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Noch vorm ersten Spatenstich wird's teuer

Noch vorm ersten Spatenstich wird's teuer

Nein, die Sanierung des Püttlinger Abwasser-Kanalnetzes ist kein kleines Projekt. Das merkt man schon an den umfangreichen Vorarbeiten, die notwendig sind. Ein Teil der Arbeiten wurde vom Stadtrat an eine örtliche Firma vergeben.

Die städtischen Kanäle beschäftigen derzeit nicht nur Bauarbeiter, Gewerbetreibende, Anwohner und Verkehrsteilnehmer. Mit dem Kanalnetz befassen sich auch die Verwaltung, der Stadtrat und nicht zuletzt die Kämmerei. Denn der Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung im Technischen Rathaus in Köllerbach im Zusammenhang mit den Kanälen Aufträge in Höhe von insgesamt mehr als 600 000 Euro vergeben.

Kanäle werden "Filmstars"

Um ein Kanalkataster zu erstellen, sollen die bestehenden Kanäle zunächst gereinigt und zwecks Dokumentation gefilmt werden. Das kostet die Stadt schon Mal knapp 113 000 Euro, die immerhin auch für Gewerbesteuereinkünfte sorgen, denn der Auftrag geht an die ortsansässige Firma Bormann.

Eigentlich wäre nach der Ausschreibung ein Weinsheimer Unternehmen günstiger gewesen. Doch hat Bormann einen einprozentigen Nachlass angeboten, falls der Auftrag für Reinigung und Verfilmung im Rahmen der Kanalunterhaltung auch ihr übertragen wird. Rechnet die Verwaltung auch hier den angebotenen Nachlass von einem Prozent - hierbei handelt es sich dann um eine Summe von rund 107 000 Euro - sei Bormann in der Summe der günstigste Wettbewerber. Der Stadtrat stimmte folglich einstimmig für den örtlichen Wettbewerber. Gut 400 000 Euro muss die Stadt außerdem aufbringen, damit Ingenieure eine Sanierungsstrategie für das Gesamt-Kanalnetz erstellen. Die Honorarsumme verteilt sich hälftig an die Ingenieurbüros "WSV beratende Ingenieure Saarbrücken" und "Kohns Plan Neunkirchen".

Arbeiten werden vorgezogen

Die Verwaltung hält es mittel- bis langfristig für notwendig, das gesamte Kanalnetz im Hinblich auf baulichen Zustand und hydraulische Belastung zu untersuchen. Das bezieht sich sowohl auf die dem Bereich Abwasser zugeordneten Schmutz-, Regen- und Mischwasserkanalisation, als auch auf die Bachverrohrungen, die den Bereichen Straßen, Wege und Plätze zugeordnet sind, und ebenso auf die Kanalisation für die Friedhöfe, die dem Bereich Friedhöfe zugeordnet ist.

Ursprünglich war geplant, die einzelnen Einzugsgebiete der Nebensammler und Kanalstränge jeweils separat, nacheinander zu überprüfen. Mit diesem Vorgehen hätten die Kosten auf einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahre verteilt werden können. Doch erstellt der Entsorgungsverband Saar (EVS) derzeit für das gesamten Kanalnetz der Stadt auf eigene Kosten bis Mitte des Jahres eine so genannte Schmutzfracht-Berechnung, deren Ergebnisse unter Umständen Auswirkungen auf die durch den städtischen Eigenbetrieb Technische Dienste zu erstellende Sanierungsstrategie habe.

Daher sei es sinnvoll, diese Schmutzfracht-Berechnung zur Grundlage für das eigene Sanierungskonzept zu machen und die Untersuchungen entsprechend zeitlich zu straffen.

Zum Thema:

HintergrundAbwasserentsorgung ist ein Jahrtausende altes Thema der Menschheitsgeschichte: In Mohenjo-Daro am Unterlauf des Indus im heutigen Pakistan wurde ein 4000 Jahre altes gemauertes Entwässerungssystem entdeckt. Noch etwa 1000 Jahre älter sind Reste von Abwasserkanälen im Euphrat-Tal im heutigen Syrien und Irak. Im antiken Rom setzte die "Cloaca Maxima" Maßstäbe in der Abwasserentsorgung . Im frühen europäischen Mittelalter ging das Wissen um eine geregelte Abwasserentsorgung verloren, was das Entstehen verheerender Cholera-Epidemien stark begünstigte. red