| 20:33 Uhr

Püttlingen verliert Saar-Derby mit 10:19
Offensiv-Debakel statt Derby-Spektakel

Kathrin Lill sitzt in ihrem Tor und kann es nicht fassen. Die Torfrau verlor mit dem Handball-Oberligisten HSV Püttlingen das Saar-Derby zuhause gegen die HSG DJK Marpingen/SC Alsweiler mit 10:19. Ihrer Mannschaft gelangen halbzeitübergreifend in 30 Minuten nur zwei Treffer.
Kathrin Lill sitzt in ihrem Tor und kann es nicht fassen. Die Torfrau verlor mit dem Handball-Oberligisten HSV Püttlingen das Saar-Derby zuhause gegen die HSG DJK Marpingen/SC Alsweiler mit 10:19. Ihrer Mannschaft gelangen halbzeitübergreifend in 30 Minuten nur zwei Treffer. FOTO: Klos Horst
Püttlingen. 10:19 – Püttlingen hat im Kampf um die Vor- machtstellung im Frauen-Handball an der Saar gegen Marpingen/Als- weiler ein Debakel erlebt. Von Mirko Reuther

Die Frage, wer die beste saarländische Handball-Mannschaft bei den Damen ist, hat die HSG DJK Marpingen/SC Alsweiler in der Püttlinger Trimmtreff-Halle eindrucksvoll beantwortet. Marpingen/Alsweiler gewann das Saar-Derby in der Oberliga beim HSV Püttlingen vor knapp 100 Zuschauern mit 19:10 (10:5). Im Hinspiel hatte Püttlingen mit 22:21 die Oberhand behalten. Im Rückspiel am Sonntag hatte der HSV keine Chance.



„Es ist nicht so richtig zu erklären, warum wir gegen Marpingen auswärts regelmäßig bessere Leistungen abrufen als zu Hause. Der Angriff war heute ein Totalausfall. Kein Durchsetzungsvermögen, keine Ideen, keine Konzentration“, monierte Püttlingens Trainer Hans-Werner Müller. Sein Gegenüber Jürgen Hartz meinte: „Dass wir uns für das Hinspiel revanchieren wollten, war ja klar. Dass es sogar so deutlich ausgefallen ist, ist umso schöner. Am Anfang war bei uns noch ein bisschen Nervosität zu spüren. Die haben wir aber schnell abgelegt. Unsere Deckungsarbeit war der Schlüssel zum Erfolg.“

Die HSG DJK Marpingen/SC Alsweiler agierte aus einer defensiven 6:0-Abwehr, der HSV Püttlingen aus einer offensiveren 5:1-Deckung. Der Plan der Gastgeberinnen, mit einer vorgezogenen Abwehrspielerin Bälle zu gewinnen und schnell in den Angriff umzuschalten, gelang aber selten so gut wie in der 16. Minute. Blerta Ilazi fing einen Pass im Aufbauspiel der Gäste ab und leitete den Ball sofort auf Renata Szabo weiter. Und die schloss den Tempogegenstoß mit dem Treffer zum 4:3 für den HSV Püttlingen ab. Im Anschluss gelang den Gastgeberinnen in der Offensive aber nichts mehr. Püttlingen erzielte in den verbleibenden 14 Minuten bis zur Pause nur noch ein Tor – durch einen Siebenmeter.

Der HSV Püttlingen biss sich an der aufmerksamen Abwehr der HSG DJK Marpingen/SC Alsweiler die Zähne aus. Würfe aus dem Rückraum waren ein gefundenes Fressen für die starke HSG-Torhüterin Carina Kockler. Sie meinte: „Unsere Abwehr hat es geschafft, dass Püttlingen genau dorthin geworfen hat, wo wir es wollten.“ In der 22. Minute gelang es Püttlingen dann doch einmal, eine Lücke in der Abwehr der Gäste zu finden. Aber Kockler hielt den freien Wurf von Aline Kessler am Kreis spektakulär. Im Gegenzug erzielte Solveig Petrak das 7:4 für Marpingen-Alsweiler.

Die Gäste nutzten die offensive Püttlinger Deckung immer wieder, um Anna Bermann in Szene zu setzen. Die Kreisläuferin traf mit der Halbzeit-Sirene zum 10:5 für die HSG DJK Marpingen/SC Alsweiler. Nach dem Seitenwechsel setzten sich die Gäste auf 13:5 ab, bevor Kockler zum ersten Mal im zweiten Durchgang hinter sich greifen musste. Ein Wurf von Püttlingens Nathalie Wagner wurde abgefälscht und sprang durch die Beine der HSG-Torhüterin ins Tor.

Dennoch mischten sich bei Püttlingen nun Enttäuschung und Frust. Spielführerin Marion Müller griff Lara Hanslik in den Wurfarm und wurde mit der Roten Karte vom Platz gestellt (39. Minute). Drei Minuten später hatte Marpingen/Alsweiler den Vorsprung durch einen verwandelten Siebenmeter von Michelle Hartz auf 16:6 in die Höhe geschraubt.

Fünf Minuten vor dem Ende erhöhte Stefanie Holz für die Gäste auf 18:7. Zu diesem Zeitpunkt waren dem HSV Püttlingen halbzeitübergreifend in 30 Minuten nur zwei Treffer gelungen. In den Schlussminuten konnte der HSV noch ein wenig Ergebniskosmetik betreiben. An der deutlichen Heimklatsche änderte das aber nichts.

„Wir wollten zeigen, was wir eigentlich drauf haben. Wir haben uns eindrucksvoll für das Hinspiel revanchiert. Vorne hätten noch ein paar Treffer mehr fallen können. Aber mit neun Toren Vorsprung in Püttlingen gewinnen – warum eigentlich nicht?“, sagte HSG-Torfrau Kockler. Püttlingens Trainer Müller erklärte: „19 Gegentore gegen Marpingen/Alsweiler sind eigentlich in Ordnung. Das ist weit unter Liga-Durchschnitt. Aber vorne haben wir nicht das abgerufen, was wir abrufen wollen. Viele Spielerinnen sind angeschlagen. Wir freuen uns jetzt auf die Winterpause, bringen ein bisschen Ruhe rein und werden dann im neuen Jahr wieder angreifen. So eine hohe Niederlage ist nicht schön – sie ist aber auch kein Beinbruch.“ Während die HSG DJK Marpingen/SC Alsweiler Rang vier belegt, ist seine Mannschaft Tabellensiebter.