssekretärin Elke Ferner mit Schülerinnen und Schülern aus den zehnten Klassen der Peter-Wust-Schule.

Zehntklässler für politische Themen zu interessieren, ist bisweilen schwer. Speziell mit ihnen über Errungenschaften der europäischen Einigung und aktuelle Herausforderungen in Europa zu diskutieren, kann eine Geduldsprobe werden. Eine Erfahrung, die die Parlamentarische Staatssekretärin und Bundestagsabgeordnete Elke Ferner am Montag an der Peter-Wust-Gemeinschaftsschule in Püttlingen machte.

Die SPD-Politikerin stellte sich den beiden zehnten Klassen im Rahmen des bundesweiten EU-Projekttages für Fragen rund um die Europäische Union. Doch so richtig wissbegierig, interessiert und begeistert, dass eine leibhaftige Bundestagsabgeordnete vor ihnen steht, zeigten sich die rund 50 Schüler nicht. Nur zögerlich entwickelte sich ein Gespräch.

Doch Elke Ferner ließ sich nicht entmutigen. Sie warb mit Herzblut für das europäische Projekt, das Deutschland und Mitteleuropa die längste Friedenszeit gebracht hat, das vielen Wohlstand, Freiheit und demokratische Mitbestimmung ermöglicht.

Rechtsruck "haben wir schon"

Die Fragen der Schüler und vor allem der beiden Lehrer kreisten um aktuelle Themen, in deren Mittelpunkt immer wieder das Erstarken der AfD stand. Etwa: "Wie wollen Sie der AfD begegnen?" Antwort: "Indem wir uns mit ihren Inhalten auseinandersetzen und zeigen, dass die AfD keine Antworten auf die Fragen unserer Gesellschaft hat. Indem wir uns gegen Ausländerfeindlichkeit, Islam- und Homophobie positionieren und zeigen, dass das Programm der AfD gerade ‚dem kleinen Mann' schadet, dass die AfD zurück zur Kernenergie will, den Klimawandel leugnet und die Gesellschaft um Jahrzehnte zurückwerfen will, speziell in puncto Frauenrechte."

Auf die Frage, ob sie einen "Rechtsruck" in Europa befürchte, antwortete Elke Ferner : "Den haben wir bereits. Europa ist jedoch keine Schönwetter-Veranstaltung, gerade in Krisenzeiten sollten wir beweisen, dass wir als EU besser agieren können als Nationalstaaten." Angst, so wurde auf die entsprechende Frage geantwortet, müsse man vor der AfD nicht haben, "solange wir für unser Grundgesetz einstehen". Selbstverständlich dürfe man in Deutschland protestieren, aber man müsse dabei nicht "hinter Nazifahnen herlaufen".

Eine Rente mit 70 bezeichnete Ferner als groben Unfug und "völlig gaga". Man müsse über andere Finanzierungsmöglichkeiten für die Rente nachdenken, "wir könnten auch den Aspekt der Produktivitätssteigerung einbeziehen und zum Beispiel auch Beamte und Selbstständige einbezahlen lassen."

Zum Ende der rund einstündigen Gesprächsrunde waren die Schüler dann doch noch aufgetaut. Franziska Dittgen fand es klasse, "dass ich eine Politikerin so hautnah kennenlernen durfte, und dass Frau Ferner so offen und ehrlich ihre Meinung gesagt hat".

Zum Thema:

Hintergrund Der EU-Projekttag findet seit 2007 an deutschen Schulen statt. Er wird von den Landesregierungen und der Bundesregierung unterstützt. Er ist Bestandteil der "Europawoche" (dieses Jahr vom 30. April bis zum 9. Mai). Zwei wichtige "europäische Daten" sind mit dem Termin der Europawoche verknüpft: Der 5. Mai ist Gründungstag des Europarates. Der 9. Mai ist der Tag, an dem der französische Außenminister Robert Schuman 1950 mit einer Regierungserklärung die Grundlage zur Montanunion legte; die Montanunion war der Vorläufer der Europäischen Union. mj