Ohne Orgel alle Register gezogen

Luft-Zug um Luft-Zug zum Erfolg: Beim Konzert zum 80-jährigen Bestehen heimste das Akkordeon-Orchester Püttlingen mit anspruchsvollen Stücken viel Applaus ein.

80 Jahre Akkordeon-Orchester Püttlingen - das feierte der Verein mit einem Konzert im fast vollen Kirchenschiff des Püttlinger Klosters Heilig Kreuz. Schon beim Eröffnungstitel wird den zahlreichen Gästen klar, was Gabriele Utter in ihrer Begrüßung meinte: "Wir wollen heute die Vielfältigkeit des Akkordeons als Orchesterinstrument verdeutlichen." Da spielen die Freizeitmusiker des renommierten Orchesters das Präludium und Fuge in A-Moll von Mayas Seiber im Stile von Buxtehude. Sonst in sakralen Bauten wohl eher mit der Orgel gespielt und vertraut. Doch auch die Akkordeons sind Tasteninstrumente mit vielen Registern, und Orgel wie Akkordeon benötigen einen Luftstrom, um ins Klingen zu kommen. Was bei der Orgel jedoch große und kleine Pfeifen aus Metall und Holz vollbringen, muss im Akkordeon über metallene Lamellen funktionieren - schon aus Platzgründen. Tiefes Brummen im Bordun. Hellere Töne für die Melodien. Das klingt prima.

Orchesterleiterin Angelika Didas-Flory spielt quasi eine virtuelle Orgel . Indem sie mit ihren Zeichen die Musiker mal lauter, mal leiser spielen lässt. So, wie es in zahlreichen Proben herausgearbeitet wurde.

Filigranes Spiel

Des Weiteren hat sie ihren Akkordeonisten ein Orgelkonzert von Bach auf den musikalischen Leib des Klangkörpers geschneidert. Und zwar das aus Georg Friedrich Händels Feder mit der Nummer Zwei in B-Dur . In den vier Sätzen ist viel Filigranität gefragt, weswegen Alexander Flory als Solist agiert und seine Intermezzi vom Orchester unterstreichen lässt. Applaus gibt es jedoch erst nach Johann Christian Bachs Sinfonie in B-Dur , dem dritten und letzten Beitrag der Püttlinger Akkordeonisten . Nicht, weil es vorher nicht schon genug Gelegenheit gegeben hätte, die musikalischen Leistungen der Musiker zu beklatschen. Sondern weil sie es sich vorab so erbeten hatten.

Musikalische Unterstützung zum Konzert gewährte das befreundete Akkordeon-Orchester Güdingen unter Orchesterleiter Eugen Tschanun. Und wer bis dahin noch an der Vielseitigkeit des Akkordeons gezweifelt haben mochte, wurde spätestens jetzt überzeugt.