Püttlingen deckt Armen den TischEin leckeres Menü für nur zwei Euro

Püttlingen deckt Armen den TischEin leckeres Menü für nur zwei Euro

Püttlingen. "Die Tafeln hatten sich ja höchstens bereit erklärt, uns eine Ausgabestelle für Lebensmittel einrichten zu wollen

Püttlingen. "Die Tafeln hatten sich ja höchstens bereit erklärt, uns eine Ausgabestelle für Lebensmittel einrichten zu wollen. Die Püttlinger Geschäfte, Vereine und Bürger wollen aber, dass wir etwas eigenes machen und dass die Spenden in Sach- und Geldform in der Stadt bleiben und nicht irgendwo in Saarbrücken untergehen", erklärte Bürgermeister Martin Speicher (CDU) in der jüngsten Stadtratssitzung (wir berichteten bereits über andere Themen aus der Sitzung). "Wir haben mit Püttlinger Geschäften gesprochen, und alle haben zugesagt, uns die geeigneten Lebensmittel zur Verfügung zu stellen. Alle bis auf eins, das vertraglich an die Tafeln gebunden ist." Geeignete Lebensmittel, das sind Speisen und Getränke, die zum Verzehr noch einwandfrei geeignet sind, bei denen aber zum Beispiel das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist oder die nicht mehr "schön genug" zum Verkaufen sind.In einem ersten Schritt sei der Verein Sozialinitiative Püttlingen als Träger des Vorhabens gegründet worden, danach seien Konten bei den drei Püttlinger Banken eröffnet worden, um Geldspenden entgegen nehmen zu können. So habe etwa das Straßenfest auf der Ritterstraße über 2000 Euro für die neue Aktion gebracht. Man könne sich vor Spenden aus dem ganzen Saarland gar nicht retten. "Neben Spenden können Interessierte auch über eine Mitgliedschaft im Verein helfen, die einen monatlichen Beitrag von einem Euro kosten wird", so Speicher weiter. SPD-Fraktionschefin Denise Klein schlug vor, dass alle Ratsmitglieder als Zeichen ihrer Solidarität gemeinsam in den Verein eintreten sollten. Speicher versprach daraufhin, alle Ratsmitglieder mit Beitrittserklärungen zu versorgen. Mit Vereinen und Verbänden habe es bereits einen runden Tisch gegeben, überall sei man auf Zustimmung gestoßen. Einen weiteren runden Tisch für Einzelpersonen, die sich gerne in dem neuen Verein engagieren werden, findet am Montag, 17. November, ab 17 Uhr im Püttlinger Rathaus statt. Speicher: "Jeder, der helfen will, kann da hinkommen."Helfer braucht der Verein für zweierlei: Zum einen soll in der Alten Post gegenüber der Martinskirche in der Sprenger Straße in Köllerbach ein Sozialkaufhaus eingerichtet werden. Dort soll es gebrauchte Möbel, Haushaltsgegenstände, Kleidung und eben auch besagte Ausgabeecke für Lebensmittel geben. Bürgermeister Speicher: "Die Möbel werden bei Bedarf von der Erwerbslosen-Selbsthilfe vorher wieder in Schuss gebracht, die Kleiderausgabe wollen wir gemeinsam mit der ökumenischen Kleiderbörse koordinieren." Eröffnen soll das Sozialkaufhaus Anfang Januar. Zum anderen wird der Verein so genannte "Gedeckte Mittagstische" organisieren. Er soll bedürftigen Menschen eine kostenlose warme Mahlzeit bieten, aber auch die Möglichkeit, einsamen Menschen neue soziale Kontakte zu verschaffen. Das Essen kochen Mitarbeiter der ESH, mit der die Sozialinitiative Püttlingen eng zusammen arbeiten will. Weitere Mittagstische im Köllerbacher Schwesternhaus und auf der Ritterstraße folgen. Köllerbach. Mittwoch dieser Woche: Im Schwesternhaus der katholischen Kirchengemeinde Herz Jesu Köllerbach ist eine lange Tafel fein gedeckt. Es riecht gut. Schnitzel, Salzkartoffeln, Schmorgemüse und Obstsalat mit Vanillesoße haben junge Menschen in der Lehrküche der Erwerbslosen-Selbsthilfe (ESH) unter Anleitung einer Hauswirtschaftsmeisterin gekocht. Es handelt sich um eine Ausbildungs-Maßnahme, die den Teilnehmern den Weg ins Berufsleben ebnen soll.. Finanziert hat das Ganze die ARGE. An diesem ersten Mittagstisch (siehe Info) nehmen gut 20 Menschen im Seniorenalter teil. Sie zahlen für ein Menü zwei Euro. Die Restkosten bezuschusst der in diesem Jahr gegründete Verein SIP. In erster Linie gehe es bei dem Angebot mehr um Begegnung denn um billige Mahlzeiten, erklärt Martin Speicher die Intention. Speicher, Vorsitzender der SIP und Bürgermeister von Püttlingen, sagt: "Das Zusammentreffen von Menschen zum gemeinsamen Essen und Trinken ist von jeher von zentraler Bedeutung in einer sozialen Gemeinschaft." Wenige Meter weiter: Gegenüber dem Schwesternhaus befindet sich ein Geschäftsgebäude, das seit Jahren leer steht. Einst war hier die Köllerbacher Post untergebracht. Jetzt kehrt neues Leben in die verwaisten Geschäftsräume ein. Auf Initiative der SIP und wieder mit Hilfe der ESH (und Jugendlicher, die sonst arbeitslos wären) werden hier neue Elektrostrippen nach VDE-Vorschrift gezogen, Wände gestrichen und Regale gebaut. Noch in diesem Jahr soll ein Sozialkaufhaus entstehen und öffnen, kündigt SIP-Vorsitzender Martin Speicher an. Bereits jetzt suche die ESH als Träger der Maßnahme gebrauchte Möbel, Elektrogeräte, gut erhaltene Spielwaren oder Haushalts-Utensilien, die, von Langzeitarbeitslosen wieder auf Vordermann gebracht, im Sozialkaufhaus zum günstigen Preis an Bürger verkauft werden, die sich Neuware nicht leisten können. Bekleidung wird es übrigens im Sozialkaufhaus nicht geben: "Wir wollen nicht der gut funktionierenden ökumenischen Kleiderbörse gegenüber im Schwesternhaus Konkurrenz machen", sagte Speicher. Aber Lebensmittel aus Spenden im Sinne einer "Tafel" sollen im Sozialkaufhaus verkauft werden, zu deutlich reduzierten Preisen, um einem bedürftigen Personenkreis entgegenzukommen.

Auf einen BlickDer gemeinsame Mittagstisch der Sozialen Initiative Püttlingen wird ab sofort montags von 13 bis 15 Uhr in der ökumenischen Altenhilfe, dienstags von zwölf bis 14 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum Pickardstraße und mittwochs von zwölf bis 14 Uhr im katholischen Schwesternhaus Köllerbach angeboten. Auskunft und Anmeldung unter Telefon (06806) 308800 für Köllerbach, Tel. (06898) 66041 und 67067 für Püttlingen sowie Tel. (09898) 62808 und 67242 für die Ritterstraße. et