Es lebe die Mundart: „Pittlingen Frieja unn Jetsd“

Es lebe die Mundart : „Pittlingen Frieja unn Jetsd“

So heißt die neue druckfrische Broschüre zum Stadtjubiläum. Herausgegeben vom Püttlinger Mundart-Kreis und ab sofort in Geschäften, Sparkassen, Praxen und öffentlichen Gebäuden zum Nulltarif erhältlich. Solange der Vorrat reicht.

Mit Mundart nichts am Hut? Nicht so die Püttlinger: Im Hutgeschäft von Rosalia Grün und der Schneiderei von Egon Altmeyer stellte der Püttlinger MundartKreis sein neuestes Werk vor.

Jeder kennt die markant vorspringende Fassade mit grünen Läden an der Ecke Ismert- und Markstraße. Die Geschäftsräume sind leider, aufgrund Alters- und Todesfällen, seit einem Jahrzehnt geschlossen. Innen lagern noch zahlreiche handgefertigte Hüte, vom Ascottraum über Chapeau-Claques, Panamas und Südwester bis hin zum Speckdeckel für den Köllertaler Bauern.

Die hölzerne Registrierkasse ist noch auf Reichsmark geeicht. Auf Regalen stehen Hutschachteln von Mossant/Paris aus der „Franzosenzeit“. Darunter hängt die hölzerne Schneiderelle, mit der Altmeyer 1956 wohl seinen Stoff fürs Meisterstück maß, das der Deutschen Bekleidungsakademie München ein Diplom – in alter Pracht an der Wand hängend – wert war. Neben dem Diplom befindet sich eine Steckdose aus schwarzem Bakelit, daneben ein geschwungener Spiegel in Silberoptik.

Edmund Altmeyer, Sohn des Hauses, und seine Schwester Beate Theis, haben für den MundartKreis noch einmal die – wie aus der Zeit gefallene – Hutgalerie geöffnet. „Sinna all dòò“, fragt Hildegard Biltzinger vom Püttlinger Mundart-Kreis. „Jòò!“, lautet die Antwort. „Donn konn’s lossgehn!“

Alfred Roth stellt die 52-seitige Broschüre im Vierfarbendruck vor. Mit Herzblut sei sie gemacht, von Isabelle Sehn hübsch designert, vom Püttlinger Unternehmen „Kommunikation Druck und Medien‘“ gedruckt, und ab sofort kostenlos „so lange der Vorrat reicht“ an Interessierte abzugeben, sagt Roth.

Und was steht drin? „Gedichte, Geschichten, Anekdoten aus Püttlingen, aktuelle und alte Fotos unserer Heimatstadt“ lesen wir im Impressum. Was rührt mehr an, die Schwarzweißfotos aus der Zeit, in der die Püttlinger noch „ins Dorf jachten gingen“, der Dampfzug noch fuhr, die Rostwurst noch eine Mark, das Bällchen Speiseeis zehn Pfennige kostete? Oder die vielen Mundart-Beiträge im moselfränkischen Dialekt?

Sie erinnern an „Geißereida“, einst ein bekannter Faschingsverein, dessen letzte Regenten, Laila und Peter, jeweils die/der I., das Zepter 1977 endgültig niederlegten.

Von „Klebbabuwen“, dem „Läärijren Nickel“ und vom „Mudderklitzchin“ lesen wir, von legendären Beatfestivals mit den bis heute aktiven „Blackbirds“ und den unvergessenen „Four Countries“ auch, von der „Fuhrmannsfamill Rupp“, der Geschichte der „Pickardstroos“, von Aufklärung à la Stierstall, von der „Wackenmill“ und vieles weitere mehr.

Fazit: Ein gut aufgemachtes prallbuntes Kaleidoskop der Heimat, eine nette Erinnerung an Zeiten, in denen die Püttlinger ihr Bier im „Wirschtjin“ (dem längst abgerissenen Gasthaus Montnacher) tranken, das Wort „Fissääl“ verschiedene Bedeutungen hatte, im Schlafzimmer noch der „Hawen“, also das Nachtgeschirr den nächtlichen Weg zum Plumpsklo ersparte, als unter dem „Womsch-Wams“ oder „Juppen-Jacke“ (Jacke) noch „Gallier-Hosenträger“ getragen worden sind, und vieles mehr.

Applaus, auch von Seiten der Stadt Püttlingen: „Ein gelungenes Werk, das die Erinnerung an die alte Sprache aufrechthält“, so die Püttlinger Beigeordnete, Denise Klein.

Und wer wollte, durfte sich bei den Erben der gelernten Modistin Rosalia Grün sogar noch einen schicken Hut zum Sonderpreis mitnehmen.

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