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Ein sinkendes Schiff: „Püttlingen tut zu wenig für Wochenmarkt“

Ein sinkendes Schiff : „Püttlingen tut zu wenig für Wochenmarkt“

Mit einem Wochenmarkt haben die wenigen Stände in Püttlingen kaum noch etwas zu tun. An zwei Tagen hielten diese Woche ingesamt nur drei Stände die Stellung. Gründe: fehlende Kunden und kein Durchgangsverkehr.

Es herrscht gähnende Leere auf dem Püttlinger Wochenmarkt, der nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Am vergangenen Montag hielt Textilhändler Giuseppe Messina alleine vor Ort die Stellung. Seit 33 Jahren kommt der Losheimer mit seinem Kleidungsstand nach Püttlingen und sieht Kunden und Händler kommen und gehen – wobei die Betonung eindeutig auf „gehen“ liegt: „Der Markt stirbt aus. Früher gab es viel mehr Händler, ein größeres Angebot und dadurch auch viel mehr Kunden“, sagt der 49-Jährige. Die Gründe für das Marktsterben: „Jeder Händler sagt dasselbe: Die ältere Generation stirbt weg, es kommen keine jüngeren Kunden, weil sie arbeiten müssen oder lieber im Internet kaufen“, sagt Messina. „Das ist sehr schade.“

Ein weiteres Problem: Die Marktverlegung vom Kardinal-Maurer-Platz zum Marktplatz vor rund vier Jahren. „Die Stadt hätte den Markt vorm Rathaus lassen sollen. Dort war mehr Durchgangsverkehr“, sagt Messina. Kunden hätten damals auch oft spontan etwas bei ihm gekauft, während sie auf dem Weg zum Rathaus oder zum Bäcker waren. „Hier oben kommt doch keiner vorbei.“ Eine Kundin aus Püttlingen stimmt dem Händler zu: „Der Markt vorm Rathaus war viel schöner, und es gab mehr Stände. Jetzt stehen dort die Taxis. Das sieht nicht schön aus.“

 Am Freitag waren es zwar zwei Stände, trotzdem war kaum etwas los. Nicht so wie früher, erzählen die Händler, als der Püttlinger Markt noch auf dem Kardinal-Maurer-Platz war.
Am Freitag waren es zwar zwei Stände, trotzdem war kaum etwas los. Nicht so wie früher, erzählen die Händler, als der Püttlinger Markt noch auf dem Kardinal-Maurer-Platz war. Foto: Stephanie Schwarz

Auch Christian Mayer, der jeden Freitag mit seinem Textilstand nach Püttlingen kommt, war gegen die Verlegung des Marktes. „Damals sagte man uns, wir sollten erst einmal ein Jahr abwarten und sehen, wie sich das Ganze entwickelt“, erinnert sich der 63-Jährige aus Wadgassen. Aber die Geschäfte seien immer schlechter geworden, Kunden ausgeblieben. Deshalb habe sich der Händler ein Jahr nach dem Umzug schriftlich beim Püttlinger Bürgermeister beschwert, erzählt er. Aber: „Das ist im Sande verlaufen. Passiert ist nie etwas“, sagt er ernüchtert. Seine Prognose für die Zukunft: „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis es den Püttlinger Wochenmarkt nicht mehr gibt.“

 Textilhändler Giuseppe Messina begrüßt seine Kunden immer mit „Hallo, ihr Lieben“.
Textilhändler Giuseppe Messina begrüßt seine Kunden immer mit „Hallo, ihr Lieben“. Foto: Stephanie Schwarz

Eigentlich hat der 49-Jährige eine abgeschlossene Ausbildung zum Steuerfachgehilfen gemacht, ist jedoch vor rund 40 Jahren in den Textilhandel eingestiegen. „Meine Mutter war Markthändlerin gewesen. Als sie in Rente ging, habe ich den Stand übernommen“, erklärt er. Ein eher ungewöhnlicher Branchenwechsel. Jedoch: „Es ist das Beste, was mir passieren konnte. Nur im Büro sitzen ohne die täglichen Kundengespräche, das könnte ich mir heute nicht mehr vorstellen“, sagt Mayer und lacht. „Mit vielen meiner Kunden bin ich alt geworden, kenne sie schon seit Jahren und freue mich immer, wenn sie zum Plaudern vorbeikommen.“

Auch er führt das Marksterben auf mehrere Ursachen zurück: „Die ältere Generation stirbt, kommt ins Altersheim oder ist von Altersarmut betroffen und kann sich Marktgänge einfach nicht mehr leisten“, sagt Mayer. Zudem habe sich das Kaufverhalten der jüngeren Generation verändert: „Mit einem Klick ist im Netz alles bestellt, oder die Leute gehen in Großmärkte, wo alles unter einem Dach ist. Darunter leiden vor allem die Wochenmärkte.“

 Textilhändler Christian Mayer liebt es, mit seinen Kunden auf dem Markt zu plaudern.
Textilhändler Christian Mayer liebt es, mit seinen Kunden auf dem Markt zu plaudern. Foto: Stephanie Schwarz

Es gebe einige Kunden, die sich über den Rückgang an Ständen beschwert hätten, aber auch hier steckt der Püttlinger Wochenmarkt, genauso wie der Riegelsberger, in einem Teufelskreis. Denn: „Es würden mehr Händler nach Püttlingen kommen, wenn der Markt mehr Kunden hätte“, sagt Mayer. Auf der anderen Seite kommen aber keine Kunden, da das Angebot fehlt.

 Fischhändler Cacan Cakmak ist erst seit drei Jahren regelmäßig auf dem Püttlinger Wochenmarkt.
Fischhändler Cacan Cakmak ist erst seit drei Jahren regelmäßig auf dem Püttlinger Wochenmarkt. Foto: Stephanie Schwarz

„Der Püttlinger Wochenmarkt ist ein sinkendes Schiff“, sagt auch Fischhändler Cacan Cakmak aus Heusweiler. Auch er ist seit etwa drei Jahren jeden Freitag auf dem Püttlinger Wochenmarkt. Für ihn laufen die Geschäfte ganz gut, da es im Umkreis keine Konkurrenz gibt. Dass sich der Püttlinger Markt kaum halten kann und immer weniger Kunden kommen, ist seiner Meinung nach auch die Schuld der Stadt Püttlingen: „Die Stadt macht einfach zu wenig für den Wochenmarkt. Erst die Verlegung und nun kaum Werbung für den Markt:“

Mayer stimmt seinem Kollegen zu: „Es wird ja noch nicht einmal dafür gesorgt, dass der Marktplatz für den Wochenmarkt geschlossen wird:“ Konkret heißt das: Obwohl Markttag ist, können Autos auf dem Markt parken, da dieser von der Stadt nicht abgesperrt wird. „Die Stände müssen dann zwischen geparkten Autos aufgestellt werden“, sagt Mayer. Das erinnere mehr an einen Drive-In als einen Wochenmarkt.